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Dienstag, 2. November 2010

flying horseman, erika rosen. in den fußstapfen von...

ein untypisches album für die post-progressive-drone experten von conspiracy records, zeitgleich eines ihrer feinsten seit jahren: die Flying Horseman treten mit ihrem debüt "Wild Eyes" (conspiracy records/cargo) in die fußstapfen von david eugene edwards a.k.a. woven hand. das sextett aus dem belgischen antwerpen klingt dabei überraschend authentisch, wovon man sich auch mit untenstehendem video einen eindruck machen können sollte. übrigens: das album erscheint als vinyl-lp plus 7"... sowie als reguläre cd.
ex-small flowers crack concrete-sängerin Erika Rosen stammt aus dem schwedischen malmö und tritt mit ihrem debütwerk erfolgreich in die fußstapfen von landsfrauen wie ane brun oder anna ternheim. wobei "Reload All Emotions And Let Them Collide" (margit music/broken silence) als doppel-cd erscheint, wenngleich die tracks leicht auf einen einzelnen silberling gepasst hätten. eine unterteilung macht dennoch sinn: so zeigt sich rosen auf den neun songs der ersten seite als klassische, zurückgenommene singer-songwriterin typisch skandinavisch-melancholischer prägung. die sechs stücke auf seite zwei entstanden im home-recording-verfahren und offenbaren eine experimentierfreudigere, atmosphärischere seite. auch diese facette weiß zu gefallen. und es dürfte spannend werden, wie sich ein solches kreatives konglomerat in der weiteren musikalischen biographie der künstlerin niederschlägt.

Sonntag, 9. Mai 2010

the fast and the furious. reviews

wer anhand der nur sieben tracks an eine ep denkt, liegt falsch: das debüt von Acid Tiger fällt mit 40 minuten länger aus als die meisten anderen deathwish releases. und auch komplexer. nicht nur der so betitelte "neue metal", eine progressive mischung aus schweinerock und frickeleien sowie einer rudimentären hardcore-basis, stand hier pate. es sind insbesondere klassiker wie drive like jehu, die im sound ihre spuren hinterlassen haben. und das obgleich man doch eigentlich vermuten darf, dass die musiker in ihren herkunftsbands (darunter converge, thursday und united nations) was experimente angeht nicht gerade an der kurzen leine gehalten werden. doch "Acid Tiger" (deathwish records) offeriert noch etwas anderes außergewöhnliches: die herren gehen nämlich mit jeder menge spaß zu werke; welcher hier ein um's andere mal faktoren wie wut, aggression oder verzweiflung überrundet. ein ungewöhnliches werk auf deathwish, welches nicht nur für deren anhänger einiger warmlaufzeit bedarf.
stück für stück arbeiten sich Manifestation voran; lineup- und labelwechseln zum trotz: eine sprichwörtliche working class-mentalität, die auf "Burden Of Mankind" (demons run amok) ihre konsequente fortsetzung findet. die saarländer sind mittlerweile bei dra entertainment gelandet - und passen dort mit ihrem arschtretenden mix aus agnostic front, terror und slapshot auch prima hin. vor allem die balance, harmonische gitarren und ein paar oi-elemente in den sound zu integrieren - ohne die hardcoreroots zu verwässern - gelingt überzeugend ("maintain course"). dem quintett gelang damit ein sympathisch rastloser, kurzweiliger glücksfall, angesichts dessen qualität man sich keine sorgen um szenenachwuchs aus deutschen landen zu machen braucht!
die französische drone/sludge/doom formation Year Of No Light kam nun bei conspiracy records unter. nicht die einzig erwähnenswerte veränderung: "Ausserwelt" (conspiracy records) präsentiert das neue material im vergleich zum vorgänger ohne vocals... nach dem abschied ihres sängers entschied man sich - wie übrigens schon in den anfangsmonaten der band - für ein rein instrumentales vorangehen. was in ihrem musikalischen kontext absolut sinn macht: denn die psychedelischen klanggebäude benötigen aufmerksamkeit, keine stimme. eine solche würde der behutsam arrangierten und erhabenen atmosphäre schlimmstenfalls ohnehin nur schwerlich gerecht werden. apropos: die vier tracks brauchten genau vier jahre vorlaufzeit und wurden in einem alten theater aufgenommen. year of no light zählen nicht nur deshalb definitiv zu den stilvollsten vertretern ihrer zunft.

Freitag, 2. April 2010

red sparowes: the fear is excruciating. review

conspiracy records haben sich in den letzten jahren zu einer festen größe für anhänger solcher genres wie ambient, postcore, drone, sludge oder experimental-musik entwickelt. ihre interpreten bieten allesamt sicherlich keine leichte kost, sind jedoch unbedingt eine entdeckung wert. das gilt auch für das dritte album der Red Sparowes... ihrem debüt für das belgische label. beim folgewerk zum famosen "every red heart shines toward the red sun" hat man es nun quasi wieder mit einem kleinen allstar-projekt zu tun. die fünf musiker hinter "The Fear Is Excruciating, But Therein Lies The Answer" (conspiracy records/cargo) rekrutieren sich nämlich unter anderem aus mitgliedern von neurosis, pleasure forever, made out of barbies oder isis. und diese information ermöglicht auch schon zumindest eine ungefähre einordnung des sounds dieser acht überlangen kompositionen. dabei gehen die red sparowes jedoch noch deutlich melodischer zu werke als ihre ursprungsbands. weniger dynamisch bzw. rockig klingen die songs, die sich stattdessen allesamt in einem konstanten fluss zu befinden scheinen und so eine sehr eigene, fesselnde atmosphäre kreieren. besonders durch den einsatz akustischer instrumente und vieler ruhiger, sehr sphärischer momente wirkt das material immer wieder überraschend zugänglich. diese formation benötigt für ihre musikalische tiefe nur selten die klassische "wall of sound". vocals wurden bisher ohnehin nur sehr sporadisch und teilweise wie instrumente eingesetzt; diesmal kommen sie gar nicht mehr zum tragen. der konzeptionelle zusammenhang erschließt sich nur noch aus den songtiteln... die auch aneinander gereiht gelesen werden können. fazit: wer auf bands wie godspeed you! black emperor, mono oder mogwai steht, der muss sich auf dieses album einlassen.

Montag, 25. Mai 2009

noisedronemathpostcore. supergroups

mag der name kurz und knackig sein: hinter Narrows, die ihren titel gern noch auf nrws herunterbrechen - steckt mehr als eine fies lärmende wand aus intelligentem noisecore. hier finden kenner der materie vielmehr ein paar lieb gewonnene bekannte. unter anderem dave verellen von botch, rob moran (unbroken, some girls) sowie ryan frederiksen (these arms are snakes) verwirklichen sich in diesem projekt, welches bei allen extremitäten die grenzen zum hörbaren nicht verlässt. zumindest für geübte ohren. "New Distances" (deathwish inc./greenhell) offenbart akustische stellen und zahlreiche atmosphärische momente, die beispielsweise im programmatischen "a restoration effort" dafür sorgen, dass der hörer die nächsten gigantischen math-/riff-eskapaden bei vollem bewusstsein erlebt. trotz der kürze der zeit (die neun songs verfügen nur über eine gute halbe stunde spielzeit) werden, was songwriting und spannungsbögen angeht, so immer wieder erinnerungen an tool wach. dazu passt, dass der sound von narrows auf diesem debüt-longplayer die erhabene größe der ungewöhnlichen tracks perfekt einfängt.

aus ganzen sieben musikern rekrutieren sich die Master Musicians Of Bukkake mittlerweile. und die musik auf "Totem One" (conspiracy records/alive) als psychedelisch zu beschreiben, geht sicherlich als untertreibung durch. doch selbst die wenig greifbaren charakteristika des drone-sounds werden diesen sieben klangentwürfen nicht gerecht. die m.m.o.b.'s erschaffen abgehoben sphärische klänge aus analogen synthesizern, instrumenten sowie animalischen chants (die mich ehrlich gesagt an elefanten in der afrikanischen steppe erinnern). das erhabene artwork wirkt so richtig wohl nur in der auf 500 exemplare limitierten vinyl-edition, der cd spendierte man nämlich lediglich ein lausiges einlegeblatt. was aber eigentlich irrelevant ist. denn dieses bedrohlich leise, kosmische ungetüm übertrifft sogar jenes output an einzigartigkeit, was die (bei earth, burning witch und den sun city girls aktiven) bandmitglieder sonst zelebrieren. so nimmt man mit einer mischung aus angst und freude zur kenntnis, dass "totem one" den auftakt zu einer einer trilogie bildet... ps: dass timba harris von den secret chiefs 3 hier als gast erscheint, darf als endgültiger ritterschlag gewertet werden.

eine nummer kleiner fällt die ganze angelegenheit bei dem debüt von Nebra aus. entsprungen dem umfeld von the ocean kommt beispielsweise selbst das format im kleinen, wenngleich todschicken durchsichtigen 3" mini-cd-stil. doch auch das namedropping fällt überschaubarer aus: immerhin weiß dieses quartett teilhaber von knut und mumakil in seinen reihen. namen, die zumindest expliziten kennern der szene etwas sagen und die hier von weiteren experten unterstützt werden. so gerät "sky disc" (pelagic records) zu einem - übrigens rein instrumentalen - kleinod. nebenbei gesagt: bandname und titel der ep ergeben eine art wortspiel, nachzulesen in wikipedia bzw. auf der homepage der gleichnamigen stadt. vielleicht sollten nebra noch ein wenig an der vielfat ihrer kompositionen arbeiten - ein knackiger einstand gelingt ihnen hiermit allemal.