skip to main |
skip to sidebar
sometimes look at the bright side of life: sein letztes, selbstbetiteltes album war eines der wirklichen spätzünder im letzten jahr. ein echter "grower", der sträflich unbeachtet sogar in den vestaubten regalen derjenigen kleinen plattenläden liegen blieb, deren publikum es eigentlich besser wissen sollte. sammler, nerds und anhänger von simon & garfunkel bis elliott smith. aber es gibt immer eine zweite chance. diesmal sogar eine dritte: Langhorne Slim veröffentlicht mit "Be Set Free" (kemado records) nämlich sein drittes werk. und macht mich glücklich. nicht, weil er mit "cinderella" sein vielleicht bestgelauntestes lied überhaupt schrieb. oder weil zahlreiche gastmusiker vor allem via streichern für eine abwechslungsreiche instrumentierung sorgen. nein, es bleibt einfach seine eigentümlich schräge art, die (eben doch weitgehend) melancholischen kompositionen mit herzblut und einem augenzwinkern vorzutragen. sowie das talent, sein vermeintliches leid in wunderschöne melodien zu packen, deren langzeitwirkung nicht zu unterschätzen ist. und selbst wenn "be set free" nicht ganz die substanz seines vorgängers haben mag - für erwähnte zielgruppe bleibt das werk essentiell.
beinahe zeitgleich wie vor zwei jahren hat es wieder mit der veröffentlichung ihres landsmannes son of the velvet rat funktioniert, beinahe zeitgleich beherrscht im herbst wieder österreich meinen plattenspieler: dabei hat es Clara Luzia alias clara humpel, mit deren letztem werk "the long memory" ich eine wunderbar nachdenklich-schöne, persönliche zeit assoziiere, auch abseits dieser tatsache gar nicht so leicht - schließlich wich dem überraschungseffekt eine erwartungshaltung. doch auf "The Ground Below" (asinella/hoanzl/broken silence) lässt sie sich nicht aus der ruhe bringen. auf behutsame weise lässt sie etwas mehr licht in ihre musik, ihre band bekommt mehr freilauf und gemeinsam nähert man sich auf diese weise sogar dem pop. dank ihrer eigenwilligen kleinen versponnenhehiten haftet den stücken so abermals ein gewisser "die fabelhafte welt der amelie"-flair an. in "two of them" wird gar kurz "frère jacques" zitiert. vielleicht genau wie bei langhorne slim 2009 tatsächlich nicht ganz so ergreifend wie in der vergangenheit. aber noch immer unbedingt der intensiven betrachtung wert.
deutlich mehr den kontakt zum hier und jetzt als das zeitgleich erscheinende album von afrob hat da schon der kollege von texta gehalten. denn mit Skero tritt einer der charakteristischsten köpfe der österreicher ins solo-rampenlicht. und dass bei ihm einiges anders läuft als beim letzten album mit seiner crew ("paroli"), macht schon das cover klar. die "Memoiren Eines Riesen" (tonträger rec./hoanzl/groove attack) sind nämlich auch die persönlichen gedanken eines permanenten freidenkers; eines interpreten, dessen auffassung von szene keineswegs beim hosenbund seiner baggypants enden. verknüpfungen zur g stone posse sowie anderen elektronik-künstler beleben ein album, bei dem man - vor allem nördlich des weißwurstäquators nach überwindung mittelschwerer sprachlicher barrieren - einen wunderbar selbstverständlichen umgang mit "stilistsische breite" hören kann. jedoch nicht nur deswegen, weil aus der umtriebigen elektroszene (u.a. g-stone) unseres südlichen nachbarlandes zahlreiche beiträge für eine exzellente instrumentale basis sorgen. vielmehr überzeugt dabei die fusion mit dem inhalt: die texte sind überwiegend intelligent, nicht selten mutig und zumeist mit reichlich witz vorgetragen. neben deutsch, dem bekannten dialekt sind ein paar ausnahmen sogar auf englisch gehalten. was im falle von „grafflove“ für meine begriffe jedoch etwas aufgesetzt wirkt. doch das sind vergleichsweise minimale mankos an einem album, welches zwar klar hiphop bleibt, dabei jedoch immer wieder auf galante art die spur verlässt. bleibt die hoffnung, dass die heimisches szene dennoch von diesem kleinod notiz nimmt. immerhin lassen sich damit nicht nur dank einiger diskurse in richtung reggae und folk (!) perfekt die letzten tage des sommers verfeinern. anspieltipp: die potentielle radfahrrerhymne „fuß vom gas“.
nicht einmal make my day records machten anlässlich des gelungenen vorgängers "the four trees" einen hehl daraus, dass der gegenwärtigen postrock-instrumental-schwemme kaum noch herr zu werden ist. was durchaus von reflektiertheit seitens der band bzw. dem sympathischen label zeugt. und diese spiegelt sich auch in der musik von Caspians drittem album wieder. schlicht "Tertia" (make my day records/alive) betitelt, kann dieses zwar ohne schlechtes gewissen als genrealbum bezeichnet werden. die zehn tracks allerdings sind sich längst bewusst, dass das spektrum in bezug auf wall-of-noise-gehabe und frickeleien ebenso wie mit allzu avantgardistischem soundspielereien 2009 ausgereizt wurde. insofern konzentriert sich das quintett aus boston, massachusetts auf die wesentlichen dinge: große, sich aufbäumende melodiebögen, welche sich zu instrumentalen hymnen emporschwingen - aber immer auf fragilem grund gebaut bleiben. und irgendwo zwischen schwerelosigkeit sowie tiefer sogwirkung so etwas wie „schönheit“ entstehen lassen. anhänger von mono, explotions in the sky oder red sparrows werden jene schon beim ersten hörkontakt vermuten; alle anderen geben den famosen kompositionen bitte etwas zeit, bevor sie in die allgemeine euphorie der szene mit einfallen.
The Poem Is You dagegen geben sich auf ihrem zweiten album in jeder hinsicht schlicht: lediglich selbstbetitelt, ein auf das nötigste reduziertes artwork sowie eine begrüßung mit straightem elektropop anstelle großer country-gestik - "TPIY" (k&f records/broken silence/hoanzl) erfordern von den bisherigen kennern der deutsch-belgischen formation einiges umdenken. umso charmanter die tatsache, dass man ihnen den stilwechsel voll und ganz abnimmt. denn hier ist zwar jemand noch auf der suche... genießt diesen zustand jedoch offenbar in vollen zügen. da spielt es dann vielleicht auch gar keine rolle, dass mich persönlich die neue ausrichtung etwas weniger zu begeistern vermag als noch der vorgänger. was wohl eher eine frage der stilistik denn der qualität sein dürfte. und überhaupt, was bei der suche von the poem is you schon jetzt sicher sein sollte: ihr publikum werden sie finden. dass dies auch umgekehrt funktioniert wünsche ich den damen und herren.