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Donnerstag, 21. Februar 2019

millencolin: sos. review & clip

ein gutes viertel jahrhundert Millencolin stellt mit sicherheit eine größenordnung in punkto langlebigkeit dar, welche den schwedenpunks seinerzeit niemand so richtig zugetraut hätte. entgegen aller skeptiker füllen nikola sarcevic, mathias färm, erik ohlsson und fredrik larzon in originalbesetzung aber auch 2019 noch mindestens so große hallen wie zu zeiten der bandklassiker "Life On A Plate" oder meinem highlight "Home From Home". anlass für die jüngste, übrigens beinahe komplett ausverkaufte gastspielreise im april durch hiesige hallen ist das studioalbum "SOS" (epitaph/indigo), welches gerade erschienen ist. darin zeigen sich Millencolin mit songs wie "nothing", "sour days" oder dem titeltack von ihrer besten seite: treibende, melodiöse tracks mit klasse hooks und ohrwurmcharakter. um ehrlich zu sein: nichts davon ist neu, das meiste hat man in der vergangenheit sogar schon einmal besser gehört. und trotzdem rotieren die zwölf songs bei mir in dauerschleife und machen lust auf die (in der vergangenheit nicht selten etwas klinischen) liveshows. es wird wohl auch ein wenig der spirit der eigenen jugend sein, welche mit dem ehemaligen burning heart-records aushängeschild angetriggert wird. ich komme jedenfalls nicht umhin, für "SOS" eine fette kaufempfehlung auszusprechen. zumindest für all diejenigen, welche eine ähnliche musikalische sozialisierung hinter sich haben wie ich. und das scheinen, nach album- und ticketverkäufen zu schließen, nicht die wenigsten zu sein...

Sonntag, 23. September 2018

thrice: palms. review & clip

Thrice sind zurück. und "Palms" (epitaph/indigo) profitiert genau davon, was andernorts mittleweile seit einiger zeit müdes gähnen verursacht: frontmann dustin kensrue reifte als soloartist mit akustikgitarre endgültig zu einem songwriter, welcher in der lage ist lieder zu schreiben die gänzlich reduziert und ohne effekte nachhaltig überzeugen. das ergebnis sollte das übrige dazu beitragen, den ausnahmestatus des quartetts aus orange county zu untermauern. zumindest bei der toleranten hörerschaft; oder – wie es im o-ton zu solchen Begebenheiten stets heißt: die charaktereigenschaft „open minded“ darf zu den grundvoraussetzungen zählen, will man sich das phänomen Thrice in seiner (anhaltenden) endstufe erschließen. denn was die vorgänger bereits andeuteten wird nun unmissverständlich formuliert: Thrice stellen ihre künstlerische integrität endgültig über sämtliche erwartungshaltungen. independent, singer-songwriter und postrock stehen gleichberechtigt an der seite von hardcore-punk, metallischer gitarrenarbeit oder rockigen hooklines. eine streng dem jeweiligen schema verpflichtete weiterentwicklung: während manche tracks überraschend frei von typischen songstrukturen durch die atmosphäre oszillieren, geraten andere beinahe zur dustin kensrue one-man-show. mit dem feinen unterschied, dass sich dieser im vergleich zu seinen soloalben für die Thrice-wiedervereinigung definitiv die perlen herausgepickt hat. empfehlung.

Samstag, 8. Oktober 2016

everytime i die: low teens. review

vor ziemlich genau dreizehn jahren hatte ich meinen ersten kontakt zu den passionierten riff-monsterjägern von Everytime I Die. "hot damn" hatte mich damals ziemlich aus den latschen gehauen. 2016 kann ich konstatieren: hossa! ihre ureigene rezeptur haben die herren aus buffalo im bundesstaat new york weiter verfeinert. in der zwischenzeit führte sie ihr weg von ferret records zum branchenriesen epitaph, welche für "Low Teens" (epitaph/indigo) hierzulande gute arbeit leisten. es sollte mich nicht wundern, wenn das achte album mit derart starkem songmaterial Everytime I Die hierzulande verdientermaßen noch ein gutes stück nach vorne pushen würde. nicht umsonst fegt man im vorbeigehen mal eben die gesamte konkurrenz vom platz. "low kids" macht seinem namen zwar nicht gerade alle ehre, ist aber - viel besser - ein von der ersten bis zur letzten sekunde fesselndes groove-meisterwerk. vertracktes riffing, breaks, atmosphärische passagen, tempiwechsel, veritable hooks - alles schon gehört, werdet ihr sagen. was bleibt ist das herausragendste genre-album des jahres bis jetzt. zwar keineswegs innovativ, jedoch ein unumstößliches muss für alle, die es anspruchsvoll und hart brauchen. das everytime i die in den staaten bereits vor jahren für 'jackass' steve-o eröffnet haben, sei hier nur als amüsante randnotiz angemerkt...


Mittwoch, 6. April 2016

plague vendor: bloodsweat. review

die schweden haben die goldene zeit des (post-)punk vor etwa einer dekade mit division of laura leen, the (international) noise conspiracy und zuletzt aktuell mit vita bergen mehrfach erfolgreich reanimiert. längst tut sich aber auch auf der anderen seite des atlantiks etwas: 2016 schmeißen die kalifornierer von Plague Vendor nämlich bereits zum zweiten mal ihren hut in den ring. ihr debüt wurde seinerzeit in ein paar stunden eingespielt und brachte es gerade einmal auf eine schweißtreibende viertelstunde spielzeit. der nachfolger "Bloodsweat" (epitaph/indigo) verfügt zwar über einen ticken weniger wucht als der vorgänger, klingt dafür jedoch gleichermaßen dunkler wie tanzbarer. ob die band ihre wurzeln wirklich bei mark e smith oder eher bei den eingangs genannten epigonen des frühen jahrtausends hat, kann nur gemutmaßt werden. wenn frontmann brandon blaine schreit erinnert mich das jedenfalls an die besseren zeiten eines dennix lyxzen. und wer jetzt neugierig wurde: die erste single "jezebel" gibt einen repräsentativen eindruck dieses gelungenen zweitwerkes wieder. und angesichts so guter referenzen kann man glatt über den arg cheesy titel hinwegsehen...

Montag, 5. Juli 2010

big boi, sage francis. outc(k)asts of hiphop

ihr abgang mit "idlewild" vor einigen jahren überzeugte mich alles andere als nachhaltig: und auch sonst wurde es ziemlich ruhig um die hiphop-koryphäe outkast. partner andré 3000 trat zwar immer wieder in erscheinung (auf vorliegendem werk durfte er labelrechtlich allerdings nicht ran), während Big Boi eher durch immer neue pseudonyme, business-probleme (siehe oben) sowie durch verschiebung seines release-dates denn durch tatsächlich neue songs von sich reden machte. nun endlich steht "Sir Luscious Left Foot: The Son Of Chico Dusty" (universal) im handel, nach seinem outkast-silberling "speakerboxxx" quasi das erste richtige big boi-solowerk. welches so unkonventionell, unkommerziell wie irgend vorstellbar klingt: unter zuhilfename von soul, elektronik, hiphop, synthiesounds und jeder menge funk (inklusive assistenz von george clinton) kreierte der südstaaten-freak eine art songs, welche lediglich unter zuhilfename einiger features bodenkontakt zu halten scheinen. zum beispiel wirkt "hustle blood" durch die vocals von jamie foxx zumindest etwas greifbarer. ansonsten dominiert kreative kurzweile und die überraschende tatsache, dass mit diesem werk wohl nicht wirklich geld verdient werden wird.
auf einem gänzlich anderen level rangiert dagegen das schaffen von Sage Francis, dessen stilistische nähe zum anticon-kollektiv auf"Li(f)e" (anti/epitaph/indigo) allgegenwärtig bleibt. mit dem fünften album des amerikaners werden einmal mehr genregrenzen ausgelotet; viel wichtiger aber: den gern zitierten stereotypen setzt francis clevere beats, ausgeklügelte produktionen und substanzhaltige lyrics entgegen. ecken und kanten versperren zunächst die sicht auf die zündenden songkonstrukte. beiträge von califone, yann tiersen oder proudzent brian deck beispielsweise erweitern das soundspektrum immens, wenngleich bei aller liebe zu independent-sounds das material immer klar dem hiphop zugeordnet werden kann. in dessen zukunftsweisendster, intelligentester liga wohlgemerkt; denn dort scheint sage francis ohne jede anstrengung zu rangieren. mit seinem charakteristischen flow, politischen texten und der ungewöhnlichen labelheimat unterstreicht "li(f)e" den status des protagonisten als eine art bob dylan seiner zunft. dazu passt auch die "london bridge is falling down"-reminizenz kurz vor schluss. an den phänomenalen vorgänger kann francis zwar nicht ganz anknüpfen; respekt ringt mir aber auch das neue material mühelos ab.