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die eigene musikalische vergangenheit war nett aber nicht überragend - und im falle von "Masks" (thrill jockey/rough trade) ist lediglich von einer neuen ep die rede. dennoch darf man vor dem satz, den Double Dagger hier nach vorne gemacht haben, schonmal salutieren: das trio schäumt über vor energie, erinnert meine wenigkeit vehement an das phänomenale "red medicine" album von fugazi und schafft es mit den fünf songs in knapp zwanzig minuten, mich gleichermaßen hochzufrieden und voller neugier auf das was noch kommen wird zurückzulassen. der spröde mix aus schlagzeug, bass und den ian mackaye-ähnlichen vocals von nolen strals lässt weder gitarren noch konventionelle songstrukturen vermissen: double dagger machen ab sofort ihr eigenes ding... übrigens auch in punkto artwork!
seiner ehemaligen formation karate kehrte geoff farina den rücken, weil ihm gehörprobleme ein konsequentes weiterverfolgen der postrock-ikone unmöglich machte. seitdem firmiert er unter dem namen Glorytellers. und stellt dabei ganz bewusst bezüge zur eigenen vergangenheit her. nein, das war kein gewollter abschied des unscheinbaren gitarren-virtuosen. insofern markiert vorliegendes zweitwerk weiterhin einen nachvollziehbaren schritt. so mögen die kompositionen zwar in der tradition von singer-songwritern oder american guitar music stehen. parallelen, gerade zur letzten vergangenheit von karate, lassen sich dennoch und immer wieder ausmachen. so rückt die jazzyness des letzten karate-longplayers "pockets" bei "Atone" (southern records/soulfood) nur minimal in den hintergrund. und zu ihren gunsten kehrt noch mehr akustische ruhe ein, welche sich mit den ungewöhnlichen melodielinien früher saitenzauberer mischt. heraus kommt ein werk mit seltsam ungreifbaren song-schönheiten. nonchalant schmeicheln sie sich ein, gefallen ohne wirklich hängen zu bleiben. gemischt mit dem typischen erzählstil farinas, welcher als fixpunkt für alle kompositionen gilt, entspringt daraus tatsächlich nichts anderes als die konsequente weiterführung des selbstbetitelten debüts. umso erfreulicher, als es mit den neun stücken auch wieder auf tour gehen soll. die umstände für eine wirkliche bandzukunft scheinen mit dem gleichermaßen avantgardistisch wie wohlgestimmt klingenden material geschaffen. reduziert, zurückgelehnt und mit beinahe unglaublicher selbstverständlichkeit ausgetüftelt, drängen songs und strukturen der glorytellers ins bewusstsein. karate 2.0: willkommen zurück.
The Accüsed landen bei den noiseexperten von southern lord (auf deren ausdrücklichen wunsch!) und lassen ihre wiederkehr von billy anderson (melvins, neurosis) produzieren? auf "The Curse Of Martha Splatterhead" (southern lord/soulfood) durfte man zu recht gespannt sein! nicht nur, weil sich die (schon etwas älteren) herren ja bereits vor drei jahren mit "oh martha" stilvoll geschmacksverirrt (natürlich geht auch diesmal nichts ohne splatter-artwork!) zurückgemeldet hatten. sondern weil man den typisch hysterischen bandsound zu keinem besseren zeitpunkt wieder auf die landkarte bringen könnte: das ganze macht nämlich schon deswegen sinn, weil momentan ja jungspunde wie municipal waste die kohle für einen stil einstreichen, den tommy niemeyer samt kumpels seinerzeit mitbegründeten. um so erfreulicher also, dass die vierzehn neuen tracks bzw. traditionell knappe halbe stunde spielzeit vor hochgeschwindigkeits-thrashmetal, der seine wurzeln jederzeit im punk und hardcore weiß, überbersten. the accüsed gehört nicht nur die homepage splatterrock.com... nein: hier hat jemand ein genre begründet. und die seattler stehen auch im 18. jahr ihres bestehens an dessen speerspitze.
nach einem starken debüt, einer zusammenstellung im albumformat sowie unzähligen shows hierzulande wie auch in der heimat sind Ruiner definitiv bereit für das nächste level ihrer noch jungen karriere. das wissen die anhänger - und auch ihr label lässt "Hell Is Empty" (bridge 9/soulfood) große aufmerksamkeit zukommen. wie passend, dass mit j robbins noch der wohl perfekte partner gefunden wurde, um die zehn songs in adäquate soundform zu gießen. das material kling dadurch wahnsinnig unmittelbar, reduziert auf das wesentliche und treibend. ruiner spielen sich die seele aus dem leib; packen ihre emotionen in harmonien, unkonventionelle wie kompakte kompositionen, aggressive parts und höchst persönliche texte. ein famoses artwork rundet die ebenso kurze wie essentielle scheibe ab. um ehrlich zu sein: so etwas großes hätte ich nach dem gutklassigen debüt der sympathischen herren aus baltimore nicht erwartet. mit rückendeckung von bands wie trapped under ice sollte die dortige szene somit wieder deutlicher in den fokus rücken. sehr viel besser und eigenständiger als auf "hell is empty" kann man hardcorepunk jedenfalls nicht mehr spielen.
wenn ein ausführlicher urlaub mit verspäteter bemusterung potentieller lieblingsplatten zusammentrifft, ärgert das die zuständige agentur wohl gleichermaßen wie diejenigen unter euch, die sich auf ein statement zu Clues und Taking Back Sunday gefreut haben. den stapel briefe mit den entsprechenden tonträgern habe ich nach dem italien-aufenthalt immerhin mit riesiger begeisterung geöffnet...
die musikszene aus montreal mag ihren kommerziellen höhepunkt bereits im vorletzten sommer gehabt haben. in einer zweiten welle kommen nun die vielleicht sogar interessanteren releases an den tag. im vollen vertrauen auf das musikverständnis des labels constellation dürfen sich alle interessierten Clues widmen. deren hauptprotagonisten alden penner und brendan reed sind seit uhrzeiten in den einschlägigen arealen aktiv (stichwort: unicorns) - und liefern unter der neuen banner mit ihrem selbstbetitelten debüt ein erquickliches stück musik zwischen himmelhochjauchzender euphorie, folkiger versponnenheit sowie einem schönen quentchen lärm ab. hier ein paar obligatorische arcade fire-reminiszenzen, dort ein bißchen dischord-stilbrüche und schließlich einer prise großes the paper chase-drama: fertig gerät mit "Clues" (constellation/soulfood) ein einstand, der auch in visueller hinsicht reizvoll wirkt. die erfolgsversprechende rezeptur dahinter: immer wenn sich ihr indie-sound in zu gefällige richtungen zu zerstreuen drohnt, macht das duo einen ausfallschritt in richtung prog oder post-punk. so entsteht ein im besten sinne ausgeklügeltes, vielmehr jedoch kurzweiliges werk.
Taking Back Sunday darf man 2009 wohl ohne mit der wimper zu zucken als "corporate rock" bezeichnen: zehn jahre bandgeschichte, touren mit den ganz großen der amerikanischen rock-liga sowie drei gold-auszeichnungen sprechen für sich. mittlerweile hat man es sich beim branchenriesen warner ja auch richtig gemütlich gemacht... da stören selbst neuerliche besetzungswechsel kaum. "New Again" (warner) klingt eben genau nicht wie sein titel. böse zungen könnten ihn gar negativ auslegen: denn das "mal wieder neu" macht vielmehr einen geradezu routinierten eindruck. die leidenschaft des debüts wich längst einem gekonnten händchen zu knackigem, hymnischen songwriting - welches im gleichen zuge das enge emocore-korsett kontinuierlich abstreift. statt teenage-angst sind die beteiligten mittlerweile erwachsen geworden, verheiratet und - tja - im bürgerlichen leben angekommen. was keine abwertung darstellen soll: taking back sunday spielen mittlerweile schlichtweg gelungene rock-musik mit airplay-qualitäten, das verdeutlichen die elf neuen tracks mehr denn je. wer sich allerdings auf der suche nach aufregender, mutiger, frischer musik befindet, muss anderweitig suchen. vielleicht ja nur ein paar zeilen weiter oben.
auch wenn er als mann hinter den kulissen in der vergangenheit unter anderem bei polyphonic spree eine vorsichtig euphorische seite offenbarte: es bleibt die beängstigende intensität seiner langjährigen band The Paper Chase, welche john congleton auf ewig anhaften wird. zumindest bei denjenigen, welche von den mittlerweile vier alben dieser band notiz genommen haben. "Someday This Could All Be Yours (Part 1)" (Southern/Soulfood) heißt das neueste werk - und trägt nicht nur textlich irrwitzig zynische töne. und auch für das thema religion, mit dem man das neue werk grob übertiteln könnte, braucht es keineswegs lärmige soundexplosionen. vielmehr stecken die zehn tracks gleichermaßen voller poppiger elemente, wie sie avantgardistische ideen beinhalten. und dies bei einer dynamik, welche jegliche verkopftheit im keim erstickt. selbst wenn es nach wie vor nicht viele bemerkt haben: The Paper Chase sind einzigartig. und bleiben eine der wichtigsten fixpunkte zwischen extremisten wie xiu xiu und dem seelenstriptease einer pj harvey. höhepunkt der abgründigkeit: wenn "the small of your back" in seinem "he's got the whole world in his hand..."-chorus gipfelt.
"überambitioniert" war eines der worte, welches einem hierzulande angesichts des verspätet erschienenen debüts von Defeater häufig begegnet ist. was nur in einer hinsicht stimmen könnte: wo in diesem fall boston drauf steht, ist etwas völlig anderes als typischerweise angenommen drin. nämlich ein - zumindest lyrisch - versiertes konzeptalbum, dessen musikalische seite sich glücklicherweise ebenfalls nicht zu verstecken braucht. "Travels" (Bridge 9/Soulfood) stellt nach polar bear club das nächste album dar, welches bridge 9 im zweiten anlauf für sich selbst lizensiert haben. verständlich, denn insbesondere neben labelmates wie verse oder ceremony macht das intelligent arrangierte werk sinn. und als wäre das alles nicht genug, entpuppen sich defeater auch im wahren leben als höchst integer: so betreibt man nebenher mit greenvans eine tourbusvermietung, welche ausschließlich mit pflanzlichen treibstoffen bewegt wird. auf das debüt bezogen: defintiver anspieltipp.
als ich vor vier jahren das erste mal in kontakt mit Kylesa trat, waren diese weit davon entfernt, von der rock- und metalpresse überhaupt wahrgenommen zu werden. mittlerweile führt dagegen kein weg an dem neuen longplayer vorbei. dabei macht die von frontfrau und frontmann gesteuerte formation aus georgia gar nicht so viel anders als in der vergangenheit. gut, die produktion fällt um einiges souveräner aus, und an den verbesserten promo-begleitumständen sind prosthetic records sicherlich nicht ganz unschuldig. "Static Tensions" (prosthetic records/soulfood) verwüstet das heimische wohnzimmer jedoch abermals mit einem eigenwilligen, eigenständigen bastard aus crust, metal sowie einer prise sludge... womit die kreativen eckpfeiler ähnlich unpopulär gewählt wurden, wie seinerzeit bei mastodon. eine vergleichbare karriere will ich kylesa nach diesem abermals starken longplayer gerne wünschen!
schwer, zu dem erhabene schaffen von Isis worte zu finden. zumindest welche, die neu sind. immerhin hat sich das quintett in den letzten zwölf jahren tatsächlich so etwas wie ein eigenes sounduniversum entworfen. ausgehend von einer basis, wie sie einst neurosis schufen, beeinflußt man mittlerweile selbst formationen, die wiederum eigenständig akzente setzen. man nehme nur cult of luna. "Wavering Radiant" (Conspiracy Records/Cargo) setzt die marschrichtung, immer harmonischere elemente in die apokalyptischen soundentwürfe zu verarbeiten, weiterhin konsequent fort. und definiert das eigene spektrum zwar nur um nuancen anders als zuvor - die sieben tracks jedoch lassen sich allein durch den nochmals verstärkteren einsatz von cleanen vocals besser denn je erschließen. und wer sein herz nur im ansatz an postrock/-core sowie artverwandtes verloren hat, bleibt ihnen einfach treu.