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Montag, 22. Februar 2010

randi tytingvåg. platte & tour

nur ein paar monate nachdem ihr debüt "red" mit deutlicher verspätung bei uns veröffentlicht wurde, erscheint nun das folgewerk der norwegischen chanteuse auch in deutschland. und zwar zum regulären zeitpunkt - schließlich konnte sie mit ihrer jazzig-avantgardistischen popadaption auch kennerkreise hierzulande verzaubern. "Let Go" (ozella music/galileo mc) erweitert das spektrum der 32-jährigen noch einmal um klassik- und klezmer-elemente; wobei die überwiegend balladesken kompositionen jederzeit hörbar bleiben und ihr bereits den ruf eines weiblichen, sanfteren tom waits einbrachte.
eine beeindruckende darbietung, die es jetzt auch wieder in natura zu bestaunen gibt:

Randi Tytingvåg live:
05.03. Berlin, B-Flat 22:00 h

06.03. Zehdenick, Klosterscheune

07.03. Dresden, Dreikönigskirche (Musik zwischen den Welten)

13.03. Kassel, Kasseler Jazzfrühling

14.03 Bremen, Schlachthof (Radio Bremen Live Übertragung)
15.03. Bremen (radio recording)
"ON THE TRACKs" at 10.30-13.00 PM)
20.04. Halle, Objekt 5

21.04. München, Unterfahrt

22.04. Duisburg, Steinbruch

23.04. Essen, Zeche Karl

24.04. Lüdinghausen, Burg Vischering

25.04. Bad Wildungen, Wandelhalle

14.07. Memmingen, Memminger Meile
06.08. Deidesheim, Palatia Jazz

Dienstag, 3. November 2009

die schönen und das biest. ladylike

beginnen wir doch gleich mit der interessantesten, der dunklen seite dieses beitrags: Emily Jane White, deren famoses debüt "dark undercoat" in den letzten monaten stück für stück zur verdienten aufmerksamkeit kam, veröffentlicht ihr zweites album. und "Victorian America" (talitres/rough trade) zeigt sich zwar opulenter instrumentiert - der tragische, beinahe morbide beigeschmack bleibt ihren kompositionen dennoch haften. ein glücksfall, denn so bestellt sie auf stücken wie dem versponnenen "stairs" im morast zwischen folk und singer-songwriter-dasein ihr ganz eigenes feld. dessen erträge diesmal eben etwas weniger fragmentarisch ausfallen. dafür bleiben es die textlichen abgünde, welche die inhalte für die zwölf stücke bilden. welche wahlweise natürlich durch gitarre oder piano sowie white's beherrschter erzähl-/singstimme zum leben erweckt werden. und dass die frau aus dem kalifornischen fort bragg ihren nachnamen zu unrecht trägt, wird spätestens mit dem tiefschwarzen finale "ghost of a horse" untermauert. gleichzeitig übrigens dem besten beispiel dafür, wie songdienlich hier das novum streicher eingesetzt wird. "victorian america" zieht mich von anfang bis ende in seinen bann und sollte - nein: muss - den klammheimlichen siegeszug von emily jane white erfolgreich fortsetzen. im falle Randi Tytingvag setzt das infoschreiben dagegen zu recht auf deren expressionistische züge. und tatsächlich zeigt "Red" (ozella music/galileo) eine selbstbewusste künstlerin, deren herangehensweise erfolgreich zahme downbeat-momente mit intelligenter takt-akrobatik verbindet. die norwegerin, die in der einheimischen musikszene bereits reichlich anhänger fand (von welchen hier auch mehrere zu hören sind), legt mit ihrem zweitwerk ein hochkarätiges album vor, das ganz selbstverständlich mit genregrenzen spielt. mag die quintessenz auf jazz basieren, räumt dieser das feld wenn nötig für folk, avantgarde, chanson sowie südamerikanische (!) rhythmen. frau tytingvag singt und wirkt in ihrer erscheinung dazu so abgeklärt, dass man sie kaum auf das tatsächliche alter von anfang 30 schätzen würde. und respekt sei ihr nicht nur dafür sicher, dass "red" bei all seinen facetten keinerlei brüche enthält. als weitaus einfacher zugänglich denn ihre beiden vorgängerinnen entpuppen sich die ´mal etwas forschen, meist jedoch melancholisch gestimmten balladen von Siri Svegler. die schwedische singer-songwriterin, die auch als schauspielerin erfolge feierte und mittlerweile sogar hierzulande wurzeln geschlagen hat, spielt mit folk- und jazz-zitaten - am ende bleibt das songmaterial auf "Silent Viewer" (compost records) jedoch schlichte popmusik. eine spur zu beliebig vielleicht, um wirklich aufmerksamkeit zu erregen. immerhin: als durchaus kurzweilige, abwechslungsreiche hintergrundmusik in einer stilvollen bar - ob live oder auf platte - kann man sich die elf tracks prima vorstellen.

Freitag, 30. Oktober 2009

king crimson. progrock-geschichtsstunde

ich vermag kaum abzusehen, welchen stellenwert King Crimson in der gegenwärtigen klientel progressiver, alternativer musik haben; vermute jetzt aber einfach einmal ganz vorsichtig, dass es durchaus zahlreiche anhänger von tool bis hin zu the mars volta gibt, welche vom schaffen der englischen progrock-ausnahmetalente noch nichts wissen. was musikhistorisch schlichtweg nicht zu verantworten ist. allein ohne den meilenstein "In The Court Of The Crimson King" (galileo) aus dem jahr 1969 wären bands wie pink floyd kaum denkbar, von den oben erwähnten anderen acts ganz zu schweigen. denn wenn hier von progressive die rede ist, dann meine ich tatsächlich höchst innovative, genre- und bewusstseinssprengende musik - und nicht die sonst so betitelte selbstverliebte frickelei überambitionierter rockmusiker. bedingungslos mutig war und ist der sound von king crimson, bedingungslos musikalisch das talent von gitarrist fripp und seinen kollegen. man höre nur die klangcollage "moonchild", die hier neben dem epochalen titeltrack stehen. nicht zu vergessen natürlich "21st century schizoid man", jenem trotz aller sprichwörtlichen verrückheit erfogreichsten song der band - der dem einen oder anderen zumindest in (wertlosen) coverversionen begegnet sein könnte. dass es obendrein noch mehrstimmige harmonien en masse gibt, ist nur das i-tüpfelchen. vielleicht kein meilenstein, aber ohne frage ein klassiker ist das fünf jahre später erschienene "Red" (galileo). zum vierzigjährigen bandjubiläum wurden die aufnahmen beider alben nun neu abgemischt und mit diversen bonustracks versehen. und wo ersteres durch die talente von steven wilson und robert fripp wirklich überzeugen kann, bleibt der reiz der zusätzlichen stücke (darunter session tracks und alternative aufnahmen) kennern vorbehalten. die beiliegende dvd enthält zusätzlich videomaterial sowie hochwertige surround mixes für audiophile experten. der erwerb beider platten wird nun spätestens in dieser finalen edition essentiell.