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Montag, 11. Oktober 2010

blumio, harris & mädness: deine lieblingsrapper?

na sowas: (für mich) völlig aus dem nichts und mit zugegeben doofem albumtitel erscheint dank Blumio plötzlich ein frisches gesicht am deutschsprachigen raphimmel. "Tokio Bordell" (japsensoul/soulfood) gefällt mit klasse ironisch bis nachdenklichen texten, einem poppigen verständnis von hooklines sowie dem esprit, welchen man beispielsweise in den frühwerken von blumentopf oder texta fand: fantasievolle lyrics ("streichel meinen bauch") sowie ein hitappeal, welcher facettenreich illustriert, weshalb rap eben nicht nur was für vermeintlich starke jungs ist. eine klasse untermalung für die letzten sonnigen herbsttage!
Harris kann zwar immer noch nicht rappen, muss er dank schauspielkarriere und sidekick-funktion für einen von deutschlands kommerziell erfolgreichsten kollegen wohl auch nicht. jedenfalls lässt sich auf "Der Mann Im Haus" (murderbass/groove attack) keinerlei forschritt erkennen: hier pendelt jemand seltsam unentschlossen zwischen partytracks und ernsthaftigkeit, um jedoch in keinem von beiden metiers zu überzeugen. mit seinen slo-mo-raps möchte harris eventuell ja an kollege marteria/marsimoto erinnern, doch weder flow noch produktion wissen in irgendeinerweise zu überzeugen. weshalb das ergebnis auch mit viel optimismus lediglich verzichtbar bleibt.

ganz anders dagegen "der gude": denn auch wenn mir teil eins noch nirgendwo begegnet ist: Mädness weiß auch mit "Als Hätt Ich Nix Getan 2" (unikat/groove attack) zu überzeugen. das ganze geriet zwar nicht zu so einem monster wie "zuckerbrot & peitsche". muss ja aber auch nicht: schließlich scheint es sich um irgendein zwischending aus neuem album und mixtape zu handeln, weshalb sich unter den 17 tracks auch einiges bekannte (meist im attraktiven remix) befindet. highlight für mich stellt ganz klar die flowin immo-kollabo in "ihr wisst". am ende bleibt einmal mehr die überzeugende tatsache, dass mädness einer der wenigen bleibt die ihr eigenes ding durchziehen... wenn es sein muss eben auch ohne kommerziellen erfolg. was nicht nur schade, sondern auch einen guten teil der szene disqualifiziert. nachhilfe gibts hier: so kursiert nämlich ein kleines snippet durch's netz.
und weil's gar sonst unfair wäre, hier noch zwei trailer zu ersteren beiden...






Montag, 19. Juli 2010

morlockk dilemma: der eiserne besen. mixtape

mit necro, brotha lynch hung und tech n9ne veröffentlichten die vertreter des us-horrorrap in diesem jahr allesamt gewohnt kranke (und gar nichtmal üble) alben. wird also zeit, dass der heimische nummer-eins-vertreter dieser zunft nachlegt: Morlockk Dilemma aus leipzig bringt nach seinem famosen "omnipotenz in d-moll" album sowie einer kollaboration mit hiob das mixtape "Der Eiserne Besen" (spoken view/groove attack) an den start. mittlerweile schon ein paar monate alt sollen die 37 (!) tracks hier doch unbedingt noch erwähnung finden. schließlich schafft es dilemma im vergleich zu seinen übersee-kollegen, sich mit reichlich augenzwinkern, einer charmanten distanz sowie den ihm eigentümlichen, nicht selten anstrengenden raps von jeglichen durchschnittsleistungen fernzuhalten. diesmal mit ein paar neubearbeitungen bekannter songs sowie jeder menge frischem material... quasi die brücke von der vergangenheit in die zukunft. welche trotz der lyrischen morbiditäten alles andere als finster aussieht. und nicht zuletzt aufgrund der zudem unkonventionellen instrumentals und samples undergroundcharakter besitzt. demnächst übrigens auf "the good, the bad & the alki tour 2010" mit mädness und kamp im september/oktober. termine folgen. und bis dahin versuchen, die vorfreude im zaum zu halten.

Mittwoch, 4. November 2009

groove attack. hiphop von hier

schon ihre debüt-ep kam einem befreiungsschlag für all jene gleich, die dem deutschen soul aufgrund seines hohen plastik- und pathos-anteil längst abgeschworen hatten. nun veröffentlicht Fleur Earth den ersten longplayer. und untermauert damit ihren ruf, nicht die hookline über alles zu stellen: "Es Entstehen Wesen" (melting pot/groove attack) begeistert vielmehr mit überlegten texten, entspannten beats von twit one sowie einem vibe, der in seiner einzigartigkeit mittlerweile sogar die (berechtigten) erykah badu-referenzen aus der vergangenheit obsolet macht. was bleibt ist ein enger bezug zum hiphop; hier unter anderem zu bemerken durch den beitrag von detroit's frank nitty, der in der vergangenheit bereits mit j dilla kollaborierte. die insgesamt 18 tracks tragen zwar desöfteren züge eines interludes; und doch entsteht genau daraus das große ganze. anspieltipp: das soundtechnisch tiefergelegte "nichts mehr". unbedingt auch hörenswert: das bandprojekt fleur earth experiment.
zeit wird es endlich für Mädness, aus dem fokus der eingeweihten in die erste reihe zu marschieren. verdient hat er sich das schon lange. mit einem ebenso konsequenten wie integeren arbeitsethos. und einem mutigen ansatz, zwischen dada (man denke nur an sein projekt "die 3 von der tanke"), gewieften texten und partytracks. zudem wartet "Zuckerbrot & Peitsche" (unikat/groove attack) mit den besten kollaborationen auf, welche der einheimische hiphop 2009 zu bieten hat: morlockk dilemma und patrick mit absicht gehören zumindest zu meinen persönlichen "high potentials". baggefudda sind seit seit einer weile fähige begleiter und kool savas erlebt nach seinem optik-rückzug eine nette renaissance. die entscheidende änderung allerdings dürfte das engagement von kollege schnürschuh (genau, dem "3 von der tanke"-partner) sein, der den überwiegenden teil der tracks produzierte. und mit derart dreckigen basslines und fiesen grooves ausstattete, dass man an die glanzzeit von grime denken darf. damit schließt mädness exakt die lücken seines vorgängers: flache parts wurden ausradiert, dafür tobt sich an den reglern ein echter elektroniker aus. heraus kommt das beste deutschsprachige rapalbum diesen jahres.
they come in waves: nachdem hier monatelang kaum nenneswerte highlights aus der österreichischen musikszene zu bemerken waren, hat es dieser herbst umso mehr in sich. und mit den Waxolutionists kredenzen uns ja quasi die grand seniors der austria dj- und produzenten-riege ihr fünftes werk. nach fünf jahren wartezeit, zwar. dafür mit den geliebten ingredienzen. welche bei "We Paint Colors" (sunshine enterprises/groove attack) neben soulful und deeper elektronik natürlich hiphop bleibt. für die raps organisierte man sich mit roger (blumentopf), manuva (total chaos), flowin' immo und weiteren könnern der deutschsprachigen und internationalen (u.a. wie bei fleur earth frank nitty und blu) szene eine ausgewählte gästeliste. prägend bleibt jedoch der ureigene, gutgelaunte waxolutionists sounds, bei dem beats und melodie über textlichen bausteinen stehen. woraus eine platte gelingt, die auf sympathische weise antiquiert klingt: vom cleanen, schubladenträchtigen sound ihrer neosoul-kollegen halten die waxos ebenso wenig wie von den engen genregrenzen des hiphop. willkommen zurück!