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Montag, 8. November 2010

female pop highlights. 11/2010

mal ehrlich: das außergewöhnliche image, welches sich Asa inszeniert hat - bzw. welches für sie inszeniert wurde - will nicht so wirklich passen. ebenso wie der titel ihres zweitwerkes "Beautiful Imperfection" (naive/indigo). das dutzend songs schwebt nämlich mühelos durch das pop-universum, ohne dabei großartig anzuecken oder nur eine sekunde nicht perfekt zu klingen. zu nett, ja beinahe zu schön fallen die eingängigen kompositionen der singer-songwriterin aus nigeria aus. und zu glattgebügelt wirken leider auch ihre elemente aus soul-, afro- und folk-elementen. das ganze verschwimmt ähnlich wie auf dem debüt zu einer lieblichen, sommerlichen melange, welche zumindest die bevorstehenden tristen herbst- und wintertage aufhellen könnten.
ein erhaben dunkles, melancholisches singer-songwriter-universum hat sich Emily Jane White auf ihren letzten beiden alben gesponnen. auf "Ode To Sentience" (talitres/rough trade) bringt sie die orchestralen momente des letzten albums mit der teils spartanischen inszenierung ihres debüts auf einen gemeinsamen nenner. ihr besonderer sound wirkt so noch sattelfester, es scheint als würde die protagonistin vergessen was um sie geschieht: ganz verhaftet klingt die musik in dem moment. was ihr eine präsenz und intensität verleiht, wie man sie heutzutage nur noch selten findet. einmal mehr eine definitive kaufempfehlung.

die junge kollegin Lena Malmborg stammt aus dem benachbarten schweden und findet deutlich direkter - bzw. weniger dunkel - den weg in unsere herzen: veröffentlicht über das friska viljor-label pendelt sich das musikalische spektrum von "Paris To Berlin" (crying bob records/broken silence) zwischen singer-songwriter-wurzeln und bluesinfiziertem rock ein. gerne auch etwas forscher inszeniert beweist die stockholmerin, dass sich niemand zwangsläufig dem häufig assoziierten melancholie-diktat ihrer nordischen heimat unterwerfen muss. ein track wie "don't be scared" drängt so selbstbewusst und überzeugend in den mittelpunkt, dass man es der zierlichen künstlerin kaum zugetraut hätte. das extrovertierte "messenger blues" anschließend wischt jeden zweifel weg: diese zwölf stücke markieren eine der erfrischenderen angelegenheiten der letzten zeit. übrigens bezeichnet malmborg die einst von ihrem bruder geschenkte muddy waters lp als "the best gift ever"... geschmackssicher.

Sonntag, 4. April 2010

emit bloch & lonely drifter karen. in der zitathölle

was promoschreiben können, können wir schon lange. willkommen in meiner neuen rubrik "in der zitathölle". hier lest ihr auszüge anderer meinungen aus dem internet, ob qualifiziert oder nicht. und jeweils ein kurzes finale von sellfish.de/bmusic. jenes natürlich qualifiziert...

los geht's mit Emit Bloch und seinem
"Dictaphones Vol. 1" (idot/one little indian). einen eindruck der soundqualität gibt es bei musicomh.com: "(...) You should be prepared for at least one or two moments of bad recording that will have you cursing the frequencies in your headphones - if there is one fault it's that a couple of the tracks could probably have done with a second take for the sake of getting some better recording levels. But this is a small complaint, since the warts 'n' all approach is so winsome and it seems to fit Bloch's fun folk outlook like a glove. (...)". richtig böse dagegen wird The 405: "This isn’t a terrible album, it’s just a giant misstep and sounds so damn forced. Overall, this is just such an exceedingly “meh” album, so bland and mediocre to dull that it can only be a below average offering that rounds out to average. Let the hate begin." in den kommentaren darunter übrigens gleich eine stellungnahme von herrn bloch persönlich... das west end extra dagegen kührt das album zur platte der woche: "Americana is everywhere now but none so raw as this, and quite possibly the better for it." sellfish.de/bmusic meint: "emit bloch kokketiert damit, die aufnahmen mit gerade einmal sechs pfund verwirklicht zu haben. seine songs funktionieren unabhängig davon ganz gut... aber auch, weil er sich in dieser hinsicht eher auf konventionellem terrain bewegt".

über das zweite album von Lonely Drifter Karen schreibt das österreichische the gap-magazin: "Ausgestattet mit einer großen Lust, ihre Songs instrumental vielfältig zu gestalten, greifen die drei auch zu allerlei Holz-, Blechblas- und Perkussionsinstrumenten, Glocken, Klavieren und Orgeln. Das ergibt ein facettenreiches, zeitloses Album der Weltenbummler." wofür es dann dreieinhalb von fünf sternen gibt. das mit dem österreichischen medium passt übrigens - immerhin stammt die sängerin des international besetzten trios dorther. die publishing agentur strictly confidental verfällt natürlich in euphorie: "Fall Of Spring is a work of beautiful light and shade, of seasonal drifts and colourful contrasts, with the band's already broad musical palette enriched by brass/woodwind arrangements, tremolo-soaked electric guitars, pedal steel, inventive percussive textures and a thrilling new-found taste for rocking out!" ein interessanterer aspekt kommt da schon vom wiener falter-magazin: "Am meisten Zuspruch finden Lonely Drifter Karen bisher in Frankreich. Fast fühle es sich so an, als habe das Land ihre Band adoptiert, sagt die Sängerin. „Im deutschsprachigen Raum gibt es bei alternativer Musik immer den Anspruch, dass es irgendwie rau klingt. Unser Debüt war dafür wohl etwas zu romantisch und naiv. In Frankreich gibt es eine ganz andere Tradition. Man weiß dort seit Serge Gainsbourg, dass alternativer Pop auch anders klingen kann.“
sellfish.de/bmusic meint zu "Fall Of Spring" (crammed discs/indigo): spätestens wenn es im letzten track "seed" ein duett mit emily jane white zu hören gibt wird klar, dass das zweitwerk der weltenbummler zwar nicht immer über die maßen begeistert, jedoch durchgehend ebenso stilvoll wie augenzwinkernd gerät.

Dienstag, 3. November 2009

die schönen und das biest. ladylike

beginnen wir doch gleich mit der interessantesten, der dunklen seite dieses beitrags: Emily Jane White, deren famoses debüt "dark undercoat" in den letzten monaten stück für stück zur verdienten aufmerksamkeit kam, veröffentlicht ihr zweites album. und "Victorian America" (talitres/rough trade) zeigt sich zwar opulenter instrumentiert - der tragische, beinahe morbide beigeschmack bleibt ihren kompositionen dennoch haften. ein glücksfall, denn so bestellt sie auf stücken wie dem versponnenen "stairs" im morast zwischen folk und singer-songwriter-dasein ihr ganz eigenes feld. dessen erträge diesmal eben etwas weniger fragmentarisch ausfallen. dafür bleiben es die textlichen abgünde, welche die inhalte für die zwölf stücke bilden. welche wahlweise natürlich durch gitarre oder piano sowie white's beherrschter erzähl-/singstimme zum leben erweckt werden. und dass die frau aus dem kalifornischen fort bragg ihren nachnamen zu unrecht trägt, wird spätestens mit dem tiefschwarzen finale "ghost of a horse" untermauert. gleichzeitig übrigens dem besten beispiel dafür, wie songdienlich hier das novum streicher eingesetzt wird. "victorian america" zieht mich von anfang bis ende in seinen bann und sollte - nein: muss - den klammheimlichen siegeszug von emily jane white erfolgreich fortsetzen. im falle Randi Tytingvag setzt das infoschreiben dagegen zu recht auf deren expressionistische züge. und tatsächlich zeigt "Red" (ozella music/galileo) eine selbstbewusste künstlerin, deren herangehensweise erfolgreich zahme downbeat-momente mit intelligenter takt-akrobatik verbindet. die norwegerin, die in der einheimischen musikszene bereits reichlich anhänger fand (von welchen hier auch mehrere zu hören sind), legt mit ihrem zweitwerk ein hochkarätiges album vor, das ganz selbstverständlich mit genregrenzen spielt. mag die quintessenz auf jazz basieren, räumt dieser das feld wenn nötig für folk, avantgarde, chanson sowie südamerikanische (!) rhythmen. frau tytingvag singt und wirkt in ihrer erscheinung dazu so abgeklärt, dass man sie kaum auf das tatsächliche alter von anfang 30 schätzen würde. und respekt sei ihr nicht nur dafür sicher, dass "red" bei all seinen facetten keinerlei brüche enthält. als weitaus einfacher zugänglich denn ihre beiden vorgängerinnen entpuppen sich die ´mal etwas forschen, meist jedoch melancholisch gestimmten balladen von Siri Svegler. die schwedische singer-songwriterin, die auch als schauspielerin erfolge feierte und mittlerweile sogar hierzulande wurzeln geschlagen hat, spielt mit folk- und jazz-zitaten - am ende bleibt das songmaterial auf "Silent Viewer" (compost records) jedoch schlichte popmusik. eine spur zu beliebig vielleicht, um wirklich aufmerksamkeit zu erregen. immerhin: als durchaus kurzweilige, abwechslungsreiche hintergrundmusik in einer stilvollen bar - ob live oder auf platte - kann man sich die elf tracks prima vorstellen.