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Freitag, 15. Februar 2019

denver broncos UK (DBUK): songs one through sixteen. review

zugegebenermaßen reichlich spät dringt an meine ohren, dass es sich bei den Denver Broncos UK (DBUK) quasi um einen ableger von Slim Cessnas Auto Club handelt. jene alternative-country-punk hohepriester, welche ich seit seligen alternative tentacles-tagen über ihre jetzige labelheimat glitterhouse verfolge und spätestens bei den konkurrenzlos mitreißenden liveshows immer wieder feststelle: die band gehört zu den ganz wenigen musikern, welche mich neben woven hand/16 horsepower (zu denen es außer den label-überschneidungen auch personelle verbindungen gibt) dazu gebracht haben, weltliche musik beinahe spirituell zu verehren. hinter "Songs One Through Sixteen" (glitterhouse/indigo) stehen mit munly munly und slim cessna die beiden SCAC-schlüsselfiguren höchst persönlich. auch wenn die ausrichtung der 16 songs dieser doppel-cd (von denen die hälfte bereits anderweitig veröffentlicht wurden) ganz anders ausgerichtet ist: vor allem durch die falsett-stimme von rebecca vera entsteht insgesamt zwar deutlich ruhigere, aber nur unwesentlich weniger spinnerte musik. mit deutlichen gothic-anleihen garniert, entfaltet der verhallte, avantgardistische country-entwurf von DBUK zwar weniger hitpotential, dafür eine beeindruckende atmosphäre.
alles in allem ist es jedenfalls ein weiterer rohdiamant, welchen der glitterhouse-kosmos aus dem untergrund hievt. wenn auch bestimmt nicht mit dem gleichen kommerziellen potential wie die famosen steiner & madaina, so bin ich rembert und seinen kollegen doch einmal mehr dankbar, dass dieser "stark acoustic gloom" (promoinfo) nicht ungehört an mir vorübergezogen ist.



Montag, 25. Juni 2018

david eugene edwars & alexander hacke: risha. review

es sind nur knapp vierzig minuten, aber genau diese liefern den notwendigen impuls um das schaffen des Woven Hand masterminds auch für jene wieder relevant zu machen, welche bei seinem kreativem output zwischen filmscore und renovierter rock-ambition irgendwann aus der bahn geschleudert wurden. "Risha" (glitterhouse/indigo), das gemeinsame werk von David Eugene Edwards und Alexander Hacke, geriet dabei - wie zu erwarten war - freilich nicht zur hausmannskost. aber indem der beschwörende grundtenor des wanderpredigers edwards auf die experimentellen soundgebilde des Einstürzende Neubauten-visionärs prallen, enstehen tatsächlich neue welten. das promoinfo schreibt nicht ganz zu unrecht von einer mischung aus neo-folk, industrial, ambient und arabischen einflüsen,von übersteuerten gitarren und sogar orientalischen rhythmen. dass die zehn songs - welche nach aussage der protagonisten zudem reichlich intuitiv entstanden - den begriff songs dennoch verdienen, mag dabei der größte verdienst von "Risha" sein. unabhängig davon, dass das aufeinandertreffen dieser beiden charaktere bereits auf eine großtat hoffen ließ, will ich allen die ohnehin schon aufhorchen, dringend eine nähere beschäftigung mit diesem tollen album nahelegen. für mich zumindest stellt das album die relevanteste veröffentlichung Edwards' seit "Consider The Birds" dar. nicht ausschließen kann ich allerdings, dass mich die hypnotische wirkung von "Risha" bereits jeglicher objektivität beraubt hat...

Sonntag, 18. September 2016

wovenhand : star treatment. review

mit slim cessnas auto club und WovenHand veröffentlichen glitterhouse records in diesem monat gleich zwei musikalischen predigten, welche passgenauer zueinander kaum sein könnten.
von einem „mächtigen netz aus gothic americana, neo-folk, punk, alternative-country und psychedelic“ ist im promoinfo zu „Star Treatment“ (glitterhouse/indigo) zu lesen, was exakt so auf die „ten commandments according to scac“ zutrifft. an dieser stelle widmen wir uns aber dem neunten opus von david eugene edwards. dieses überzeugt einmal mehr mit einer intensiven mischung aus dem besten zweier welten. dort, wo der vielgelobte vorgänger "refractory obdurate" endete, knüpfen die elf neuen kompositionen relativ nahtlos an. und lediglich der moderatere anteil an lärmigen momenten sowie ein mehr an traditionellem songwriting spinnt die von vielen ersehnte rückbesinnung auf eine 16 horsepower-vergangenheit weiter. gemeinsam mit seiner abermals wechselhaften band verbreitet edwards also auch 2016 seine fanatische gottheitslyrik, wie ich sie anderen künstlern wohl kaum verzeihen würde. doch dieses werk wird abermals von jener eigentümlichen atmosphäre begleitet, die zu kreieren sonst niemand imstande scheint. manches mag deshalb mittlerweile bekannt klingen; dennoch ziehen mich die songs diesmal deutlich mehr in den bann. in der außergewöhnlichen diskographie des protagonisten könnte man das neue album am ehesten neben "consider the birds" einordnen. denn inspirierter - das will auf diesem level einiges heißen - klangen wovenhand selten. edwards beschreitet seine musikalische zunft weiterhin exaltiert, ja manisch; jedoch endlich wieder mit nachvollziehbaren, zwingenden kompositionen als basis.

Mittwoch, 26. Mai 2010

woven hand, lilium. die heilige zweifaltigkeit

david eugene edwards meldet sich zurück im heimischen schoß des glitterhouse-labels. mit einem neuen woven hand album. und als wäre das nicht anlass genug zur euphorie, kehrt auch noch sein kollege aus 16 horsepower tagen zurück: pascal humbert veröffentlicht mit seiner band Lilium den dritten longplayer in zehn jahren. und "Felt" (glitterhouse/indigo) führt den prozess konsequenter veränderung fort. was den projektcharakter hinter dem namen lilium noch schüren möchte, erweist sich jedoch als bedachte horizonterweiterung: an den vocals übernimmt diesmal hugo race den zentralen part; welcher ja kürzlich schon mit dem dirtmusic-zweitwerk phänomenal zu überzeugen wusste. unterstützung kommt neben weiteren von kal cahoone, die bereits auf "short stories" zu hören war. zusammen mit einigen reinen instrumentalstücken entsteht diesmal ein album, welches weniger einsamkeit und epische (wüsten-)szenarien entwirft. vielmehr klingt diesmal eine art "metropole melancholie" durch: ambientsounds und eine urbane americana-variante führen dieses spannende projekt wohlbehalten ins neue jahrzehnt.
dort, wo "ten stories" endete, knüpfen die zwölf neuen kompositionen von wanderprediger david eugene edwards relativ nahtlos an. und lediglich der zurückgenommene anteil an rockigen momenten sowie ein mehr an traditionellem songwriting spinnt die von vielen ersehnte rückbesinnung auf die eigene Woven Hand vergangenheit weiter. so passt es prima ins bild, dass mit humbert sein alter 16hp-wegbegleiter zurück an akustik- und e-bass kehrt; auch bei den anstehenden konzerten. auf "The Threshingfloor" (glitterhouse/indigo) verbreitet edwards also auch 2010 seine fanatische, nicht selten hypnotische gottheitslyrik, wie ich sie anderen künstlern wohl kaum verzeihen würde. doch das material wird abermals von jener eigentümlichen atmosphäre begleitet, die zu kreieren sonst niemand imstande scheint. manches mag deshalb mittlerweile bekannt klingen; dennoch ziehen mich die songs diesmal deutlich mehr in den bann als auf den etwas zwiespältigen vorgängern. in der außergewöhnlichen diskographie des protagonisten könnte man das neue album am ehesten neben "consider the birds" einordnen. denn inspirierter - das will auf diesem level einiges heißen - klangen woven hand selten. fazit: edwards beschreitet seine musikalische zunft weiterhin exaltiert, ja manisch. jedoch endlich wieder mit nachvollziehbaren, zwingenden kompositionen als basis.

Mittwoch, 3. März 2010

tamikrest: adagh. review

lange war ich auf ein debüt nicht mehr so gespannt wie auf dieses. glitterhouse selbst sprachen im vorfeld von ihrer wichtigsten veröffentlichung seit 16 horsepower. und spätestens da werde ich bekanntermaßen hellhörig. wenngleich das stilistische wie geographische terrain völlig abseits liegt. so haben wir es hier tatsächlich mit wüstenblues aus der sahara zu tun; quasi einer afrikanische antwort auf den amerikana-sound. konkreter: Tamikrest stammen aus dem norden des sudanesischen landes mali. angeführt wird die achtköpfige band von sänger und songwriter ousmane ag mossa. dessen gesellschaftspolitisch motivierte texte nur eine besonderheit ihres debüts "Adagh" (glitterhouse/indigo) darstellen. produziert von walkabout-gitarrist chris eckman dürfte die musik zentraleuropäische hörgewohnheiten zumindest provozieren: die mischung aus westlichen rock-referenzen bei einer klaren dominanz einheimischer folklore-elemente klingt zunächst ungewöhnlich. doch schon nach dem dritten, vierten hördurchgang bin ich den hypnotischen rhythmen, dem ungewöhnlichen gitarrenspiel und den afrikanischen gesängen verfallen. die (mir vorher dennoch nicht bekannten) tinariwen mögen die aufmerksamkeit der medien innehaben: der deutlich schroffere "touareg rebel blues" von tamikrest dürfte dabei nicht nur mich als 16hp-freund in den bann ziehen. und man darf gespannt sein, wie sich ihr einfluss auf das in mali aufgenommene und gemeinsam eingespielte zweitwerk der bislang eher unspektakulären labelmates von dirtmusic (ebenfalls inklusive chris eckman sowie hugo race) auswirkt.

Montag, 25. Januar 2010

the jeffrey lee pierce sessions project: we are only riders. review

würde dieser huldigung an den gun club sänger den üblichen "featuring-"sticker mit den renommierten gästen bzw. beteiligten auf der frontseite des albums kleben haben... das atmosphärische coverphoto wäre wohl nicht mehr zu sehen. denn was sich für das The Jeffrey Lee Pierce Sessions Project versammelt hat, macht den besonderen kultstatus der formation mehr als deutlich. und vorliegende 16-song-hommage versetzt das rührige glitterhouse label zu recht in verzückung: "dieses album ist ein wunder" schreibt man über "We Are Only Riders" (glitterhouse/indigo). und das trifft gleich aus mehreren gründen zu. es beginnt schon mit der tatsache, dass pierce' freund cypress grove alias tony chmelik beim aufräumen ein tape mit songs von ihm in einer box auf seinem dachboden ausgegraben hat. der musikalische inhalt präsentierte sich zwar in zu bescheidener soundqualität, als dass man ihn veröffentlichen hätte könnten. doch grund genug für grove, seinem illustren freundeskreis davon zu erzählen. so fand sich das sessions project zusammen, welches nur einem zweck gelten sollte: die lange verschollenen aufnahmen mit leben im geiste ihres erfinders zu füllen. und da hört man nun eine debby harry, die "lucky jim" (dem einzig veröffentlichten song hier) so beschwörend in szene setzt, wie man es sich für ihre eigene band in der letzten dekade immer gewünscht hat. nicht nur sie zählt den gun club zu ihren alltime favoriten (was umgekehrt übrigens auch für die leidenschaft des sängers und gitarristen für blondie galt). mit u.a. nick cave, barry adamson und mark lanegan fanden sich zudem frühere kollaborationspartner von pierce zusammen, die auf dieser huldigung einige der highlights setzen. im zentrum steht wohl der track "ramblin' mind", der gleich in drei grundverschiedenen varianten eingespielt wurde. wobei die kuriosen interpretationen der originalaufnahmen am deutlichsten in "free to walk" werden: die raveonettes zerrütten die paar akkorde in ihrer distortion-shoegaze-manier; während mark lanegan & isobel campbell bzw. nick cave & debbie harry (!) beinahe zärtlich-finstere balladen daraus kreieren. desweiteren dabei: lydia lunch, dave alvin, johnny dowd, the sadies und viele andere. mein highlight: david eugene edwards, der gemeinsam mit crippled black phoenix "just like a mexican love" zu einem 16 horsepower-artigen par force-ritt macht. im krassen gegensetz zu den zahllosen, oft lieblosen halboffizielle gun club-veröffentlichungen glänzt dieses werk nicht nur durch eine tolle idee und die faszinierende liste an beteiligten, sondern vor allem durch die ehrliche hingabe, mit welcher den songskizzen eines außergewöhnlichen künstlers leben eingehaucht wurde.