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Dienstag, 7. Dezember 2010

killing the dream & with open arms. hardcorehighlights

zwei der packendsten hardcore-alben der letzten monate werden ausgerechnet parallel veröffentlicht. das bedeutet natürlich zunächst einmal eine enorme belastung für die geldbeutel (ehrlicher) fans. zum anderen aber auch das zunehmende etablieren eines genres aus den fängen von metal- und emocore. wenngleich bei beiden acts dieser doppel-review melodien eine hervorgehobene rolle spielen: emo-zutaten wird hier niemand ausmachen können. insbesondere bei Killing The Dream. dass jene mit diesem sound nichts zu tun haben, dafür birgt gleichermaßen die verlässliche labelherkunft deathwish records, wie auch der frühere produzenten-support von ausnahmefaderschieber j robbins. welcher im gleichen zuge ja paint it black zur finalen referenzklasse verhalf. auf basis von klassikern wie chain of strength, unbroken oder kontemporären acts marke bane entwickeln unsere kalifornier nun aber eine kaum minder beeindruckende intensität, welche sich (nicht nur) am stimmlichen einsatz von elijah horner ablesen lässt. so mussten die aufnahmen immer wieder nach hinten verschoben werden, weil seine stimmbänder zu sehr strapaziert wurden. doch die qualen haben sich gelohnt: "Lucky Me" (deathwish/indigo) braucht zwar eine ganze weile, bis sich hinter der schieren verzweiflung sowie den auf den ersten blick monoton bolzenden tracks die tatsächlichen songstrukturen abzeichnen - dann jedoch überzeugt der konsequent trendfreie sound uneingeschränkt.
auch die aus süddeutschland stammenden With Open Arms halten sich nicht lange mit derzeit angesagten klischees auf. ihr zweiter longplayer "Traces" (swell creek/soulfood) trampelt zwischen cro-mags riffing und vorsichtig melodischer gitarrenarbeit durchs terrain - und schafft sich auf diese weise einen überraschend eingenständigen, sympathisch dreckig produzierten klang. dazu kommt ein gelungenes artwork sowie lesenswerte lyrics samt linernotes. am ende steht ein durchweg empfehlenswertes gesamtprodukt in der machart der späten neunziger jahre, in welches man viel eher sein geld investieren sollte als in die diversen victory-records-clone, welche derzeit wiedermal aus den staaten herüberschwappen. rosenheim hardcore rocks!

Donnerstag, 15. Juli 2010

bitter end & end of a year. deathwish reviews

vom deathwish-ableger malfunction records zum mutterschiff dieses labels haben es Bitter End aus texas bereits mit ihrem zweiten longplayer geschafft. und stehen dort, wie zu erwarten, in bester tradition. "Guilty As Charged" (deathwish/indigo) klingt zwar authentisch, jedoch weit mehr nach dem new york der frühen neunziger denn nach der tatsächlichen geographischen heimat des quintetts. die referenz ihres thrash-infizierten hardcores bleiben leeway, cro-mags und killing time. und wenngleich es beispielsweise mit bleed into one hierzulande sogar noch stärkere konkurrenz gibt: das wüste material zaubert mir ein grinsen ins gesicht und, tja, lässt schon so irgendwie die eigene musikalische vergangenheit wieder aufflackern. nicht zuletzt durch ein akustisches intermezzo wird zudem der spannungsbogen über die zehn tracks hin konsequent hoch gehalten.

von revelation records zu deathwish records: End Of A Year aus albany, new york, suchen sich offenbar bewusst genau jene labels aus, welche eine ganze dekade des hardcore-sounds präg(t)en. und stehen mit "You Are Beneath Me" (deathwish/indigo) doch mit beiden füßen in der vergangenheit. typisch, könnte man sagen. oder: einfach die leidenschaftlichen, heißere vocals bejubeln, die mit solch enormer inbrunst in das mikrofon zu singen (!) versuchen (!!), dass es mit der gegenwärtigen hochglanz-definition von emorock in keinster weise noch etwas zu tun hat. nein, end of a year wissen ihre wurzeln in bands wie elliott oder auch rites of spring - und beweisen zu jeder sekunde geschmack. der einzige vorwurf, dem man dem material machen könnte? dass es vielleicht etwas zu bewusst "retro" klingt. wenn daraus aber songs wie "jeni leigh" entstehen, hat man auf derartige kritikpunkte schlichtweg keine lust mehr. toll.


Bitter End on tour:
07/31: Lichtenstein, Germany @ JZ Riot w/ New Morality
08/01: Munich, Germany @ Sunny Red w/ New Morality
08/02: Vienna, Germany @ Escape w/ New Morality
08/03: Berchtesgaden, Germany @ Kuckusnest w/ New Morality
08/04: Hamburg, Germany @ Rote Flora w/ New Morality
08/05: Fredericia, Denmark @ Fredericia Hardcore Fest w/ New Morality
08/06: Leisnig, Germany @ Suck n Summer Fest w/ New Morality
08/07: Essen, Germany @ Filled with Hate Fest w/ New Morality
08/08: Hengelo, The Netherlands @ Innocent w/ New Morality
08/09: Mannheim, Germany @ JUZ w/ New Morality


Montag, 7. Juni 2010

still believe? h.c. bestandsaufnahme 06/10

die geschichte von Integrity ist ebenso lange wie unstet. war man anfang der neunziger zweifellos die wichtigste band der cleveland hardcore-szene, schob man sich durch gewöhnungsbedürftige grenzüberschreitungen vor jahren selbst ins abseits. die hardcoreszene war wohl einfach nicht reif für (die ohnehin nicht übermäßig gelungenen) elektronischen experimente, wie sie frontsau dwid seinerzeit unter dem namen integrity 2000 veröffentlichte. seit dem vor vier jahren erschienenen "to die for" besinnt man sich nun wieder auf seine eigentlichen stärken, tourt fleißig durch kleine clubs und geht auch mit der neuen veröffentlichung "the blackest curse" (deathwish) einen guten schritt zurück - mir kommt beim hören der neun songs desöfteren das brillante "systems overload" album in den sinn. klar, metallische soli wie im famosen "simulacra" werden verfechter der einzig wahren hardcore-lehre wieder sauer aufstoßen. doch erstmal fanden sich solche zitate im integrity-sound schon immer, zum anderen stehen geschwindigkeit und songlänge auf "the blackest curse" in der tradition der alten schule. man mag die intensität alter tage vermissen: objektiv gesehen zeigt sich der "clevo hate-edge"in bester verfassung!

es sind wahrlich nicht wenige formationen, welche auf den spuren von hot water music wandeln können und das ganze vielleicht noch mit etwas screamo garnieren. immerhin: das englische quartett Lower Than Atlantis, bislang nicht gerade vom glück verfolgt (line-up wechsel, labelsuche), steckt hörbar sein herzblut in das material ihres debüts. "Far Q" (redfield records/cargo) strotzt nur so vor leidenschaft, working class-attitüde und klugen lyrics. das soundgerüst platziert sich dabei recht gelungen zwischen emo, indie und hardcore - ohne dem zeitgeist hinterher zu hecheln. dafür zeigen sie lower than atlantis vielleicht doch etwas zu unbequem. klar: das dutzend songs steckt voller pop. aber einem pop der blut, schweiß und tränen kennt. durchaus eine seltenheit im kontext kajalgeschminkter, hochgestylter kollegenbands.


gemessen an der zu tage gebrachten musikalischen radikalität entspricht der wechsel von malfunction/deathwish records zu hassle durchaus einem großen sprung für Trash Talk. "Eyes & Nines" (hassle/soulfood) bekommt auf diese weise immerhin die beachtung auch außerhalb von insider kreisen. und selbst wenn die herren aus sacramento den t(h)rash beinahe im namen tragen, wer beispielsweise dem fiesen hardcore rock'n'roll von the bronx huldigt, findet hier anknüpfungspunkte. nicht ohne grund fand man in der vergangenheit sogar die aufmerksamkeit von steve albini, der wohl höchstselbst erst selten mit roherem, nihilistischerem material konforniert gewesen sein dürfte. bei aller liebe: innovativ klingt daran natürlich kaum etwas. braucht es bei einem 10 song und 17 minuten statement gegen die gesellschaft an sich und die kirche im besonderen wohl auch nicht.

Sonntag, 9. Mai 2010

the fast and the furious. reviews

wer anhand der nur sieben tracks an eine ep denkt, liegt falsch: das debüt von Acid Tiger fällt mit 40 minuten länger aus als die meisten anderen deathwish releases. und auch komplexer. nicht nur der so betitelte "neue metal", eine progressive mischung aus schweinerock und frickeleien sowie einer rudimentären hardcore-basis, stand hier pate. es sind insbesondere klassiker wie drive like jehu, die im sound ihre spuren hinterlassen haben. und das obgleich man doch eigentlich vermuten darf, dass die musiker in ihren herkunftsbands (darunter converge, thursday und united nations) was experimente angeht nicht gerade an der kurzen leine gehalten werden. doch "Acid Tiger" (deathwish records) offeriert noch etwas anderes außergewöhnliches: die herren gehen nämlich mit jeder menge spaß zu werke; welcher hier ein um's andere mal faktoren wie wut, aggression oder verzweiflung überrundet. ein ungewöhnliches werk auf deathwish, welches nicht nur für deren anhänger einiger warmlaufzeit bedarf.
stück für stück arbeiten sich Manifestation voran; lineup- und labelwechseln zum trotz: eine sprichwörtliche working class-mentalität, die auf "Burden Of Mankind" (demons run amok) ihre konsequente fortsetzung findet. die saarländer sind mittlerweile bei dra entertainment gelandet - und passen dort mit ihrem arschtretenden mix aus agnostic front, terror und slapshot auch prima hin. vor allem die balance, harmonische gitarren und ein paar oi-elemente in den sound zu integrieren - ohne die hardcoreroots zu verwässern - gelingt überzeugend ("maintain course"). dem quintett gelang damit ein sympathisch rastloser, kurzweiliger glücksfall, angesichts dessen qualität man sich keine sorgen um szenenachwuchs aus deutschen landen zu machen braucht!
die französische drone/sludge/doom formation Year Of No Light kam nun bei conspiracy records unter. nicht die einzig erwähnenswerte veränderung: "Ausserwelt" (conspiracy records) präsentiert das neue material im vergleich zum vorgänger ohne vocals... nach dem abschied ihres sängers entschied man sich - wie übrigens schon in den anfangsmonaten der band - für ein rein instrumentales vorangehen. was in ihrem musikalischen kontext absolut sinn macht: denn die psychedelischen klanggebäude benötigen aufmerksamkeit, keine stimme. eine solche würde der behutsam arrangierten und erhabenen atmosphäre schlimmstenfalls ohnehin nur schwerlich gerecht werden. apropos: die vier tracks brauchten genau vier jahre vorlaufzeit und wurden in einem alten theater aufgenommen. year of no light zählen nicht nur deshalb definitiv zu den stilvollsten vertretern ihrer zunft.

Dienstag, 30. März 2010

avatar & 108. frickelkünstler

was für ein geschickt gewählter bandname... könnte man nach dem erfolg von james camerons' (reichlich alberner) 3d-märchestunde meinen. ehrlicher weise muss man allerdings zugeben, dass Avatar ihren namen seit mittlerweile drei alben tragen. und der zeitpunkt dieser veröffentlichung eher eine bürde sein dürfte: immerhin gar nicht so leicht, in den weiten des internet auf die webseite der band und nicht des films zustoßen. dabei trägt "Avatar" (gain/sony music) alle zutaten für einen kommerziellen hit auch außerhalb der heimat mit sich: hochmelodischer deathmetal in der tradition von children of bodom oder in flames, exzellent produziert und mit genügend hitappeal, um auch etwas airplay bei den einschlägigen (internet-)stationen zu erlangen. oder, ganz aktuell, einen supportslot für eine tour mit warrior soul. überhaupt lassen sich hier zahlreiche traditionelle referenzen hören. "reload" beispielsweise klingt eindeutig mehr nach iron maiden als nach at the gates. und empfiehlt avatar selbst jener klientel mit nachdruck. die krishna-epigone zu den brillanten snapcase überzeugt mit einem abermals großartigen album, welches den ebenso fanatisch inszenierten wie vertrackten hardcore ein weiteres mal erfolgreich reanimiert. denn in zeiten, in denen längst mtv-shows mit weichespültem metalcore beschallt werden, lernt man qualität und anspruch der 108-veröffentlichungen wieder richtig zu schätzen. und bekommt dank "18.61" (deathwish/indigo) - einem famosen gewaltakt in gut zwanzig minnuten - endlich wieder die chance dazu. im jahr 1992 vom ehemaligen inside out-gitarristen vic dicara gegründet, wurden die amis auf dem europäischen mark nämlich lange zeit nur über das zweifelhafte lost and found-label vertrieben. was der brillanz ihrer frühen alben natürlich keinerlei abbruch tat. doch der zwischenzeitlich in boykott ausartende hass auf die plattenfirma machte es 108 sicher nicht einfacher. nach der wiederbelebung 2007 folg nun schon das zweite werk für die sympathieträger von deathwish records, welches in seiner unglaublich rohen machart vollkommen zu überzeugen vermag. angesichts der tatsache, dass momentan das christentum vehement einzug in den hardcore hält, ist das hier auch inhaltlich mehr als eine gelungene abwechslung. selbst wenn das verblendungslevel der krishna-huldigungen sicherlich ebenbürtig ist. sei's drum. irgendwie tue ich mir bei 108 leichter, das alles etwas distanzierter (spaßiger?) zu betrachten. vielleicht deswegen, weil der philosophische ansatz dieser religion für "ungläubige" leichter zu verdauen ist. und musikalisch zeigt sich die band 2010 ohne untertreibung auf dem zenit ihres schaffens.

Donnerstag, 19. November 2009

rise & fall: our circle is vicious. review

Rise And Fall waren lange keine besonders aufsehenerregende band gewesen. ihre eps für join the team player waren gutklassige mosh-hardcore-scheiben und die seelenverwandschaft zu den ehemaligen labelmates paint the town red nur naheliegend. und dann das: "into oblivion" wurde ein wahnsinnsalbum, dank welchem die belgier sich verdientermaßen einen deal mit dem niederländischen ausnahmelabel reflections records angeln konnten. die merkwürdige konsequenz: sendepause. vier jahre lang. lediglich unterbrochen durch eine 7" sowie ein paar liveshows. doch aus dieser auszeit kehrt man gestärkt, wenngleich reduziert zurück. "Our Circle Is Vicious" (deathwish/indigo) erscheint gar über das amerikanische qualitätshaus deathwish records. was ist also passiert im lager der dand? schwer zu sagen. denn so großartig verändert hat sich ihr sound eigentlich gar nicht. die unterschiede liegen eher im detail: die formel "mosh + hardcore" wurde in Richtung "metal + punk" verschoben und anstelle der üblichen "megafett-produktion" drückt einen der schweinisch dreckige und aggressive kurt ballou-sound der zehn stücke mit wucht zurück in den sessel. keine frage, die zum trio geschrumpften herren sind ganz gewaltig angepisst, besser: verzweifelt. und erinnern in der vertonung dieses zustandes frappierend an die intensität der gottgleichen wolfpack in deren frühphase. dabei klingen rise and fall sogar noch einen zacken kaputter und weniger straight. etwa so, als wären integrity plötzlich zu einer slow-motion-crustpunk-band mutiert. eben "punkmetal", wie man den sound selbst charakterisiert haben möchte. doch all die vergleiche in diesem posting sollen vor allen dingen dazu dienen, einer zu lange (und teils selbstverschuldet) unbeachteten bzw. als latent konturlos eingestuften formation die aufmerksamkeit zu besorgen, die sie - ab sofort wieder - verdient. denn an "our circle is vicious" gibt es für abgehärtete ohren in diesem winter kein vorbeikommen! und die belgische hardcore-szene dürfte nach the setup mit rise and fall endlich wieder relevante aushängeschilder jenseits der leidigen eurocore-bewegung gefunden haben.

Dienstag, 6. Oktober 2009

hardcore highlights. doomriders & soul control

wie das so ist bei den sogenannten allstar-bands, darf man froh sein, wenn sie alle paar jahre mit einem neuen album rüberkommen. im falle Doomriders hat es immerhin knapp eine halbe dekade gedauert, bis der nachfolger zu "black thunder" eingetrümmert war. und es ging auch nicht ohne verluste von statten. schlagzeuger chris bevalaqua wurde ersetzt durch john-robert connors, der mit cave in ebenfalls eine bemerkenswerte vergangenheit mit sich bringt. der sound auf "Darkness Comes Alive" (deathwish) dagegen verschob sich nur um nuancen: ihr stoneiger death'n'roll wirkt kompakter und schlüssiger - klingt aber trotz der converge/disappearer/cast iron hike-referenzen mehr nach schweden denn nach der eigenen herkunft boston, massachusetts. und was die immerhin 17 neuen tracks am meisten vom fixpunkt entombed abhebt, ist der klang von nate's druckvoll-melodischen vocals. vielleicht liegt hier die größte leistung: auf "darkness comes alive" lassen ohne viel mühe und auf anhieb eine handvoll ohrwürmer ausmachen. was gerade in diesem genre nicht unbedingt der norm entspricht.
siehe auch: Soul Control. die brauchten erst einmal eine dreijährige karriere, um neben unzähligen singles und touren überhaupt die notwendigkeit eines longplayers zu erkennen. man darf es wohl den kompetenten händen von bridge 9 zuschreiben, dass wir nun "Cycles" (bridge 9/soulfood) in den händen halten. bei den vocals kann man gerne an sick of it all denken, musikalisch mögen es die herren aus rhode island jedoch weniger straight: unter den zwölf tracks finden sich einige haken und ösen, die immer wieder für verwirrung im pit sorgen... über welche sich fans von snapcase bis quicksand (also auch ich) tierisch freuen werden. nichtsdestotrotz hat das quartett die struktur schlüssiger tracks längst in sich absorbiert - und huldigte in der vergangenheit gar dinosaur jr. in form einer coverversion (auf der "silent reality" ep). so entsteht ein bemerkenswertes, toll produziertes debüt, auf die entwicklung seiner nachfolger man gespannt sein kann.

Dienstag, 15. September 2009

lewd acts, switchblade. highlights

"i was born with soapbox shoes / raised on morals that i choosed to lose / when i had seen the evil that people do / that's when i learned to sing the blues". mit diesen bricht - im wahrsten sinne des wortes - das vorläufige hardcore-highlight des jahres an. nicht, dass herausragende qualität aus dem hause deathwish überraschen würde. doch Lewd Acts legen mit "Black Eye Blues" (deathwish) ein geradezu absurd intensives und abgefucktes album vor, dessen referenzmasse erschlagend klingt. klar, kurt ballou von converge hat seine spuren nicht nur in der produktion hinterlassen. aber dazu kommen elemente von burst, cursed und give up the ghost - vorgetragen mit tatsächlich einer schmutziger adaption des blues. ich weiß dass in dieser review reichlich floskeln bedient werden. aber vom phänomenalen opener über die irre verschnaufpause "who knew the west coast could be so cold" zum überragenden finale "nowhere to go" macht dieses werk einfach sprachlos. die herren aus san diego empfehlen sich nachdrücklich als die neue exzellenz des genres.
auch nicht zu verachten: Switchblade sind ein schwedisches trio, welches seinen ursprung vor über zwölf jahren als chaotische hardcore-band fand. doch von den anfangstagen entwickelte man sich schnell weg: typische songschemata ließ man stück für stück hinter sich, besetzungswechsel sorgten für stilistisches neuland. das fünfte, abermals selbstbetitelte album gipfelt im (vorläufigen) höhepunkt der eigenwilligen karriere: nur drei Tracks lassen sich auf dem schlicht jedoch stilvoll gestalteten Werk finden. sie bringen es zusammen auf eine gute dreiviertel stunde und statt einem titel tragen sie abermals nur ihre exakte spielzeit als namen. "Switchblade" (trust no one recordings) gerät damit zu eine post-sludge-core-variation, die ihren besonderen reiz aus der kombination extremer langsamkeit mit überlegter schlichtheit zieht. jedem riff wird zeit gegeben, sich zu entfalten, sich im raum auszubreiten. die rudimentären aber sehr präsenten drums kulminieren mit den äußerst sparsam eingesetzten vocals in einem (trotz - oder wegen - der sparsamen zutaten) atmosphärisch dichten, finsteren soundtrip. wobei man 2009 sogar noch auf gastbeiträge etc. verzichtete. switchblade klingen damit wie die spartanische abspaltung ihrer früheren rourpartner von cult of luna, einer zeitlupenversion von breach oder einer verzweifelten düsteradaption von logh. eine spannende entdeckung für freunde avantgardistischer töne.

Samstag, 29. August 2009

in cold blood. vergangenheitsbewältigung

an dieser stelle nun mein persönlicher historien-hinweis, dass sich das kontinuierlich mausernde label demons run amok um ein weiteres highlight verdient gemacht hat: mit "suicide kind" (demons run amok/intergroove) veröffentlicht man eine compilation von In Cold Blood. eben jener band, welche vor gut zehn jahren via victory records (damals war auf tony brummel sogar noch halbwegs verlass...) im windschatten von integrity mit "hell on earth" ein famoses werk an den start brachte - welches den clevo hatecore heben ringworm und erwähnter dwid-gefolgschaft maßgeblich mitdefinierte. enthalten auf jener zusammenstellung ist unter anderem sessionmaterial aus dem jahr 1998 sowie die sieben tracks der selbstbetitelten, längst ausverkaufte 7". vor allem aber noch eine handvoll livetracks, welche hierzulande aufgenommen wurden und u.a. eine ganz klare distanzierung bzw. abrechnung mit der damals omnipräsenten one life crew enthält. zwar spart das im aufwendigen glanz- auf schwarzdruck gestaltete booklet leider mit weiterführenden informationen - ein insgesamt höchst mitreißender trip in die vergangenheit, übrigens sogar für anhänger von discharge bis deathwish records, bleiben die 16 tracks in knapp 25 minuten allemal.

Mittwoch, 12. August 2009

lewd acts. "black eye blues" tourdates

einen hype will deathwish-promoterin nicole anlässlich der tour ihres neuen signings lostreten. nun, es dürfte kompliziertere jobs geben. denn in den einschlägigen kreisen werden lewd acts längst als nächstes großes ding gehandelt. und das am 1.9. erscheinende debüt "black eye blues" sehentlich erwartet. mit diesem label-stall sowie referenzen von modern life is war bis zu converge im hintergrund sollte da nicht viel schief gehen. hier die daten in erreichbarer nähe:

08/22: Bochum, Germany @ Lights Out Fest w/ Gold Kids
08/24: Graz, Austria @ Cafe Prost w/ Gold Kids
08/26: Salzburg, Austria @ Rockhouse Bar w/ Gold Kids
08/28: Chemnitz, Germany @ AJZ Talschock w/ Gold Kids
08/29: Ieper, Belgium @ Ieperfest
09/05: Messancy, Belgium @ Some HC Fest w/ Gold Kids
09/06: Wolfsburg, Germany @ Juha Ost w/ Gold Kids
09/07: Prague, Czech Rep @ Jeleni w/ Gold Kids
09/10: Kiel, Germany @ Schaubude w/ Gold Kids
09/11: Bremen, Germany @ G 18 w/ Gold Kids
09/12: Duisburg, Germany @ Light In The Dark Fest w/ Gold Kids
09/13: Berlin, Germany @ Lokal w/ Gold Kids

Montag, 13. Juli 2009

doofe bandnamen. gute platten

die parallelen zwischen blood for blood und Death Before Dishonor werden immer unausweichlicher: mittlerweile sind es neben der gleichen heimat nicht nur starke ähnlichkeiten in bandnamen und sound. auch die stilistische ausrichtung gleicht einander frappierend - obwohl mit zeitlicher verzögerung. denn wenn b4b mit "outlaw anthems" 2002 nach jahren im typischen hard-/hatecore eine art prolligen klassiker des streetpunk-sounds zusammengebastelt haben, versuchen sich db4d mit "Better Ways To Die" (bridge 9/soulfood) nun ebenfalls genau daran. dass das vorhaben nicht ganz gelingt, liegt allerdings nur zum teil am etwas verpufften überraschungseffekt. denn wo diese entwicklung für anhänger der band nach dem karrierehighlight "count me in" schon absehbar war, klingen die neuen tracks eine spur zu rockig. zumindest ich hätte mir eine stärkere, breakdown- oder oldschool-verbundenheit gewünscht, um die neuen elemente auch in voller strahlkraft erscheinen zu lassen. dennoch besticht das material durch seine eindringlichkeit - und einem weiterhin vorbildlichen energiepegel. live jedenfalls hat man hiermit garantiert gewonnen... und wer weiß, vielleicht wird "better ways to die" auf lange sicht sogar zum relevantesten album der working class-recken.
auch Reign Supreme definieren ihre vorbilder ziemlich klar: zum beispiel auf letzten ep "american violence" - wo man unübersehbar mit "cowboys from hell" shirt posierte. dabei fällt der pantera-einfluss im falle "Testing The Limits Of Infinite" (deathwish/green hell) etwas weniger eindeutig aus. der debütlongplayer bemüht sich vielmehr, die definitive formel für eine hardcore- und metal- (besser: mosh-)kreuzung zu finden. mit erfolg, wenngleich nicht in kreativer hinsicht. denn neu klingt hier tatsächlich kaum irgendetwas. dafür explodiert das material quasi nicht nur mit stil: es scheint, als wäre es reign supreme tatsächlich gelungen, alle relevanten zutaten für ein perfektes genrealbum in richtiger dosierung beizufügen. mit unterstützung aus den reihen von comeback kid, this is hell und a life once lost sowie den erfahrenen labelhänden könnte nun der grundstein für eine karriere gelegt sein, die in zukunft einiges mitzubestimmen hat. und deren protagonisten spätestens jetzt so geerdet sein sollten, dass ab sofort kreative elemente, neugierige spurensuche oder visionäre ideen einzug halten müssen.

Montag, 25. Mai 2009

noisedronemathpostcore. supergroups

mag der name kurz und knackig sein: hinter Narrows, die ihren titel gern noch auf nrws herunterbrechen - steckt mehr als eine fies lärmende wand aus intelligentem noisecore. hier finden kenner der materie vielmehr ein paar lieb gewonnene bekannte. unter anderem dave verellen von botch, rob moran (unbroken, some girls) sowie ryan frederiksen (these arms are snakes) verwirklichen sich in diesem projekt, welches bei allen extremitäten die grenzen zum hörbaren nicht verlässt. zumindest für geübte ohren. "New Distances" (deathwish inc./greenhell) offenbart akustische stellen und zahlreiche atmosphärische momente, die beispielsweise im programmatischen "a restoration effort" dafür sorgen, dass der hörer die nächsten gigantischen math-/riff-eskapaden bei vollem bewusstsein erlebt. trotz der kürze der zeit (die neun songs verfügen nur über eine gute halbe stunde spielzeit) werden, was songwriting und spannungsbögen angeht, so immer wieder erinnerungen an tool wach. dazu passt, dass der sound von narrows auf diesem debüt-longplayer die erhabene größe der ungewöhnlichen tracks perfekt einfängt.

aus ganzen sieben musikern rekrutieren sich die Master Musicians Of Bukkake mittlerweile. und die musik auf "Totem One" (conspiracy records/alive) als psychedelisch zu beschreiben, geht sicherlich als untertreibung durch. doch selbst die wenig greifbaren charakteristika des drone-sounds werden diesen sieben klangentwürfen nicht gerecht. die m.m.o.b.'s erschaffen abgehoben sphärische klänge aus analogen synthesizern, instrumenten sowie animalischen chants (die mich ehrlich gesagt an elefanten in der afrikanischen steppe erinnern). das erhabene artwork wirkt so richtig wohl nur in der auf 500 exemplare limitierten vinyl-edition, der cd spendierte man nämlich lediglich ein lausiges einlegeblatt. was aber eigentlich irrelevant ist. denn dieses bedrohlich leise, kosmische ungetüm übertrifft sogar jenes output an einzigartigkeit, was die (bei earth, burning witch und den sun city girls aktiven) bandmitglieder sonst zelebrieren. so nimmt man mit einer mischung aus angst und freude zur kenntnis, dass "totem one" den auftakt zu einer einer trilogie bildet... ps: dass timba harris von den secret chiefs 3 hier als gast erscheint, darf als endgültiger ritterschlag gewertet werden.

eine nummer kleiner fällt die ganze angelegenheit bei dem debüt von Nebra aus. entsprungen dem umfeld von the ocean kommt beispielsweise selbst das format im kleinen, wenngleich todschicken durchsichtigen 3" mini-cd-stil. doch auch das namedropping fällt überschaubarer aus: immerhin weiß dieses quartett teilhaber von knut und mumakil in seinen reihen. namen, die zumindest expliziten kennern der szene etwas sagen und die hier von weiteren experten unterstützt werden. so gerät "sky disc" (pelagic records) zu einem - übrigens rein instrumentalen - kleinod. nebenbei gesagt: bandname und titel der ep ergeben eine art wortspiel, nachzulesen in wikipedia bzw. auf der homepage der gleichnamigen stadt. vielleicht sollten nebra noch ein wenig an der vielfat ihrer kompositionen arbeiten - ein knackiger einstand gelingt ihnen hiermit allemal.

Montag, 6. April 2009

frühling. mit den harten in den garten

die dänischen thrasher Hatesphere wurden in den letzten monaten in ihren grundfesten erschüttert: das rotionskarussel hielt die gesamte belegschaft derart auf trab, dass schließlich sogar frontmann jacob bredahl herausgeschleudert wurde. und "To The Nines" (Napalm Records/SPV) im prinzip vom einzig verbleibenden gründungsmitglied, gitarrist peter lyse hansen, inszeniert wurde. dem gelang es aber entgegen allen befürchtungen, eine unbekannte - jedoch hochkarätige - mannschaft um sich zu scharen. so wird das gaspedal wieder anständig durchgetreten und in punkto riffing zeigt man sich ebenfalls von der effektivsten sorte. soweit ich das von der (mit voiceover penetrierten) promo-cd beurteilen kann, steckt man selbst den vorgänger "serpent smiles and killer eyes" mühelos in die tasche. vielleicht knüpft "To The Nines" sogar konsequenter an die eigene vergangenheit an, als der vorgänger. insofern: Hatesphese sind tot - lang lebe Hatesphere.

nach ihrem famosen deathwish-debüt legen Pulling Teeth nach. zwar nur in form einer ep. "Paradise Illusions Paranoid Delusions" (Deathwish Records) allerdings hat es in sich. nicht allein wegen der 25 minuten spielzeit sowie dem spaßigen artwork von jeff beckman. nein, Pulling Teeth wüten diesmal auch mit angezogener handbremse - und erhöhen so den zermalmfaktor ihrer (nichtsdetotrotz reichlich in hochgeschwindigkeit vorgetragenen) tracks nachhaltig. es dürften gerade die vorsichtig experimentierfreudigen, teil an black sabbath angelegten riff-/keyboard-massaker sein, die den sound der formation aus baltimore so einzigartig machen. zahlreiche düstere, apokalyptische momente leugnen jedoch niemals die musikalische herkunft der formation. allein, wenn doch einmal vergleiche gezogen werden müssen: spätestens mit dem titel-duo machen sie sich zur legitimen inkarnation von integrity - zu deren "system's overloaded" zeiten. bei aller vorsicht: das könnte die ep des jahres sein!

die tatsache, dass Soulgate's Dawn noch immer im windschatten von heaven shall burn durch die heimische metalcore-szene dümpeln, dürfte weniger mit ihrer (zugegeben nicht gerade innovativen) musik zu tun haben. vielmehr sind die herren aus jena trotz respektabler presseresonanzen und einem von mir innig geliebten debüt bei platte drei zeitgleich beim dritten label angekommen. bleibt also zu hoffen - und dies durchaus begründet - dass bastardized recordings in der lage sind, "Messiah" (Bastardized Recordings) nötige aufmerksamkeit zu verschaffen. schließlich zeigt man sich nicht nur wieder von der produktionstechnischen seite her absolut akurat, sondern überzeugt mit einem feinen gespühr für harmonien der skandinavischen schule. mir kommt "messiah" wie eine art metalcore-pendant der früheren dark tranquillity vor - was in jedem fall als kompliment zu verstehen ist! jetzt muss nur noch das letzte manko beseitigt werden: etwas mehr wiedererkennungswert würde soulgate's dawn endgültig zu einer relevanten band werden lassen!

Dienstag, 6. Januar 2009

us import, lohnend wie nie.

die weltwirtschaftskrise rockt. zumindest, wenn man wie ich im sozialen bereicht tätig ist und deswegen - zumindest vorerst - ausnahmsweise mal keine sorge um seinen job haben muss. und noch mehr, wenn man platten sammelt. denn auch wenn die cd-preise hier (noch) konstant bleiben, war dieses medium in den staaten schon immer ein wenig günstiger.
während ich diese zeilen schreibe, bekommt man den dollar aktuell für 0,74Euro. da wird die lust am stöbern in us-plattenshops zu einer echten alternative. selbst angesichts der nicht ganz geringen portokosten. zumal der frühere freibetrag von 22Euro nun auf 150euro für bestellungen auf dem postweg angehoben wurde.
grund genug also, sich näher mit der us-mailorderlandschaft zu beschäftigen. die natürlich aus weitaus mehr besteht als nur amazon.com. mittlerweile hat jedes halbwegs mittelgroße label einen eigenen onlinestore parat. mit denen man meistens nochmals deutlich günstiger fährt als mit marktführern a lá revhq oder dem victory records webstore. gerade kleinere companies haben vernünftige systeme entwickelt. dort kann man nicht nur lohnende packade-deals für neuveröffentlichungen an (z.b. die jeweils aktuelle platte samt merchpaket) finden - sondern trifft nicht selten noch auf persönlichen service. ganz zu schweigen, dass das geld (wenn schon nicht in die einheimische undergroundindustrie investiert) zumindest dort drüben in den richtigen hängen ankommt.
mit bridge9 habe ich kürzlich zum beispiel recht gute erfahrungen gemacht. und auch das angebot bei deathwish überzeugt. letzten endes würde ich aber empfehlen, tatsächlich das jeweilige label der entsprechenden neuveröffentlichung zu kontaktieren - und dabei gleich das restliche sortiment zu durchstöbern. longplayer sollten jedenfalls problemlos für umgerechnet weniger als 8Euro zu bekommen sein, zipper und hoodies für etwa 20Euro regulären neupreis.