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Dienstag, 26. März 2019
maulgruppe: tiere in tschernobyl. review
zugegeben: angesichts des covers habe ich kurz einen "neue deutsche härte"-schreck bekommen. doch zum gück umsonst: jens rachut und das majorlabel aus leipzig bleiben die verlässliche kombination für grenzsprengenden deutsch-(post-)punk, an deren lyrischer intrepretation man sich die gammeligen zähne ausbeißen kann. Maulgruppe lautet die neueste inkarnation, bei welcher rachut von musikern aus dem umfeld von yass, ten volt shock und kurt unterstützt wird. und wer das letzte schaffen der hamburger punklegende beobachtet hatte, der wird etwas beruhigt sein dass es nach engagements am theater und hörspiel nun wieder recht explizit auch musikalisch zur sache geht. ein wenig verwunderlich angesichts dieser tatsache vielleicht, dass der anteil an wave und elektro eher noch ausgedehnt wurde. "Tiere In Tschernobyl" (majorlabel/broken silence) enthält natürlich aber vor allen den charakteristischen sprechgesang, der dafür sorgt dass die 40 minuten sowohl an die vergangenheit a la oma hans, wie auch die gegenwart (kommando sonne-nmilch) als auch die referenzliste (turbostaat etc.) gemahnen. insofern lässt sich die abermals korrigierte stilistische ausrichtung vermutlich auch für die jünger der rachut'schen frühphase gut verdauern. und wenn nicht: unbequem zu sein, da bin ich mir sehr sicher, kümmert die Maulgruppe gar nicht...
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Samstag, 10. Juni 2017
abou diarra: koya. review
ebenfalls schon ein paar tage erhältlich, aber viel zu gut um es zu verpassen: das neue album von Abou Diarra aus mali. ein wenig erinnert die musik des sohnes einer mandingo-sängerin und eines wassoulou-stammeshäuptlings an den sound des exzellenten word-music-ablegers des glitterhouse labels. westafrikanische musik, deren protagonist aber sowohl jimi hendrix als auch die wurzeln des blues und natürlich jazz verinnerlicht zu haben scheint. außerdem in diesem zusammenhang unbedingt erwähnungsbedürtig: der transparente, analoge und unglaublich facettenreiche sound von "Koya" (mix & metisse), für welchen sich jean marc pinaud verantwortlich zeichnet. über das französische label (diarra lebt mittlerweile in paris) und mit broken-silence-vertrieb im hintergrund glücklicherweise problemlos hierzulande erhältlich, seien die elf tracks (plus zwei radioedits) aufgeschlossenen fans afrikanischer-/world-musik unbedingt ans herz gelegt.
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Dienstag, 2. Mai 2017
hoch/tief: detroit→stuttgart. review
ganze sechs jahre ist es her, dass mich hoch/tief mit ihrem selbstbetitelten debüt begeistert hatten. kein schlechtes zeichen - in erinnerung sind mir die schwaben in kurzlebigen zeiten wie diesen trotzdem geblieben. obwohl: selbst wenn die zeitspanne zwischen den zwei alben enorm erscheint - das trio begleitete mich tatsächlich schon vorher in unregelmäßigen abständen. schließlich waren die mitglieder in acts wie cargocity, upfront und vor allem boiler aktiv. deren rifforientierte, groovende herangehensweise zeichnet auch die (lediglich) acht neuen songs aus. ob nun aber die knackige spielzeit wirklich ein manko darstellt? "detroit→stuttgart" (arctic rodeo recordings/broken silence) kommt andererseits nämlich wunderbar auf den punkt, selbst wenn man im songwriting kleine wendungen nimmt und dabei auch noch eine recht mitreißende atmosphäre schafft. das vorab veröffentlichte "hurricane" eignet sich dabei als anspielstation, auch wenn ich den titel weniger programmatisch finde als es vielleicht auf der hand liegen mag. ebenfalls erwähnenswert: die angenehm konkreten, aber unpeinlichen deutschen texte. bleibt zu hoffen, das davon auch notiz genommen wird. am ende des tages bedienen hoch/tief wohl maximal ein nischenpublikum. dieses wird (bzw. würde) sich dafür umso mehr über "detroit→stuttgart" freuen.
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Sonntag, 26. Februar 2017
maillard/ceccarelli/di piazza:il canto delle montagne
wer immer noch dem glauben anhängt, dass jazzige klänge zwangsläufig verkopft und abgehoben sein müssen, der sollte bei diesem trip beide ohren riskieren. die musik dieses französischen trios changiert zwischen aufwirbelnder improvisation und harmonischer basisarbeit. denn wenn auf der einen seite in verträumt melodische sphären vorgedrungen wird, biegt man genau in dem moment in free jazz-eskapaden ab, in welchen der rezensent den zeigefinger in richtung kitsch heben will. denn wann immer man glaubt, jetzt dominieren massentaugliche standards, bauen Thierry Maillard, André Ceccarelli und Di Piazza kniffe und wendungen ein, begeistern mit spannungsbögen und verlieren dabei doch nie funktionierende songstrukturen aus den augen. wenngleich für meinen geschmack in der produktion das piano von maillard - der sich ja bereits in diversen anderen formationen einen namen machte - zu stark dominiert. und demzufolge insbesondere bassist Dominique Di Piazza nicht ganz ausreichend beachtung findet, dessen kreative ideen das werk jedoch immer wieder angenehm beleben. so oder so bleiben die 16 anspielstationen auf “Il Canto Delle Montage” (ilona records/broken silence) zu jeder zeit spannend - eben ausdrücklich nicht nur für genre-puristen.
verschafft euch am besten selbst einen eindruck:
verschafft euch am besten selbst einen eindruck:
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Thierry Maillard
Sonntag, 12. Februar 2017
ea80 & shutcombo. famose rereleases
major label folgten meiner stillen hoffnung: die leipziger nahmen sich ein weiteres mal im doppelpack der aufarbeitung deutscher punkrock-historie a.k.a. dem schaffen von EA80 an. die mitte der achtziger jahre erschienenen alben "2 Takte Später" und "Mehr Schreie" (beide major label/broken silence) tragen - obwohl sie der frühphase der mönchenglattbacher entstammen - bereits deren charakteristische handschrift. selbige näher zu definieren, fällt mir gar nicht so leicht. wahrscheinlich ist es einfach die eigenwilligkeit der mischung aus den "gniedeligen" leadgitarren, nicht immer leicht zu dechiffrierenden deutschsprachigen texten und einer atmosphäre, wie sie sonst gerade einmal joy division zu erzeugen vermögen. die daraus entstehenden hits holen einen ganz heimlich ein, setzen sich dann jedoch umso nachhaltiger im kleinhirn fest. naturgemäß haftet EA80 etwas mystisches an - so richtig zu fassen bekommt man die band zumindest im netz nicht. wer dennoch ein wenig tiefer einsteigen möchte, dem sei die gleichnamige facebook-gruppe ans herz gelegt.so kann man auch sicherstellen, dass keines der raren konzerte an einem vorbeiziehen. bemerkenswert auf jeden fall, wie man über so viele jahre eine diskographie ohne nennenswerte schwächen schaffen kann. nun aber noch einmal konkret zu den vorliegenden alben: beide werden sowohl in wertigen digipaks als auch als vinyl im originalartwork aufgelegt - man verzichtet sogar auf das major label-logo auf dem backcover. aber nicht nur das: die stimmen mehren sich, dass unter dem titel "definitiv: ja!" bereits an einem neuen album gearbeitet wird. danke, major label!
auch für das wieder zugänglich machen eines weiteren highlights: die Shutcombo aus bad dürrenberg, deren debüt mich vor gut zehn jahren zeitgleich mit den famosen D.H. in den bann zog, ließ ebenfalls seit längerem nichts mehr von sich hören. nun machen major label immerhin ihr 2014er album "Omega IQ" (major label/broken silence) wieder zugänglich. auf schickem vinyl im siebdruck-cover, textbeilage und digitalem download code. das ganze klingt abermals kurz, schmerzlos und vor alle richtig, richtig gut. punkrock: voller energie, grundehrlich und konsequent auf den punkt gebracht. diese wiederveröffentlichung ist eine zweite chance, welche man sich nicht entgehen lassen sollte.
auch für das wieder zugänglich machen eines weiteren highlights: die Shutcombo aus bad dürrenberg, deren debüt mich vor gut zehn jahren zeitgleich mit den famosen D.H. in den bann zog, ließ ebenfalls seit längerem nichts mehr von sich hören. nun machen major label immerhin ihr 2014er album "Omega IQ" (major label/broken silence) wieder zugänglich. auf schickem vinyl im siebdruck-cover, textbeilage und digitalem download code. das ganze klingt abermals kurz, schmerzlos und vor alle richtig, richtig gut. punkrock: voller energie, grundehrlich und konsequent auf den punkt gebracht. diese wiederveröffentlichung ist eine zweite chance, welche man sich nicht entgehen lassen sollte.
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Sonntag, 8. November 2015
sebastian block: der mond ist schuld.
knapp zehn jahre nach ihrer gründung erinnert sich vielleicht noch jemand an die temporär aktive band mein mio aus berlin? wenn nicht: mit ihrem gefälligen indiepop stattete man 2011 sogar den hinteren plätzen der charts einen kurzen besuch ab. sänger Sebastian Block veröffentlichte vor knapp fünf jahre ein soloalbum und kehrt nun mit seinem zweiten longplayer zurück.
dunkel schimmernd mit einer funky melancholie, zu der man tanzen möchte... dennoch geht es um klassische songschreiber-lieder, die man von vorne bis hinten auch alleine auf einer gitarre spielen kann.
„Der Mond ist schuld“ (januar/broken silence) klingt feinsinnig instrumentiert und persönlich. der mittdreißiger ist bei sich angekommen – zumindest ein stück. und hat alles selbst gemacht: vom songwriting über die aufnahme und produktion bis zur veröffentlichung auf dem eigenen label januar. ebenso hat er die kampagne zum crowdfunding der cd quasi allein gestemmt – mit erfolg: die vorfinanzierung der pressung von „Der Mond ist schuld“ kam letztlich von den fans. die hat sich Sebastian Block in den vergangenen jahren erspielt – in über hundert konzerten, mit support-shows für u.a. nena und tonbandgerät, eigenen touren mit band und solo-auftritten. (text angelehnt an den promotext)
dunkel schimmernd mit einer funky melancholie, zu der man tanzen möchte... dennoch geht es um klassische songschreiber-lieder, die man von vorne bis hinten auch alleine auf einer gitarre spielen kann.
„Der Mond ist schuld“ (januar/broken silence) klingt feinsinnig instrumentiert und persönlich. der mittdreißiger ist bei sich angekommen – zumindest ein stück. und hat alles selbst gemacht: vom songwriting über die aufnahme und produktion bis zur veröffentlichung auf dem eigenen label januar. ebenso hat er die kampagne zum crowdfunding der cd quasi allein gestemmt – mit erfolg: die vorfinanzierung der pressung von „Der Mond ist schuld“ kam letztlich von den fans. die hat sich Sebastian Block in den vergangenen jahren erspielt – in über hundert konzerten, mit support-shows für u.a. nena und tonbandgerät, eigenen touren mit band und solo-auftritten. (text angelehnt an den promotext)
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Samstag, 7. Februar 2015
monobo son & bob marley. generationentreffen
ein bißchen unfair vielleicht, ausgerechnet diese beiden (bis auf ein paar instrumentale überschneidungen) grundverschiedenen acts zu einem generationentreffen zusammenzuholen. aber da beide alben auch noch zur gleichen zeit erscheinen, mag die popularität des einen vielleicht dem gegenwärtigen status der anderen hilfreich sein...
frisch aus den archiven gehoben wurden jedenfalls diese aufnahmen von Bob Marley & The Wailers, aufgenommen in meinem geburtsjahr und anlässlich des siebszigsten geburtstages der legende. ein komisches gefühl. "Easy Skanking Boston '78" (island/universal) allerdings kursierte lange als bootleg durch die szene, nun wird der auftritt vom 8. juni in der bostoner music hall auf basis der original soundboard-mittschnitte außergewöhnlich gut produzierten tracks der breiten öffentlichkeit zugänglich gemacht. die 13 tracks fangen die bühnenpräsenz von marley und seiner langjährigen begleitband perfekt ein. klassiker wie "i shot the sheriff" und ein guter teil der anderen hier vertretenen songs verdeutlichen den politisch-sozialkritischen anspruch des jamaikaners. auch der 46-minütige dvd-part weiß mit zahlreichen unveröffentlichten bildern und ausschnitten der exzellenten live-performance zu begeistern (sieben songs sind in voller länge enthalten). für anhänger des reggae-pioniers gibt es wohl kein vorbeikommen an dem (zudem noch ordentlich aufgemachten) dvd/cd bzw. cd/bluray-set.
so gar nicht in der vergangenheit stattfinden will dagegen der labrassbanda-ableger Monobo Son. in der besetzung wolfi schlick (tuba, flöte), johannes winbeck (tuba, basstrompete), manuel winbeck (posaune, gesang), johannes duda (orgel) und severin rauch (schlagzeug) will man sich selbst dem rock'n'roll, freejazz oder gar house zu ordnen. die bayerisch-österreichische liaision klingt für mich jedoch eher nach einer gut-gelaunten, zugegebenermaßen teilweise avantgardistischen off-beat-ska-pop-elektro-partytruppe, die trotz zurückgenommener vocals aufmeksamkeit sucht und findet. das dutzend songs jedenfalls auf "Jambo" (international bohemia/broken silence) wird im breiten dialekt vorgetragen, darf bei einem song wie "dance" aber sogar nach notwist meets console klingen. herzerfrischend anders, auf dadaistische weise klug und überhaupt empfehlenswert.
frisch aus den archiven gehoben wurden jedenfalls diese aufnahmen von Bob Marley & The Wailers, aufgenommen in meinem geburtsjahr und anlässlich des siebszigsten geburtstages der legende. ein komisches gefühl. "Easy Skanking Boston '78" (island/universal) allerdings kursierte lange als bootleg durch die szene, nun wird der auftritt vom 8. juni in der bostoner music hall auf basis der original soundboard-mittschnitte außergewöhnlich gut produzierten tracks der breiten öffentlichkeit zugänglich gemacht. die 13 tracks fangen die bühnenpräsenz von marley und seiner langjährigen begleitband perfekt ein. klassiker wie "i shot the sheriff" und ein guter teil der anderen hier vertretenen songs verdeutlichen den politisch-sozialkritischen anspruch des jamaikaners. auch der 46-minütige dvd-part weiß mit zahlreichen unveröffentlichten bildern und ausschnitten der exzellenten live-performance zu begeistern (sieben songs sind in voller länge enthalten). für anhänger des reggae-pioniers gibt es wohl kein vorbeikommen an dem (zudem noch ordentlich aufgemachten) dvd/cd bzw. cd/bluray-set.
so gar nicht in der vergangenheit stattfinden will dagegen der labrassbanda-ableger Monobo Son. in der besetzung wolfi schlick (tuba, flöte), johannes winbeck (tuba, basstrompete), manuel winbeck (posaune, gesang), johannes duda (orgel) und severin rauch (schlagzeug) will man sich selbst dem rock'n'roll, freejazz oder gar house zu ordnen. die bayerisch-österreichische liaision klingt für mich jedoch eher nach einer gut-gelaunten, zugegebenermaßen teilweise avantgardistischen off-beat-ska-pop-elektro-partytruppe, die trotz zurückgenommener vocals aufmeksamkeit sucht und findet. das dutzend songs jedenfalls auf "Jambo" (international bohemia/broken silence) wird im breiten dialekt vorgetragen, darf bei einem song wie "dance" aber sogar nach notwist meets console klingen. herzerfrischend anders, auf dadaistische weise klug und überhaupt empfehlenswert.
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The Wailers
Mittwoch, 15. Dezember 2010
the end of the beginning is the end
kontinuierliche labelwechsel scheinen bei den schweden von Venerea einfach zum guten ton zu gehören. bisher veröffentlichten die melodicpunks noch jedes album bei einer anderen company und mit "Lean Back In Anger" (concrete jungle/broken silence) hat man nun bei den nürnbergern von concrete jungle angedockt. die können sich nun über ein weiteres hitalbum freuen, denn qualitativ macht den vieren in ihrem genre so schnell niemand etwas vor. die 16 tracks brettern mit stets durchgedrücktem gaspedal aus den boxen und enttäuschen auch in punkto hooklines nicht - die diesmal aber einen zweiten durchlauf benötigen, um richtig zu zünden. mehrstimmige chöre, klassische melodycore-breaks und texte inklusive message heben venerea aus dem durchschnitt hervor. mit diesen trademarks sind sie auch näher an den satanic surfers denn an bands wie millencolin. so lassen sich immer wieder auch hardcore-referenzen ausmachen... "lean back in anger" trägt seinen titel somit völlig zu recht und darf - auch dank der kraftstrotzenden produktion - neben dem debüt "both ends burning" zu den highlights in der karriere der schweden gezählt werden. insgesamt kann man den weg von venerea tatsächlich mit dem der satanic surfers vergleichen, die ja ebenfalls mit jedem album rotziger wurden und immer mehr zu ihren eigenen wurzeln zurückkehren. textlich lässt man sich auf dem mittlerweile sechsten regulären longplayer (unzählige ep's und 10"es nicht mitgerechnet) ebenso nicht länger einfach in die fun-schublade stecken. venerea haben mehr als nur eine seite und dürften damit zu den letzten überlebenden des schwedischen melodycore-booms zählen, von dessen erfolg sie leider nie so wirklich betroffen waren. gutes album!Tracklist:
1.Molokai
2. Better Day
3.Forever Jugend
4.Heads They Win, Tails You Lose
5. Protest Song
6.Invitation To Action
7.Absentee
8.Wake Up! Smell The Napalm
9.The Real Ewe
10.Meanwhile, In Zimbabwe
11.Government Subsidized Ghetto
12.Kill Yourself Or Be Killed
13.Solitary Hearts
14.The Bomb
15.Lean Back In Anger
16.We Rot
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Montag, 8. November 2010
female pop highlights. 11/2010
mal ehrlich: das außergewöhnliche image, welches sich Asa inszeniert hat - bzw. welches für sie inszeniert wurde - will nicht so wirklich passen. ebenso wie der titel ihres zweitwerkes "Beautiful Imperfection" (naive/indigo). das dutzend songs schwebt nämlich mühelos durch das pop-universum, ohne dabei großartig anzuecken oder nur eine sekunde nicht perfekt zu klingen. zu nett, ja beinahe zu schön fallen die eingängigen kompositionen der singer-songwriterin aus nigeria aus. und zu glattgebügelt wirken leider auch ihre elemente aus soul-, afro- und folk-elementen. das ganze verschwimmt ähnlich wie auf dem debüt zu einer lieblichen, sommerlichen melange, welche zumindest die bevorstehenden tristen herbst- und wintertage aufhellen könnten.ein erhaben dunkles, melancholisches singer-songwriter-universum hat sich Emily Jane White auf ihren letzten beiden alben gesponnen. auf "Ode To Sentience" (talitres/rough trade) bringt sie die orchestralen momente des letzten albums mit der teils spartanischen inszenierung ihres debüts auf einen gemeinsamen nenner. ihr besonderer sound wirkt so noch sattelfester, es scheint als würde die protagonistin vergessen was um sie geschieht: ganz verhaftet klingt die musik in dem moment. was ihr eine präsenz und intensität verleiht, wie man sie heutzutage nur noch selten findet. einmal mehr eine definitive kaufempfehlung.
die junge kollegin Lena Malmborg stammt aus dem benachbarten schweden und findet deutlich direkter - bzw. weniger dunkel - den weg in unsere herzen: veröffentlicht über das friska viljor-label pendelt sich das musikalische spektrum von "Paris To Berlin" (crying bob records/broken silence) zwischen singer-songwriter-wurzeln und bluesinfiziertem rock ein. gerne auch etwas forscher inszeniert beweist die stockholmerin, dass sich niemand zwangsläufig dem häufig assoziierten melancholie-diktat ihrer nordischen heimat unterwerfen muss. ein track wie "don't be scared" drängt so selbstbewusst und überzeugend in den mittelpunkt, dass man es der zierlichen künstlerin kaum zugetraut hätte. das extrovertierte "messenger blues" anschließend wischt jeden zweifel weg: diese zwölf stücke markieren eine der erfrischenderen angelegenheiten der letzten zeit. übrigens bezeichnet malmborg die einst von ihrem bruder geschenkte muddy waters lp als "the best gift ever"... geschmackssicher.
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Dienstag, 2. November 2010
flying horseman, erika rosen. in den fußstapfen von...
ein untypisches album für die post-progressive-drone experten von conspiracy records, zeitgleich eines ihrer feinsten seit jahren: die Flying Horseman treten mit ihrem debüt "Wild Eyes" (conspiracy records/cargo) in die fußstapfen von david eugene edwards a.k.a. woven hand. das sextett aus dem belgischen antwerpen klingt dabei überraschend authentisch, wovon man sich auch mit untenstehendem video einen eindruck machen können sollte. übrigens: das album erscheint als vinyl-lp plus 7"... sowie als reguläre cd. ex-small flowers crack concrete-sängerin Erika Rosen stammt aus dem schwedischen malmö und tritt mit ihrem debütwerk erfolgreich in die fußstapfen von landsfrauen wie ane brun oder anna ternheim. wobei "Reload All Emotions And Let Them Collide" (margit music/broken silence) als doppel-cd erscheint, wenngleich die tracks leicht auf einen einzelnen silberling gepasst hätten. eine unterteilung macht dennoch sinn: so zeigt sich rosen auf den neun songs der ersten seite als klassische, zurückgenommene singer-songwriterin typisch skandinavisch-melancholischer prägung. die sechs stücke auf seite zwei entstanden im home-recording-verfahren und offenbaren eine experimentierfreudigere, atmosphärischere seite. auch diese facette weiß zu gefallen. und es dürfte spannend werden, wie sich ein solches kreatives konglomerat in der weiteren musikalischen biographie der künstlerin niederschlägt.
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Montag, 13. September 2010
jeff row & volbeat. rock chamäleons
bevor wir hier den dynamischen dänen ihren verdienten platz einräumen, ein kurzer blick auf einen (in punkto verkaufszahlen) ganz kleinen kollegen. deshalb passend, weil volbeat auf ihrer neuen platte mit nachdruck no use for a name als referenz danken; und auch Jeff Rowe über einen vergleichbaren punkrock-hintergrund verfügt. für "Barstool Conversations" (gunner records/broken silence) legte er jedoch alle eingestöpselten instrumente ad akta und fröhnt, wie so (zu?) viele dem singer-songwriter-tum. das gefällt über weite teile recht gut, am besten jedoch, wenn seine kompositionen wie in "no place" etwas fahrt aufnehmen... und nach against me klingen. wer noch mehr referenzen braucht: produziert hat tim barry, smoke or fire schauten bei den aufnahmen vorbei und mit strike anywhere teilte man sich die bühne. schön.nun aber: da brat mir doch einer 'nen storch! entschuldigung für diese etwas wunderliche metapher. aber dass ich Volbeat erst seit ihrem letzten album wirklich wahrnehme, entpuppte sich als waschechter fauxpas. mittlerweile gibt es aber ja ohnehin für niemanden im rockkontext mehr ein vorbeikommen an ihnen. dass die dänen in der metalpresse allerorten abgefeiert wurden, war unüberhörbar... nicht aber, dass dahinter weitaus mehr steckt als eine metalinfizierte elvis-rock-kapelle. und nun das: seit tagen will die vierte platte des quartetts aus kopenhagen nicht mehr aus meiner anlage. und beim refrainsingen habe ich mich wohlgemerkt schon auf der arbeit (und die findet in eher ruhiger büroatmosphäre statt) ertappt. ursachen? die social distortion-parallelen sind natürlich eine wohltat. ebenso wie die erwähnten elvis-momente in den vocals perfekt von ein paar klassischen life of agony (frühphase) vergleichen ergänzt werden. "Beyond Hell/Above Heaven" (universal) erinnert mich aber vor allem an ein album, welches zu meinen persönlichen favoriten zählt - obwohl es seinerzeit landauf landab gescholten wurde. der unglaubliche hymnenanteil sowie die stimme von frontmann michael poulsen bringen nämlich das x-te misfits-reunionwerk "famous monsters" - damals mit sänger michael graves - auf den plan. und das war, mit verlaub, schweinegut. volbeat hängen privat dagegen gerne ´mal mit kollegen wie barney von napalm death oder mille von kreator (beide hier als gäste vertreten!) ab – ihrem sound schadet das keineswegs. tracks a lá "who they are" sind mehr als nur ohrwürmer - und die euphorischen hymnen animieren zum mitsingen/-feiern, ohne dass die band droht, jemals in üble plattitüden abzudriften. im gegenteil: sie umschwärmt ein grundsympathischer coolness-faktor. und für die musik gibt's ohnehin höchste punktzahl… eine seltenheit hier, aber hey, wozu nennen wir uns schließlich fanzine?
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Donnerstag, 3. Juni 2010
arbeitsgruppe: "voran in die sonne"
verwirrung bleibt konzept: der opener "grunz-rauch" klingt nach einer dub-reggae schülerchoraufführung, die man vielleicht eher beim letzten longplayer "jamaica" erwartet hätte... der titel benennt den veröffentlichungszeitpunkt und die songtitel sind allesamt in griechischer schrift gehalten. ein zusammenhängender plan erschließt sich zumindest mir auch 2010 nicht. mit etwas fantasie vielleicht zu letzterer these: Kommando Sonne-Nmilch haben mit schlagzeuger alex tsitsigias (schrottgrenze) offenbar jemanden mit entsprechendem kulturellen hintergrund als nachfolger für stephan mahler gefunden. wie auch immer. "Pfingsten" (major label/broken silence) jedenfalls zeugt nicht nur aufgrund der feiertags-punktlandung von aktualität: im entstaunlich direkten "bubenglueck" rechnen jens rachut (jaja... oma hans, dackelblut, die ganze chose) und konsorten sowas von köstlich mit den gegenwärtigen skandal-katholiken ab, dass es einen pracht ist. "galgenbauer" dagegen knüpft an den hörspielprojekten der bandmitglieder an und bleibt eines von vielen beispielen, wie wichtig sängerin und schauspierin yvon jansen mittlerweile für den sound der band ist. da sie neben charismatiker rachut tatsächlich eine gleichberechtigte rolle einnimmt. und das soundrepertoire unter anderem dadurch weitaus mehr facetten kennt als nur punk.im vorprogramm der captain planets' wußten sie die begeisterung nochmal zu untermauern, welche sich meinerseits beim debüt "kuddel" eingestellt hatte. und die vorfreude auf "Blinker" (zeitstrafe/cargo) war dementsprechend groß. nicht nur bei mir. Matula haben sich davon jedenfalls nicht beirren, sondern vielmehr großzügig zeit gelassen. doch keine sorge: für einen immer noch reichlich rauhen feinschliff wurde gesorgt. denn die merkmale des vorgängers sind allgegenwärtig: man könnte also wieder sagen, dass die songmuster oft ähnlich sind, man könnte die sonoren vocals von tobbe kritisieren... oder einfach eingestehen, dass sich hier im schatten diverser hamburg-bands etwas ganz besonderes entwickelt. vielleicht hört man die jawbreaker-einflüsse auf der bühne noch deutlicher heraus. aber matula haben ihre wurzeln im schattigen dickicht zwischen einem dischord-emoverständnis und jawbreaker-harmonielehre geschlagen. von daher: nicht nur sympathisch, sondern viel zu gut für ein nischendasein. nur hätten wir damals tatsächlich die wohnung in hammerbrook genommen, würde das urteil über die platte vielleicht etwas anders aussehen...
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Donnerstag, 22. April 2010
weltmusik, jazz, krautrock: obskuritäten
musik mit direktem oder indirektem balkan-bezug hat momentan eine chance auf öffentlichkeit wie nie zuvor. gogol bordello beispielsweise produzieren ihr neues album für einen major mit der untertstützung von rick rubin; balkanbeat-compilations zieren nicht nur plattenläden, sodern dienen auch als beschallung für entsprechende parties. das Absinto Orkestra, gegründet ursprünglich als begleitung für ein theaterstück (und entgegen der augenzwinkernden attitüde ohne jegliche wurzeln im sinti/roma-kulturkreis), liegen damit auf seltsame weise sogar im trend. was aber eigentlich keine rolle spielt: "Gadje" (gadjo records/timezone) überzeugt nämlich nicht nur musikalisch, sondern auch trotz oder wegen der deutschen texte - die das überwiegend instrumentale album phasenweise anreichern. der rhein-main-fünfer sorgt in der tradition von osteuropäischen hochzeitskapellen (!) unter anderem mit einem schnorrigen kontrabass sowie einer sirrenden geige für gute laune. die ein-drittel neueinspielungen klassichen materials passen exzellent zu den eigenkompositionen und sorgen für ein prima sommeralbum.sämtliche nu-jazz-bedenken bitte an der garderobe deines stylishsten elektro-clubs abgeben: Cobblestone Jazz mögen ihre sound-szenarien zwar nicht gerade mit konventioneller instrumentierung entwerfen. dafür steht "The Modern Deep Left Quartet" (!k7/alive) auch viel zu nahe an club-stilistiken und dancefloor-funktionalität. reduziert, um frickeleien einzelner protagonisten bereinigt, geht das material von produzent tyger dhula, mathew jonson und danuel tate ziemlich direkt in die hüfte. anstelle easy listening-beliebigkeit werden jedoch grooves in fragmente zerlegt und neu positioniert; analoge drumcomputer sorgen im gegenzug für eine ebenso warme wie treibende atmosphäre. und als referenz an das eigene genre: ein "echter" keyboarder, perfekt in den albumfluss integriert. das resultat verfügt über sog-artige anziehungskraft fernab des schubladendenkens. ein echter space-night-aspirant.
die alten herren der industrial- und krautrock-avantgarde wollen es - eine gute halbe dekade nach ihrer dälek-kooperation - wieder wissen. kaum überraschend: die ursprünglich aus hamburg stammenden Faust haben in ihrer 40-jährigen karriere immerhin diverse stilistische, geographische und besetzungstechnische wechsel hinter sich. prädikat: "unkaputtbar". was unter anderem dazu führte, dass mit den herren peron/diermaier eine zweite formationen unter diesem titel unterwegs ist. für den doppelschlag "Faust Is Last" (klangbad/broken silence) steht in diesem fall gründungsmitglied hans joachim irmler an der orgel; der rest rekrutiert sich jedoch aus anderer herkunft. das ergebnis klingt nichtsdestrotz erwartet apokalyptisch: drone-soundgemälde und ungreifbare, überdrehte brachialhysterie sowie der stil der frühen neubauten sind die erhabene konsequenz. auf welche man sich allerdings einlassen (können) muss.
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Dienstag, 6. April 2010
turbostaat & katzenstreik. deutschunterricht
album nummer vier der flensburger. und war der vorgänger stagnation auf hohem niveau, halten Turbostaat das steuerrad weiterhin unbeeindruckt auf den kurs, welcher vor jahren von jens rachut kartiert wurde. "Das Island Manöver" (same same but different/warner), ein weiteres mal von dickem warner-vertrieb und persönlicher labelbetreuung durch die beatsteaks-manager- bzw. uncle sallys-herausgeber-konnektion begleitet, macht natürlich abermals nicht den fehler, anbiedernd zu klingen. dafür sorgt schon der sound von moses schneider und gleich zu beginn das fiese "kussmal". dennoch klingt das dutzend live eingespielter songs eine spur nüchterner: trostlosigkeit ist die neue verzweiflung? das vorab veröffentlichte "pennen bei gluffke" mag mit seinem diskobeat und den vorsichtig geglätteten refrains anderes befürchten lassen, die gitarren in "urlaub auf fuhferden" hat man von turbostaat in dieser form auch noch nicht gehört... im kontext des albums fügen sich jedoch selbst diese stücke exzellent ein. am ende bleibt es wie es war: sperrigkeit, hitappeal und intensität werden hierzulande selten so rabiat zusammengebracht. außer bei - und der neuerliche vergleich mag die protagonisten noch so sehr nerven - oma hans bzw. deren vorgänger-/nachfolgerbands. aber statt noch weiter solche erbsen zu zählen freue ich mich lieber an dieser vereinnahmenden (und nebenbei: toll aufgemachten!) platte.lange waren die weg... und nicht nur ich dürfte sie sehentlich vermisst haben. trotz eines verweigerungsalbums (gegen wen auch immer); so bezeichne ich "IIII" nun einfach mal. vielleicht waren das aufblitzen von hiphop und elektronika aber auch nur indiz dafür, dass in der musikalischen karriere wohl ein paar andere betätigunsfelder notwendig gewesen sind. und ortswechsel: göttingen - bristol - berlin - und zurück. Katzenstreik finden auf "Move" (unterm durchschnitt/broken silence) ihre alten stärken wieder. schon der opener prescht in melodischer hardcore-manier nach vorne; und findet in "change" kurz vor dem finale einen weiteren höhepunkt: so nah an der frühen n.y.h.c.-sschule waren die nie! die mischung aus englischen und deutschen texten funktioniert, die 14 tracks wirken wieder wesentlich homogener als beim vorgänger. wenig abgeklärte weltverbesserer sind und bleiben katzenstreik natürlich dennoch. woran man sich stören oder gar darüber amüsieren kann... bei mir bleibt respekt für genau den idealismus. und die leidenschaft in ihrer musik.
Labels:
broken silence,
das island manöver,
iiii,
jens rachut,
katzenstreik,
move,
oma hans,
same same but different,
turbostaat,
unterm durchschnitt,
warner
Mittwoch, 24. März 2010
attack in black & ninja gun. besser spät als nie
dass sich der erfolg von Attack In Black über umwege einstellt, kann man ihnen kaum verdenken. immerhin schaffte es das ausgezeichnete zweitwerk "marriage" erst mit deutlicher verspätung zu uns. umgehend von der indiepresse hochgelobt, wurde einige monate darauf das debüt - allerdings nur auf vinyl - wieder aufgelegt. es mögen der verkorkste veröffentlichungsryhthmus oder die stilbrüche innerhalb dieser beiden alben sein, welche das abermals verzögerte drittwerk dann doch stringent erscheinen lassen: "Years (By One Thousand Fingertips)" (dine alone/soulfood) jedenfalls nimmt das anspruchsvolle emo-postrock-publikum an die hand und führt es in ruhigere gefilde. es bleiben die akustischen stücke der weakerthans und die gelassenheit eines jason lytle, welche dem zauber dieser 16 teils fragmentarischen songjuwelen am ehesten beschreiben.ebenfalls ganze zwei jahre verspätet kommt nun das zweite album von Ninja Gun. doch ob diese tatsache überhaupt jemand bemerkt hat? wohl kaum. dem engagement des bremer labelmachers gunner chistiansen ist es zu verdanken, dass "Restless Rubes" (gunner records/broken silence) überhaupt den weg in unsere läden findet. vielleicht ja genau zur richtigen zeit. immerhin darf folk-beeinflußter indierock momentan ja durchaus über punkwurzeln verfügen, um aufmerksamkeit zu erlangen. und genau das tun ninja gun. mit melancholie und unbeschwertheit, einem gefühl für warme melodieläufe. genau so darf der sommer kommen. ohne eile. referenzen: against me!, band of horses oder, ähem, phantom planet.
Labels:
attack in black,
broken silence,
by one thousand fingertips,
dine alone,
gunner records,
ninja gun,
restless rubes,
review,
soulfood,
years
Samstag, 13. Februar 2010
se, d und nl: indierock international
war das prädikat "indierock aus schweden" vor einigen jahren noch ein echter garant für kommerzielle wie qualitative glücksgriffe, lockt man damit heutzutage kaum noch jemanden hinter dem ofen hervor. sogar für ihre zeit legendäre labels wie burning heart oder bad taste records sind nahezu in der versenkung verschwunden. und so muss nun auch eine band wie Dollface kleinere brötchen backen, bei welcher vor einiger zeit aufgrund ihres potentials alles möglich gewesen wäre. nichtsdestotrotz verbindet "Silent Rebellion" (65productions/cargo) recht geschickt britpop- und grunge-elemente mit dem charme von landsmännern wie the hives oder division of laura lee. die fünf liebäugeln dabei nur sehr galant mit allzu eingängigen pophymnen, sorgen dank dem produzententeam henryk lipp und michael nilsson (u.a. c.aárme, soundtrack of our lives) eher für eine spröden beigeschmack. am ende fehlt mir bei dem guten dutzend songs jedoch die persönliche note bzw. der tatsächlich mitreißende moment, als dass sie wirklich begeistern könnten.amazon meint: "kunden, die diesen artikel kaufen, kaufen auch: ea 80 - reise, captain planet - inselwissen, toxpack - epidemie"... jenseits solcher hilfskonstrukte verfolge ich die karriere der Kafkas nun wohl auch schon eine halbe ewigkeit. nicht nur, weil sänger markus gabi kafka seinerzeit ja für sellfish.de mitschrieb. nein, weil die musik dieser deutschpunk-institution immer für einen sympathischen ohrwurm gut war. und nun: "Paula" (domcore/broken silence). eine echte überraschung, bei der ich mir immer noch nicht so richtig sicher bin, wie ich sie einordnen soll. der hitfaktor beispielsweise nimmt schon beim opener "klatscht in die hände!" beinahe unangenehm direkte formen an; die keyboards sind phasenweise in etwa so präsent wie bei kettcar. dann wieder: genau die richtigen texte, ein großer respekt für das schaffen des eigenen domcore-projekts und mit "90 minuten" oder "wenn es eine hölle gibt" die vielleicht besten songs ihrer geschichte. die kafkas machen 2010 einen riesensatz nach vorne. und es ist toll zu hören, dass sich so viele neue anhänger zu ihnen gesellen.
erinnert sich noch jemand an die famose band face tomorrow aus den niederlanden? deren indierock mit hardcore-wurzeln konnte mich vor jahren vorbehaltlos begeistern. ihre landsmänner von Kismet betreten mit dem gemeinsamen debüt zumindest ähnliches terrain. die neun songs mischen postpunk mit poppigen hooklines, drängeln sich damit aber zu keiner sekunde in den vordergrund. vielleicht liegt genau hier der haken: etwas mehr dynamik, etwas weniger artigkeit würden dem jungen quintett gut zu gesicht stehen. dennoch: gerade weil das gesamtkonzept von artwork bis hin zum gelungenen sound stimmig geriet und ohne umschweife in den hintergrund zu treten vermag, lässt sich konstatieren: schön, dass "Hiatus" (midsummer records/cargo) - wenngleich ein jahr später - nun auch bei uns erscheint. und wer sich jetzt eigentlich am liebsten ein eigenes bild machen möchte, findet hier eine menge fairer möglichkeiten, sich mit der musik von kismet auseinanderzusetzen.
Labels:
65productions,
broken silence,
cargo,
Dollface,
domcore,
hiatus,
kafkas,
kismet,
midsummer,
paula,
review,
silent rebellion
Mittwoch, 28. Oktober 2009
langhorne & luzia. songwriter's delight
sometimes look at the bright side of life: sein letztes, selbstbetiteltes album war eines der wirklichen spätzünder im letzten jahr. ein echter "grower", der sträflich unbeachtet sogar in den vestaubten regalen derjenigen kleinen plattenläden liegen blieb, deren publikum es eigentlich besser wissen sollte. sammler, nerds und anhänger von simon & garfunkel bis elliott smith. aber es gibt immer eine zweite chance. diesmal sogar eine dritte: Langhorne Slim veröffentlicht mit "Be Set Free" (kemado records) nämlich sein drittes werk. und macht mich glücklich. nicht, weil er mit "cinderella" sein vielleicht bestgelauntestes lied überhaupt schrieb. oder weil zahlreiche gastmusiker vor allem via streichern für eine abwechslungsreiche instrumentierung sorgen. nein, es bleibt einfach seine eigentümlich schräge art, die (eben doch weitgehend) melancholischen kompositionen mit herzblut und einem augenzwinkern vorzutragen. sowie das talent, sein vermeintliches leid in wunderschöne melodien zu packen, deren langzeitwirkung nicht zu unterschätzen ist. und selbst wenn "be set free" nicht ganz die substanz seines vorgängers haben mag - für erwähnte zielgruppe bleibt das werk essentiell.beinahe zeitgleich wie vor zwei jahren hat es wieder mit der veröffentlichung ihres landsmannes son of the velvet rat funktioniert, beinahe zeitgleich beherrscht im herbst wieder österreich meinen plattenspieler: dabei hat es Clara Luzia alias clara humpel, mit deren letztem werk "the long memory" ich eine wunderbar nachdenklich-schöne, persönliche zeit assoziiere, auch abseits dieser tatsache gar nicht so leicht - schließlich wich dem überraschungseffekt eine erwartungshaltung. doch auf "The Ground Below" (asinella/hoanzl/broken silence) lässt sie sich nicht aus der ruhe bringen. auf behutsame weise lässt sie etwas mehr licht in ihre musik, ihre band bekommt mehr freilauf und gemeinsam nähert man sich auf diese weise sogar dem pop. dank ihrer eigenwilligen kleinen versponnenhehiten haftet den stücken so abermals ein gewisser "die fabelhafte welt der amelie"-flair an. in "two of them" wird gar kurz "frère jacques" zitiert. vielleicht genau wie bei langhorne slim 2009 tatsächlich nicht ganz so ergreifend wie in der vergangenheit. aber noch immer unbedingt der intensiven betrachtung wert.
Labels:
asinella,
be set free,
broken silence,
clara luzia,
hoanzl,
kemado,
langhorne slim,
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the ground below
Montag, 26. Oktober 2009
son of the velvet rat: animals. review
keine ahnung, warum seine famosen vorgänger bei uns einfach komplett untergingen. denn schon beim letzten werk "loss & love" von Son Of The Velvet Rat - meine erste begegnung mit dem österreicher - glaubte ich, meine worte könnten seiner musik kaum gerecht werden. eine angelegenheit, die nicht gerade erleichtert wurde, wenn von anderer seite der (österreichischen) musikpresse bereits sämtliche superlative gezückt wurden, welche einem so zum thema singer-songwriter-musik zur verfügung stehen... aber es half alles nichts: und so verleitet mich der status des künstlers (als beinahe absolute unbekannte) für den neuen longplayer "Animals" (monkey/broken silence) ein weiteres mal, in den kanon an positivst-resonanzen einzustimmen. alsdenn: das unfassbare talent des georg altziebler, ergreifende musik in der tradition von bob dylan, elliott smith sowie alten blues-legenden zu kreieren, bleibt auch auf album nummer fünf beängstigend. und verharrt in den sphären, in welche er mit dem kongenialen vorgänger eindrang. die elf stücke wurden abermals in nashville, tennessee, von ex-wilco schlagzeuger ken coomer traumhaft warm produziert (immer diese schlagzeuger? für die drei bonustracks begab sich altziebler dann mit seiner band ins berliner studio von element of crimes' richard pappik!). doch das macht dabei nur einen geringen teil aus der faszination aus: viel mehr ist es die tiefe, ergreifende atmosphäre des materials. alle elf stücke wurden an sich sehr spartanisch inszeniert, wissen aber genau im richtigen moment, beispielsweise mit säuberlich ausgewählten cello-passagen oder backing vocals, die vorhandene dramatik zu akzentuieren. anspieltipps mag man auf diesem von anfang bis ende mit einem behutsamen spannungsbogen versehenen album kaum herausheben. um es kurz zu machen: wir sprechen hier von der songwriterischen größe eines david eugene edwards. und das schreibe ich im vollen bewusstsein meiner geistigen kräfte. fazit: nichts gegen das sympathische label monkey music... aber warum sich der sache hierzulande noch nicht gitterhouse angenommen haben, bleibt mir ein rätsel!
Labels:
animals,
bob dylan,
broken silence,
david eugene edwards,
element of crime,
ellliott smith,
ken coomer,
monkey,
review,
son of the vevet rat,
wilco
Dienstag, 1. September 2009
boxhamsters, fliehende stürme. review
zur fakentlage: die Boxhamsters haben ein neues label. die boxhamsters kooperieren mit eva briegel, sängerin der popband juli. die boxhamsters schreiben stücke in überlänge. und: "Brut Imperial" (unter schafen/alive), das neue album nach jahrelanger wartezeit, wird all denen warm uns herz werden lassen, welche die vier über all die jahre lang begleitet haben. und mir, denen die herren immer sympathisch waren - wenngleich ich mich nicht zur eingeschworenen fangesellschaft zählen darf - macht ihre musik 2009 sogar noch mehr spaß als früher... passend dazu übrigens der loriot-geschulte kommentar im booklet: "früher war mehr lametta". heute ist mehr stilistische freiheit. und die steht den zehn songs bestens zu gesicht. ein dank in dem zusammenhang auch an olaf opal, der den boxies-sound eben nicht aufgeblasen hat, sondern in seiner sonor-schrammeligen art beließ. genau hieran erkennt man einen guten produzenten: das charakteristische der musiker wurde beibehalten, sogar betont und perfekt in szene gesetzt. tja, und zurück zur band selbst: für "flöz & pökel" die ebenfalls aus gießen stammenden juli ins boot zu holen, macht irgendwie schon sinn und funktioniert vor allem ausgezeichnet. euphorisches fazit: diese band wollte nie jemandem etwas beweisen, scherte sich zu keiner zeit um irgendwelches schubladendenken. und diese tatsache - gepaart mit ihrer (schwer zu leugnenden) altersweisheit - sorgt dafür, dass hier evtl. ihr bestes, in jedem fall aber ein famoses album entstand.beim namen Fliehende Stürme assoziieren unbedarfte musikhörer vielleicht am ehesten schnöden deutsch- oder gar funpunk. doch anstelle alkoholträchtiger blödeleien reichert die band seit jahren ihren punkrock mit einer dezenten wave-schlagseite an. und bleibt so schon irgendwie zwischen den stühlen sitzen. doch bei genauerem hinhören stimmen die referenzen. wenngleich die chaos z nachfolgeband auf ewig im windschatten von ea80 agieren wird, kommen mir während "Die Tiere Schweigen" (major label (lp) / shivering jemmy (cd) / broken silence) gar einmal killing joke in den sinn. sicher, auch hier wurde sympathischerweise weitaus weniger opulent produziert. doch genau deshalb funktioniert die triste monotonie von beispielsweise "an einem besseren tag" so eigenwillig. denn wo live sicher potentiell schnellere tracks wie der opener "turm" zu begeisterungsstürmen verleiten, gefallen mir auf platte die bedächtigen momente weitaus besser ("strahlen"). in jedem fall empfiehlt es sich, selbst ein urteil zu fällen: die fliehenden stürme ziehen ihr ding vom artwork zum sound so konsequent durch, dass man aufhorchen muss. das trio verdient euere aufmerksamkeit!
Labels:
alive,
boxhamsters,
broken silence,
brut imperial,
chaos z,
ea80,
fliehende stürme,
killing joke,
major label,
olaf opal,
review,
shivering jemmy,
unter schafen
Donnerstag, 6. August 2009
caspian, the poem is you. indiekönner
nicht einmal make my day records machten anlässlich des gelungenen vorgängers "the four trees" einen hehl daraus, dass der gegenwärtigen postrock-instrumental-schwemme kaum noch herr zu werden ist. was durchaus von reflektiertheit seitens der band bzw. dem sympathischen label zeugt. und diese spiegelt sich auch in der musik von Caspians drittem album wieder. schlicht "Tertia" (make my day records/alive) betitelt, kann dieses zwar ohne schlechtes gewissen als genrealbum bezeichnet werden. die zehn tracks allerdings sind sich längst bewusst, dass das spektrum in bezug auf wall-of-noise-gehabe und frickeleien ebenso wie mit allzu avantgardistischem soundspielereien 2009 ausgereizt wurde. insofern konzentriert sich das quintett aus boston, massachusetts auf die wesentlichen dinge: große, sich aufbäumende melodiebögen, welche sich zu instrumentalen hymnen emporschwingen - aber immer auf fragilem grund gebaut bleiben. und irgendwo zwischen schwerelosigkeit sowie tiefer sogwirkung so etwas wie „schönheit“ entstehen lassen. anhänger von mono, explotions in the sky oder red sparrows werden jene schon beim ersten hörkontakt vermuten; alle anderen geben den famosen kompositionen bitte etwas zeit, bevor sie in die allgemeine euphorie der szene mit einfallen.The Poem Is You dagegen geben sich auf ihrem zweiten album in jeder hinsicht schlicht: lediglich selbstbetitelt, ein auf das nötigste reduziertes artwork sowie eine begrüßung mit straightem elektropop anstelle großer country-gestik - "TPIY" (k&f records/broken silence/hoanzl) erfordern von den bisherigen kennern der deutsch-belgischen formation einiges umdenken. umso charmanter die tatsache, dass man ihnen den stilwechsel voll und ganz abnimmt. denn hier ist zwar jemand noch auf der suche... genießt diesen zustand jedoch offenbar in vollen zügen. da spielt es dann vielleicht auch gar keine rolle, dass mich persönlich die neue ausrichtung etwas weniger zu begeistern vermag als noch der vorgänger. was wohl eher eine frage der stilistik denn der qualität sein dürfte. und überhaupt, was bei der suche von the poem is you schon jetzt sicher sein sollte: ihr publikum werden sie finden. dass dies auch umgekehrt funktioniert wünsche ich den damen und herren.
Labels:
alive,
broken silence,
caspian,
explosions in the sky,
hoanzl,
k and f records,
kf records,
kumpels and friends,
make my day,
mono,
red sparrows,
review,
the poem is you,
tpiy
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