Le Peuple De L'Herbe gingen bereits vor gut zehn jahren mit ihrem debüt an den start; breitere öffentlichkeit bzw. regelrechten kultstatus erlangten sie doch kurze zeit später durch die soundtrackbeiträge zu virgine despentes' umstrittenen film "baise moi". der neue longplayer "Tilt" (discograph/rough trade) zeigt die franzosen nun tatsächlich auf dem kreativen zenit: breakbeatdurchtränkte elektronika, (post-)rock sowie hiphop-elemente werden zu einem explosiven soundcocktail gemischt, dessen hitpotential weder auf tonträger noch auf bühnen unterschätzt werden darf. apropos: das neue material klingt dank einer reihe "richtiger" instrumente organischer denn je. was auf der kehrseite dazu beiträgt, dass einige elemente in rage against the machine-manier die späten neunziger reanimieren. über weite teile bleibt das mit mehr samples als wirklichen vocals ausgestattete material jedoch überaus eigenwillig - nicht zuletzt, weil die digitalen basics u.a. durch bigband-beiträge aufgemotzt werden... in eine wesentlich straightere richtung steuern die norweger Lindstrøm & Christabelle mit ihrem gemeinsamen album. reichlich disco und noch mehr pop sollten "Real Life Is No Cool" (small town super sound/alive) eine breit gefächerte publikumswirksamkeit eröffnen. das duo steht mit der "mann = produzent, frau = sängerin" in der tradition von acts wie moloko und lamb, visiert jedoch noch unumwundener die tanzflächen an. überdreht, harmonieverliebt und dennoch mit einer verwegenen coolness ausgestattet, präsentieren sich die zehn teils knackig kurzen tracks mit einem bein in soul und funk der achtziger jahre, das andere in dem verständnis kontemporärer elektronikproduzenten. viel planung steckt offenbar nicht in der kollaboration: christabelle silje isabelle birgitta sandoo steckte hans-peter lindstrøm ihre vocals zu, der selbige gnadenlos be- bzw. verarbeitete und mit einem funktionalen beatkonzept versah... umso überraschender, als das ergebnis weder unterkühlt noch irgendwie stumpf klingt - sondern sich als reichlich erfrischendes, durchaus kluges clubalbum entpuppt. und: zwei unter anderem als produzenten tätige japaner (dj kou-g und masaya fantasista) sowie ein vertreter der londoner broken beat-szene (simbad) firmieren unter der banner Tettorybad. und basteln sich mit "Unite" (sunshine enterprises/groove attack) ein heimeliges sounduniversum, das zwar auf bewährte zutaten zurückgreift. jedoch nicht allein durch ein paar asiatische sound- und vocal-einflüsse dezent exotisch wirkt. oft klopfen auch hier soul, funk und afro-beat an; leider eher selten hört man unter den elf tracks derart gut gemachten hiphop wie in dem - mit reichlich zitaten ausgestatteten - "don't push me" (featuring dem londoner rapper ty) oder dem auf einem funky gitarrenlick basierenden "galaxy". zumeist sind es broken beat, house und nu jazz, welche hier eine fusion eingehen. die klingt insgesamt zwar eher spacig als futuristisch, vor allem aber immer wunderbar warm. mindestens nett.
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Samstag, 16. Januar 2010
disko und dekonstruktivismus. elektronikreviews
Le Peuple De L'Herbe gingen bereits vor gut zehn jahren mit ihrem debüt an den start; breitere öffentlichkeit bzw. regelrechten kultstatus erlangten sie doch kurze zeit später durch die soundtrackbeiträge zu virgine despentes' umstrittenen film "baise moi". der neue longplayer "Tilt" (discograph/rough trade) zeigt die franzosen nun tatsächlich auf dem kreativen zenit: breakbeatdurchtränkte elektronika, (post-)rock sowie hiphop-elemente werden zu einem explosiven soundcocktail gemischt, dessen hitpotential weder auf tonträger noch auf bühnen unterschätzt werden darf. apropos: das neue material klingt dank einer reihe "richtiger" instrumente organischer denn je. was auf der kehrseite dazu beiträgt, dass einige elemente in rage against the machine-manier die späten neunziger reanimieren. über weite teile bleibt das mit mehr samples als wirklichen vocals ausgestattete material jedoch überaus eigenwillig - nicht zuletzt, weil die digitalen basics u.a. durch bigband-beiträge aufgemotzt werden... in eine wesentlich straightere richtung steuern die norweger Lindstrøm & Christabelle mit ihrem gemeinsamen album. reichlich disco und noch mehr pop sollten "Real Life Is No Cool" (small town super sound/alive) eine breit gefächerte publikumswirksamkeit eröffnen. das duo steht mit der "mann = produzent, frau = sängerin" in der tradition von acts wie moloko und lamb, visiert jedoch noch unumwundener die tanzflächen an. überdreht, harmonieverliebt und dennoch mit einer verwegenen coolness ausgestattet, präsentieren sich die zehn teils knackig kurzen tracks mit einem bein in soul und funk der achtziger jahre, das andere in dem verständnis kontemporärer elektronikproduzenten. viel planung steckt offenbar nicht in der kollaboration: christabelle silje isabelle birgitta sandoo steckte hans-peter lindstrøm ihre vocals zu, der selbige gnadenlos be- bzw. verarbeitete und mit einem funktionalen beatkonzept versah... umso überraschender, als das ergebnis weder unterkühlt noch irgendwie stumpf klingt - sondern sich als reichlich erfrischendes, durchaus kluges clubalbum entpuppt. und: zwei unter anderem als produzenten tätige japaner (dj kou-g und masaya fantasista) sowie ein vertreter der londoner broken beat-szene (simbad) firmieren unter der banner Tettorybad. und basteln sich mit "Unite" (sunshine enterprises/groove attack) ein heimeliges sounduniversum, das zwar auf bewährte zutaten zurückgreift. jedoch nicht allein durch ein paar asiatische sound- und vocal-einflüsse dezent exotisch wirkt. oft klopfen auch hier soul, funk und afro-beat an; leider eher selten hört man unter den elf tracks derart gut gemachten hiphop wie in dem - mit reichlich zitaten ausgestatteten - "don't push me" (featuring dem londoner rapper ty) oder dem auf einem funky gitarrenlick basierenden "galaxy". zumeist sind es broken beat, house und nu jazz, welche hier eine fusion eingehen. die klingt insgesamt zwar eher spacig als futuristisch, vor allem aber immer wunderbar warm. mindestens nett.
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Mittwoch, 4. November 2009
groove attack. hiphop von hier
schon ihre debüt-ep kam einem befreiungsschlag für all jene gleich, die dem deutschen soul aufgrund seines hohen plastik- und pathos-anteil längst abgeschworen hatten. nun veröffentlicht Fleur Earth den ersten longplayer. und untermauert damit ihren ruf, nicht die hookline über alles zu stellen: "Es Entstehen Wesen" (melting pot/groove attack) begeistert vielmehr mit überlegten texten, entspannten beats von twit one sowie einem vibe, der in seiner einzigartigkeit mittlerweile sogar die (berechtigten) erykah badu-referenzen aus der vergangenheit obsolet macht. was bleibt ist ein enger bezug zum hiphop; hier unter anderem zu bemerken durch den beitrag von detroit's frank nitty, der in der vergangenheit bereits mit j dilla kollaborierte. die insgesamt 18 tracks tragen zwar desöfteren züge eines interludes; und doch entsteht genau daraus das große ganze. anspieltipp: das soundtechnisch tiefergelegte "nichts mehr". unbedingt auch hörenswert: das bandprojekt fleur earth experiment.zeit wird es endlich für Mädness, aus dem fokus der eingeweihten in die erste reihe zu marschieren. verdient hat er sich das schon lange. mit einem ebenso konsequenten wie integeren arbeitsethos. und einem mutigen ansatz, zwischen dada (man denke nur an sein projekt "die 3 von der tanke"), gewieften texten und partytracks. zudem wartet "Zuckerbrot & Peitsche" (unikat/groove attack) mit den besten kollaborationen auf, welche der einheimische hiphop 2009 zu bieten hat: morlockk dilemma und patrick mit absicht gehören zumindest zu meinen persönlichen "high potentials". baggefudda sind seit seit einer weile fähige begleiter und kool savas erlebt nach seinem optik-rückzug eine nette renaissance. die entscheidende änderung allerdings dürfte das engagement von kollege schnürschuh (genau, dem "3 von der tanke"-partner) sein, der den überwiegenden teil der tracks produzierte. und mit derart dreckigen basslines und fiesen grooves ausstattete, dass man an die glanzzeit von grime denken darf. damit schließt mädness exakt die lücken seines vorgängers: flache parts wurden ausradiert, dafür tobt sich an den reglern ein echter elektroniker aus. heraus kommt das beste deutschsprachige rapalbum diesen jahres.
they come in waves: nachdem hier monatelang kaum nenneswerte highlights aus der österreichischen musikszene zu bemerken waren, hat es dieser herbst umso mehr in sich. und mit den Waxolutionists kredenzen uns ja quasi die grand seniors der austria dj- und produzenten-riege ihr fünftes werk. nach fünf jahren wartezeit, zwar. dafür mit den geliebten ingredienzen. welche bei "We Paint Colors" (sunshine enterprises/groove attack) neben soulful und deeper elektronik natürlich hiphop bleibt. für die raps organisierte man sich mit roger (blumentopf), manuva (total chaos), flowin' immo und weiteren könnern der deutschsprachigen und internationalen (u.a. wie bei fleur earth frank nitty und blu) szene eine ausgewählte gästeliste. prägend bleibt jedoch der ureigene, gutgelaunte waxolutionists sounds, bei dem beats und melodie über textlichen bausteinen stehen. woraus eine platte gelingt, die auf sympathische weise antiquiert klingt: vom cleanen, schubladenträchtigen sound ihrer neosoul-kollegen halten die waxos ebenso wenig wie von den engen genregrenzen des hiphop. willkommen zurück!
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