skip to main |
skip to sidebar
david eugene edwards meldet sich zurück im heimischen schoß des glitterhouse-labels. mit einem neuen woven hand album. und als wäre das nicht anlass genug zur euphorie, kehrt auch noch sein kollege aus 16 horsepower tagen zurück: pascal humbert veröffentlicht mit seiner band Lilium den dritten longplayer in zehn jahren. und "Felt" (glitterhouse/indigo) führt den prozess konsequenter veränderung fort. was den projektcharakter hinter dem namen lilium noch schüren möchte, erweist sich jedoch als bedachte horizonterweiterung: an den vocals übernimmt diesmal hugo race den zentralen part; welcher ja kürzlich schon mit dem dirtmusic-zweitwerk phänomenal zu überzeugen wusste. unterstützung kommt neben weiteren von kal cahoone, die bereits auf "short stories" zu hören war. zusammen mit einigen reinen instrumentalstücken entsteht diesmal ein album, welches weniger einsamkeit und epische (wüsten-)szenarien entwirft. vielmehr klingt diesmal eine art "metropole melancholie" durch: ambientsounds und eine urbane americana-variante führen dieses spannende projekt wohlbehalten ins neue jahrzehnt.
dort, wo "ten stories" endete, knüpfen die zwölf neuen kompositionen von wanderprediger david eugene edwards relativ nahtlos an. und lediglich der zurückgenommene anteil an rockigen momenten sowie ein mehr an traditionellem songwriting spinnt die von vielen ersehnte rückbesinnung auf die eigene Woven Hand vergangenheit weiter. so passt es prima ins bild, dass mit humbert sein alter 16hp-wegbegleiter zurück an akustik- und e-bass kehrt; auch bei den anstehenden konzerten. auf "The Threshingfloor" (glitterhouse/indigo) verbreitet edwards also auch 2010 seine fanatische, nicht selten hypnotische gottheitslyrik, wie ich sie anderen künstlern wohl kaum verzeihen würde. doch das material wird abermals von jener eigentümlichen atmosphäre begleitet, die zu kreieren sonst niemand imstande scheint. manches mag deshalb mittlerweile bekannt klingen; dennoch ziehen mich die songs diesmal deutlich mehr in den bann als auf den etwas zwiespältigen vorgängern. in der außergewöhnlichen diskographie des protagonisten könnte man das neue album am ehesten neben "consider the birds" einordnen. denn inspirierter - das will auf diesem level einiges heißen - klangen woven hand selten. fazit: edwards beschreitet seine musikalische zunft weiterhin exaltiert, ja manisch. jedoch endlich wieder mit nachvollziehbaren, zwingenden kompositionen als basis.
wer in der vergangenheit songs mit "rest in piss" titulierte, darf natürlich auch im hier und jetzt kein braver junge werden... und darauf legt Brotha Lynch Hung - alias kevin mann - spürbar auch im 18. jahr (!) seiner karriere großen wert. und jene zahl klingt durchaus passend: man sollte schon volljährig sein, will man hinter die versponnenen horror-attitüden und lyrischen gewaltszenarien des neuerdings unter den fittichen des tech 9ne labels strange music agierenden mc's stoßen. jene waren schon immer prägend für seinen stil. "Dinner And A Movie" (strange music/soulfood) markiert für ihn dennoch eine art neuanfang: nachdem der mann aus sacramento zuletzt eher vom radar der hiphop-szene verschwand, holt er nun zum großen schlag aus. welcher ihm, bei allen vorbehalten, ziemlich gut gelingt. und das ist nicht nur bemerkenswert, weil der mann (sic!) schon schwer auf die vierzig zu geht. gerade angesichts des faktes, dass es sich hier um den start einer trilogie handelt, ein spannendes unterfangen: in dieser kondition schafft es mr. hung zurück an die spitze!
das verbindende element zwischen diesen beiden sonst so unterschiedlichen releases könnte lediglich kurupt sein... der sowohl bei brotha lynch als auch bei diesen beiden hier als feature in erscheinung tritt. ansonsten folgt den düsteren fantasien ersteren hier der sonnig-soulige gegenentwurf. obwohl: so richtig überzeugen konnte produzent 9th wonder, sonst mit beinahe festem engagement via duckdown music, zuletzt eigentlich nicht: seine eigenen alben krankten am spannungsbogen und auch die kollaborationen wollten nicht mehr so wirklich zünden. murs dagegen wagte neben den living legends mit seinem projekt felt weitere schritte in richtung mainstreamferne zonen. nun fanden sich Murs & 9th Wonder bereits zum dritten mal zusammen, um ein album aufzunehmen. "Fornever" (smc/soulfood) besteht dabei lediglich aus zehn tracks und auch die bedienen eher konventionelle hörgewohntheiten. insofern fällt das fazit reichlich simpel aus: wem die bisherigen kollaborationen der beiden gefielen, darf auch hier zugreifen. entspannung und gute laune beinahe garantiert.
Felt 3 tun gut daran, ihren projetnamen durch die "durchnummerierung" quasi ständig zu verändern. immerhin liegt jeden ihrer platten nicht nur inhaltlich ein neues thema zugrunde, auch der so entscheidende produzentenposten rotiert fortwährend. bei "A Tribute To Rosie Perez" (rhymesayers/rough trade) wird also der gleichnamigen b-movie darstellerin gewidmet.. wenngleich die beiden protagonisten in den lyrics hauptsächlich ihr faible für sex und battle-rap ausleben, was in den vergleichsweise "conscious" ausgerichteten herkunftsband zugegeben auch schlechter möglich sein dürfte. die personelle konstante bleiben nämlich atmosphere-rapper slug sowie murs von den living legends (deren mitglied the grouch ja seinerzeit die erste felt-episode produzierte). den beiden wurde diesmal jedoch von aesop rock ein eigenwilliger soundmix gebastelt: deutlich dunkler, wenn jedoch nicht unbedeingt verschrobener als bisher - stattdessen sogar beinahe konsequent kopfnick-kompatibel klingen die 21 tracks (...wenn sie zwischenzeitlich nicht gerade als soundscapes fungieren). okay: die frühe qualität der living legends oder atmosphere braucht man hier nicht zu erwarten. was aber auch nicht der anspruch hinter felt ist. den - nämlich spaß - bringt die platte über weite strecken allemal. hinter dem kürzel O.C. & A.G. alias omar und andre verbergen sich zwei ehemalige diggin in the crates mc's... und kenner des "golden age of hiphop" wissen, welche new yorker genies gemeint sind. bestenfalls jedoch auch, was aus einem teil ihrer mitbegründer wurde - man denke nur an den in die völlige belanglosigkeit abdriftenden fat joe. mit unterstützung von nature sounds fanden die erwähnten beiden d.i.t.c.-überbleibsel nun endlich gelegenheit, das gemeinsame debüt einzuspielen. und "Oasis" (nature sounds/greenstreets/grroove attack) erspart zumindest eine weitere enttäuschung: das u.a. von e-blaze, show und lord finesse produzierte material kann getrost als solide bezeichnet werden. die chemie zwischen den beiden stimmt einfach und tröstet über so manche belanglosigkeit hinweg. ein paar mehr markante tracks wären nämlich definitiv wünschenswert gewesen. nichtsdestotrotz: das hier ist auf positive weise alte schule - die über den "death of autotune" gar nicht nachdenken musst... weil derartige hilfmittel gar nicht in frage kommen. sympathisch. ein unding, dass dieses album von der post verschluckt (oder okkupiert?) wurde - und so erst einen monat nach releasedate hier aufschlug. denn Tech N9ne gehört spätestens hiermit zu den relevantesten vertretern der "dunklen seite des hiphop". zumindest arbeitet aaron yates abermals mit entsprechender horror-symbolic im artwork; doch auch die atmosphäre von "K.O.D." (strange music/soulfood) passt in dieses raster. so gibt es in "demons", welches in kooperation mit der three 6 mafia entstand, beispielsweise in bester freddy-krueger-manier einen spooky kinderchorus zu hören. auch die titel der immerhin 23 tracks deuten eine derartige richtung an. umso beachtlicher, als die platte sich nicht zwanghaft einem solch limitierten korsett unterwirft. der lyricist aus kansas city ändert stattdessen seinen sprach- und sound-stil wann immer ihm es passt... und das kommt verdammt oft vor. das ergebnis klingt jedoch nicht nur kurzweilig, sondern wird von einem gelungenen trilogie-konzept zusammen gehalten. "k.o.d." gerät somit zu einem mutigen, schwer kategorisierbarem gesamtwerk - dessen highlight-moment "shadows of the road" beinahe an eine hiphop-adaption von screaming tree mark lanegan denken lässt.