glitterhouse und mali. chris eckman und mali. zwei verbindungen zur tief in der rockmusik verwurzelten musikkultur eines landes. verbindungen, welche in den letzten monaten mit tamikrest bzw. dirtmusic geknüpft wurden. und nun weitere früchte tragen. wenn auch - in diesem fall - mit einem äußerst tragischen beigeschmack. Lobi Traoré, sänger, songschreiber und vollblut-bluesgitarrist aus mali starb kurz nach vollendung von "Rainy Season Blues" (glitterhouse/indigo). und insbesondere wenn man die vorgängerwerke kennt, fühlt man sich an die finalen alben von johnny cash erinnert. anstelle von bandinszenierungen spielte traoré die zehn songs nämlich in purest möglicher form ein: eingespielt an einem tag, nur seine besondere stimme und das charakteristische gitarrenspiel hört man hier stationen aus der musikalischen karriere des nicht einmal fünzig jahre alt gewordenen ausnahmetalents. ohne jegliche schnörkel auf band gebracht von chris eckman. was nicht nur deswegen schade ist, weil traoré mit diesen wunderbaren aufhnahmen ein ganz neues publikum erschließen hätte können. unabhängig davon macht "rainy season blues" seinem namen alle ehre und bleibt vielleicht das wichtigste tondokument zwischen afrikanischer folk- und bluesrock-musik des jahres.
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Samstag, 18. September 2010
lobi traoré: rainy season blues. review
glitterhouse und mali. chris eckman und mali. zwei verbindungen zur tief in der rockmusik verwurzelten musikkultur eines landes. verbindungen, welche in den letzten monaten mit tamikrest bzw. dirtmusic geknüpft wurden. und nun weitere früchte tragen. wenn auch - in diesem fall - mit einem äußerst tragischen beigeschmack. Lobi Traoré, sänger, songschreiber und vollblut-bluesgitarrist aus mali starb kurz nach vollendung von "Rainy Season Blues" (glitterhouse/indigo). und insbesondere wenn man die vorgängerwerke kennt, fühlt man sich an die finalen alben von johnny cash erinnert. anstelle von bandinszenierungen spielte traoré die zehn songs nämlich in purest möglicher form ein: eingespielt an einem tag, nur seine besondere stimme und das charakteristische gitarrenspiel hört man hier stationen aus der musikalischen karriere des nicht einmal fünzig jahre alt gewordenen ausnahmetalents. ohne jegliche schnörkel auf band gebracht von chris eckman. was nicht nur deswegen schade ist, weil traoré mit diesen wunderbaren aufhnahmen ein ganz neues publikum erschließen hätte können. unabhängig davon macht "rainy season blues" seinem namen alle ehre und bleibt vielleicht das wichtigste tondokument zwischen afrikanischer folk- und bluesrock-musik des jahres.
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Donnerstag, 22. April 2010
reisetagebücher, teil 2: dirtmusic
walkabouts-chef chris eckman eilt bereits ein euphorischer ruf als freund von kollaborationen voraus. verhalf er doch kürzlich erst dem artistrooster von glitterhouse durch seine produktionstätigkeit für tamikrest zu imposanten neuen facetten. dass sich mittlerweile künstler wie terry lee hale oder chris brokaw (codeine, steve wynn) an seiner seite befinden, überrascht kaum. schon eher die tatsache, dass eckman für die gründung von Dirtmusic den bekennenden eigenbrötler hugo race (ex-bad seeds) ins boot holen konnte. beziehungsweise, um der chronologie rechnung zu tragen: race holte eckman und brokaw an seine seite. und debütierte kurzerhand auf dem glitterhouse-eigenen orange blossom special-festival. was zu, ähm, durchwachsenen resonanzen führte. doch damit nicht genug: das interesse, ja der kreative sog der beteiligten war entstanden. so blieb es nur eine frage von (nicht allzu viel) zeit, bis ein eigener longplayer entstehen sollte. mutig von glitterhouse, dem ganzen nach der umstrittenen prämiere seinerzeit den segen qua veröffentlichung des materials zu erteilen. immerhin: das selbstbetitelte debüt markierte damals den "state of the art" eines sich kontinuierlich weiterentwickelnden kollektivs. für den nachfolger knüpft man nun an eingangs erwähnte tamikrest an: auf der reise zu deren heimat mali fügte sich alles zusammen - in der wüste potenzierten sich die energien der drei in schwelgerische songs zwischen folk, singer-songwritertum sowie atmosphärischer geräuschkulisse. und statt sich im flickwerk der einzelteile zu verlieren, will sich nun die ganz große euphorie einstellen. dank der neuen reiseroute, dank zahlreicher famoser unterstützer aus der touareg-szene gelang mit "BKO" (glitterhouse) ein - für mich unerwartetes - meisterwerk.
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Mittwoch, 3. März 2010
tamikrest: adagh. review
lange war ich auf ein debüt nicht mehr so gespannt wie auf dieses. glitterhouse selbst sprachen im vorfeld von ihrer wichtigsten veröffentlichung seit 16 horsepower. und spätestens da werde ich bekanntermaßen hellhörig. wenngleich das stilistische wie geographische terrain völlig abseits liegt. so haben wir es hier tatsächlich mit wüstenblues aus der sahara zu tun; quasi einer afrikanische antwort auf den amerikana-sound. konkreter: Tamikrest stammen aus dem norden des sudanesischen landes mali. angeführt wird die achtköpfige band von sänger und songwriter ousmane ag mossa. dessen gesellschaftspolitisch motivierte texte nur eine besonderheit ihres debüts "Adagh" (glitterhouse/indigo) darstellen. produziert von walkabout-gitarrist chris eckman dürfte die musik zentraleuropäische hörgewohnheiten zumindest provozieren: die mischung aus westlichen rock-referenzen bei einer klaren dominanz einheimischer folklore-elemente klingt zunächst ungewöhnlich. doch schon nach dem dritten, vierten hördurchgang bin ich den hypnotischen rhythmen, dem ungewöhnlichen gitarrenspiel und den afrikanischen gesängen verfallen. die (mir vorher dennoch nicht bekannten) tinariwen mögen die aufmerksamkeit der medien innehaben: der deutlich schroffere "touareg rebel blues" von tamikrest dürfte dabei nicht nur mich als 16hp-freund in den bann ziehen. und man darf gespannt sein, wie sich ihr einfluss auf das in mali aufgenommene und gemeinsam eingespielte zweitwerk der bislang eher unspektakulären labelmates von dirtmusic (ebenfalls inklusive chris eckman sowie hugo race) auswirkt.
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