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Dienstag, 26. März 2019

maulgruppe: tiere in tschernobyl. review

zugegeben: angesichts des covers habe ich kurz einen "neue deutsche härte"-schreck bekommen. doch zum gück umsonst: jens rachut und das majorlabel aus leipzig bleiben die verlässliche kombination für grenzsprengenden deutsch-(post-)punk, an deren lyrischer intrepretation man sich die gammeligen zähne ausbeißen kann. Maulgruppe lautet die neueste inkarnation, bei welcher rachut von musikern aus dem umfeld von yass, ten volt shock und kurt unterstützt wird. und wer das letzte schaffen der hamburger punklegende beobachtet hatte, der wird etwas beruhigt sein dass es nach engagements am theater und hörspiel nun wieder recht explizit auch musikalisch zur sache geht. ein wenig verwunderlich angesichts dieser tatsache vielleicht, dass der anteil an wave und elektro eher noch ausgedehnt wurde. "Tiere In Tschernobyl" (majorlabel/broken silence) enthält natürlich aber vor allen den charakteristischen sprechgesang, der dafür sorgt dass die 40 minuten sowohl an die vergangenheit a la oma hans, wie auch die gegenwart (kommando sonne-nmilch) als auch die referenzliste (turbostaat etc.) gemahnen. insofern lässt sich die abermals korrigierte stilistische ausrichtung vermutlich auch für die jünger der rachut'schen frühphase gut verdauern. und wenn nicht: unbequem zu sein, da bin ich mir sehr sicher, kümmert die Maulgruppe gar nicht...

Montag, 30. Mai 2016

ea80: licht (re-release lp+7"/cd). review

EA80 mag eine band für connaisseure sein. für jene, die im punk nicht nur die auf drei akkorden basierende hook suchen. bei denen gitarren außer riffs und melodischen soli noch ein eigenleben führen dürfen. deren horizont nicht bei drei minuten songs endet und die eine idee von joy division abseits von "love will tear us apart" haben. es macht also gar keinen sinn, in der breiten masse nach publikum zu suchen. aber selbst kenner haben es nicht leicht, lücken in der eigenen diskographie von ea80 zu schließen. wird zeit, das zu ändern. ganz akut mit dem rerelease einer der härtesten alben der tatsächlich nach wie vor aktiven band: "Licht" (major label) wurde 1989 von den musikern selbst veröffentlicht. und wieder einmal sorgen eddie und rob vom stilsicheren major label dafür, dass eine verschollene preziose der mönchenglattbacher zurück ins hier und jetzt geholt wird. den musikalische inhalt abseits der eingangs geschriebenen worte zu beschreiben, fällt mir schwer. fans der boxhamsters über das tätigkeitsfeld von jens rachut bis hin zu sonic youth (!) sei dieses album mit nachdruck nahegelegt. und trotz immer noch schlechtester informationslage zu ea80 unbedingt aufpassen, keines der anstehenden konzerte zu verpassen!
zum re-release: "Die CD kommt erstmals als standesgemäßes Digipack, in dem ein 8-seitiges Folder in Plakatform mit allen Texten steckt. Die Vinyledition kommt in einem fetten UV-lackierten 4-farbigen 350g Cover im Originalartwork mit allen Texten auf der Rückseite".

Montag, 5. Oktober 2015

freiburg: brief & siegel. review. clip. tour

der diskographie von Freiburg folgte nach dem 2011er debüt "high five zukunft" zwei jahre später die programmatische "aufbruch lp". in kürze steht mit "Brief & Siegel" (this charming man) das dritte werk in den läden (oder preorder hier). den freischwimmer von der sprichwörtlichen oma (hans) bzw. dem vielzitierten fixstern turbostaat besteht die band aus gütersloh 2015 immerhin. wenn auch weniger stilistisch, als durch ihr durchhaltevermögen bzw. qualität. die kryptisch-fragmentarischen texte, der rauhe sing-schrei-mix von jonas und auch die rhythmusarbeit lassen durchaus bekannte - aber eben auch liebgewonnene - erinnerungen an die jens rachut-jünger erwachen. nicht nur geographisch aber finden die zehn tracks eben weniger im norden statt. dank unterstützung von tobi neumann (duesenjaeger) aus osnabrück darf man endlich mal ganz ohne unangenehmen beigeschmack von einer "neuen deutschen mitte" sprechen. also gilt: alle anhänger hier (und im falle freiburg wohl auch andernorts) zitierter bands hören bitte mindestens rein. das münsteraner this charming man label jedenfalls empfiehlt sich einmal mehr als eines der geschmackssichersten adressen hierzulande.



Freiburg Tourdaten 2015
09. OKT / Münster, Gleis 22
10. OKT / Hannover, LKA
16. OKT / Weißenburg, AJZ
17. OKT / Nürnberg, Desi Kneipe
18. OKT / Saarlouis, UTOPIA
30. OKT / Rotenburg, Villa Rotenburg
31. OKT / Dortmund, fragt an!
20. NOV / Essen, Hotel Shanghai
21. NOV / Berlin, Cassiopeia
22. NOV / Marburg, Trauma im G-Werk

Donnerstag, 3. Juni 2010

arbeitsgruppe: "voran in die sonne"

verwirrung bleibt konzept: der opener "grunz-rauch" klingt nach einer dub-reggae schülerchoraufführung, die man vielleicht eher beim letzten longplayer "jamaica" erwartet hätte... der titel benennt den veröffentlichungszeitpunkt und die songtitel sind allesamt in griechischer schrift gehalten. ein zusammenhängender plan erschließt sich zumindest mir auch 2010 nicht. mit etwas fantasie vielleicht zu letzterer these: Kommando Sonne-Nmilch haben mit schlagzeuger alex tsitsigias (schrottgrenze) offenbar jemanden mit entsprechendem kulturellen hintergrund als nachfolger für stephan mahler gefunden. wie auch immer. "Pfingsten" (major label/broken silence) jedenfalls zeugt nicht nur aufgrund der feiertags-punktlandung von aktualität: im entstaunlich direkten "bubenglueck" rechnen jens rachut (jaja... oma hans, dackelblut, die ganze chose) und konsorten sowas von köstlich mit den gegenwärtigen skandal-katholiken ab, dass es einen pracht ist. "galgenbauer" dagegen knüpft an den hörspielprojekten der bandmitglieder an und bleibt eines von vielen beispielen, wie wichtig sängerin und schauspierin yvon jansen mittlerweile für den sound der band ist. da sie neben charismatiker rachut tatsächlich eine gleichberechtigte rolle einnimmt. und das soundrepertoire unter anderem dadurch weitaus mehr facetten kennt als nur punk.
im vorprogramm der captain planets' wußten sie die begeisterung nochmal zu untermauern, welche sich meinerseits beim debüt "kuddel" eingestellt hatte. und die vorfreude auf "Blinker" (zeitstrafe/cargo) war dementsprechend groß. nicht nur bei mir. Matula haben sich davon jedenfalls nicht beirren, sondern vielmehr großzügig zeit gelassen. doch keine sorge: für einen immer noch reichlich rauhen feinschliff wurde gesorgt. denn die merkmale des vorgängers sind allgegenwärtig: man könnte also wieder sagen, dass die songmuster oft ähnlich sind, man könnte die sonoren vocals von tobbe kritisieren... oder einfach eingestehen, dass sich hier im schatten diverser hamburg-bands etwas ganz besonderes entwickelt. vielleicht hört man die jawbreaker-einflüsse auf der bühne noch deutlicher heraus. aber matula haben ihre wurzeln im schattigen dickicht zwischen einem dischord-emoverständnis und jawbreaker-harmonielehre geschlagen. von daher: nicht nur sympathisch, sondern viel zu gut für ein nischendasein. nur hätten wir damals tatsächlich die wohnung in hammerbrook genommen, würde das urteil über die platte vielleicht etwas anders aussehen...

Dienstag, 6. April 2010

turbostaat & katzenstreik. deutschunterricht

album nummer vier der flensburger. und war der vorgänger stagnation auf hohem niveau, halten Turbostaat das steuerrad weiterhin unbeeindruckt auf den kurs, welcher vor jahren von jens rachut kartiert wurde. "Das Island Manöver" (same same but different/warner), ein weiteres mal von dickem warner-vertrieb und persönlicher labelbetreuung durch die beatsteaks-manager- bzw. uncle sallys-herausgeber-konnektion begleitet, macht natürlich abermals nicht den fehler, anbiedernd zu klingen. dafür sorgt schon der sound von moses schneider und gleich zu beginn das fiese "kussmal". dennoch klingt das dutzend live eingespielter songs eine spur nüchterner: trostlosigkeit ist die neue verzweiflung? das vorab veröffentlichte "pennen bei gluffke" mag mit seinem diskobeat und den vorsichtig geglätteten refrains anderes befürchten lassen, die gitarren in "urlaub auf fuhferden" hat man von turbostaat in dieser form auch noch nicht gehört... im kontext des albums fügen sich jedoch selbst diese stücke exzellent ein. am ende bleibt es wie es war: sperrigkeit, hitappeal und intensität werden hierzulande selten so rabiat zusammengebracht. außer bei - und der neuerliche vergleich mag die protagonisten noch so sehr nerven - oma hans bzw. deren vorgänger-/nachfolgerbands. aber statt noch weiter solche erbsen zu zählen freue ich mich lieber an dieser vereinnahmenden (und nebenbei: toll aufgemachten!) platte.

lange waren die weg... und nicht nur ich dürfte sie sehentlich vermisst haben. trotz eines verweigerungsalbums (gegen wen auch immer); so bezeichne ich "IIII" nun einfach mal. vielleicht waren das aufblitzen von hiphop und elektronika aber auch nur indiz dafür, dass in der musikalischen karriere wohl ein paar andere betätigunsfelder notwendig gewesen sind. und ortswechsel: göttingen - bristol - berlin - und zurück. Katzenstreik finden auf "Move" (unterm durchschnitt/broken silence) ihre alten stärken wieder. schon der opener prescht in melodischer hardcore-manier nach vorne; und findet in "change" kurz vor dem finale einen weiteren höhepunkt: so nah an der frühen n.y.h.c.-sschule waren die nie! die mischung aus englischen und deutschen texten funktioniert, die 14 tracks wirken wieder wesentlich homogener als beim vorgänger. wenig abgeklärte weltverbesserer sind und bleiben katzenstreik natürlich dennoch. woran man sich stören oder gar darüber amüsieren kann... bei mir bleibt respekt für genau den idealismus. und die leidenschaft in ihrer musik.