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Samstag, 16. Oktober 2010

lil waye, skyzoo & illmind: good cop, bad cop

wer dachte die krönung sinnentleerter lyrics im us-hiphop hätte sich in Lil Wayne gefunden, den belehrte drake in jüngster vergangenheit eines besseren. auf dem während des gefängnisaufenthaltes produzierten neuen werkes von mister dwayne michael carter junior, "I Am Not A Human Being" (island/universal), tritt drake nun desöfteren in erscheinung. gemeinsam perfektioniert man hierauf den sprechgesang gewordenen unsinn ("gonorrhea")... und überzeugt parallel doch wennschon nicht mit inhalten, sondern mit der darbietungsweise: beide protagonisten verfügen über einen bemerkenswerten "flow", der so manches manko - auch auf seiten der produktion - zu kaschieren verrmag. als wirklich relevant darf man die chose allerdings dennoch mitnichten bezeichnen...

nach einem streetalbum und diversen arbeiten mit unter anderem dj premier, little brother und sean price trat skyzoo im letzten jahr endlich samt seinem offiziellen debütalbum bei duck down bzw. deren ableger jamla in erscheinung. nun hat er sich nach einer kurzen kollabo auf dem vorgänger für ein ganzes album mit produzent illmind, der bereits für dr.dre, redman, scarface und evidence produzierte, zusammengetan. und ein hervorragendes old school new york-hiphop album inszeniert. als gäste sind sean price, rock (heltah skeltah), rhymefest und labelboss buckshot dabei. dass es Skyzoo & !llmind mit "Live From The Tape Deck" (duck down/groove attack) gelingt, phasenweise in die fußspuren eines dilla oder pete rock zu treten, verdeutlicht: den beiden steht eine glänzende zukunft bevor, für welche sie hiermit eine hervorragende basis geschaffen haben.

Samstag, 17. Juli 2010

rick ross & 15 years of duck down music. rapreviews

er verkörpert den miami-sound wie kaum ein anderer: Rick Ross präsentiert dem rap- und vor allem radiopublikum seinen dritten longplayer. und "Teflon Don" (def jam/universal) dürfte ein kommerzieller erfolg werden, dazu braucht es nicht viel prognosetalent. auch nicht für das feststellen der eigentlichen qualitäten des protagonisten. indirektes manko: seine körperliche fülle, mit der er zwar gern kokketiert, welche sich aber eben auch in einem trägen sprachfluss niederschlägt. und über die inhalt seiner lyrics wollen wir am besten gar nicht erst sprechen, denn die leeren worthülsen lassen weder verbale kniffe noch relevante aussagen erahnen. da enthält der plattentitel vergleichsweise noch am meisten witz... bleibt die frage, wie sich mister ro$$ für sein drittes album eine derartig hochkarätige gästeliste zusammenzimmern konnte? dass sich die übliche def jam-konnektion um jay-z, ne-yo und jadakiss die ehre geben muss, bleibt verständlich. eine an sich gehaltvolle künstlerin wie erykah badu allerdings wirkt reichlich deplatziert auf diesem gesamtwerk, dessen p diddy-feature noch am ehesten auf den musikalischen kontent schließen lässt. da helfen auch die namhaften produzenten nicht, welche allesamt nur stangenware abliefern: "teflon don" dürfte kaum dazu beitragen, den radiotauglichen gansta-rap aus seiner identitäts- und kreativitätskrise zu helfen. absoluter tiefpunkt: die gemeinsam mit raphael saadiq geträllerte gute-laune-ballade "all the money in the world". hilfe.

das von dru ha und buckshot gegründete new yorker hiphop label dagegen feiert einen in diesen zeiten durchaus bemerkenswerten anlass: "15 Years Of Duck Down Music" (duck down/groove attack) zelebriert eben jenes jubiläum anhand jeweils eines tracks aus jedem der jahre. wenig spektakulär möchte man meinen, doch weil man die fans via homepage die auswahl abstimmen ließ (deren wahl desöfteren auf die singleauskopplungen fiel), bleibt das ganze durchgehend kurzweilig. und interpreten wie buckshot & krs-one, die obligatorische boot camp clik oder deren vorsitzenden sean price bürgen ohnehine für qualität. oben drein gibt es zwei frühe songs von black moon und smif n wessun als bonustracks. schade nur, dass diese labelcompilation offenbar nicht zum ermäßigten preis ihren weg in die läden findet.

Donnerstag, 25. März 2010

3. album. mit: samy deluxe & kidz in the hall.

sein drittes wirkliches soloalbum war trotz einer enormen stilkorrketur ein erfolg auf ganzer linie: Samy Deluxe, welcher sich durch reichlich soziales engagement und präsenz im öffentlich-rechtlichen fernsehen ins bewusstsein auch abseits von hiphop-heads rief. mit "Dis Wo Ich Herkomm - Live" (emi music) gibt es nun quasi das komplette werk in einer live-adaption; ergänzt um zwei alte hits sowie einen mäßigen snoop dogg-remix. ähnlich jan delay zeigt der auf kampnagel gedrehte mitschnitt samy deluxe als frontmann einer "richtigen" band. welche den pop- und r'n'b-lastigen kompositionen trotz des mäßigen sounds ordentlich leben einhauchen und ausgezeichnet zu gesicht stehen. wer also die sozialpädagogische seite (selbstzitat) des hamburgers lieben gelernt hat, sollte die ohren aufsperren. und sich hier das making-of zur single "superheld" ansehen.


auch die Kidz In The Hall haben sich fest vorgenommen, nicht nur in ihrer heimat endlich ganz vorne mitzuspielen. dort jedenfalls soll ihr drittwerk "Land Of Make Believe" (duck down/groove attack) stattfinden. auch wenn es dem hörer einige kompromisse abverlangt, was hier zwischen hiphop der alten schule und airplay-zugeständnissen ("take over the world") passiert. die 15 tracks entstanden im klassischen duo line-up: produzent double-o kümmert sich um simpel-effektive beatgerüste, während mc naledge in der tradition eines nas oder redman seine verse droppt. begleitet von einer diesmal gar nicht so hochkarätigen riege an gästen (u.a. kid daytona, mc lyte odder der obligatorische just blaze) konzentriert man sich auf die eigene kreativität. mit der man in den staaten immerhin bereits diverse bestenlisten knackte; wenngleich sie nach wie vor nicht für die gesamte albumdistanz ausreicht. doch selbst unabhängig davon bleibt - abgesehen von der enorm nervigen vokoder-hookline von "flickin" - ein ziemlich formidables werk.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

bk-one with benzilla & skyzoo. rapreview

eigentlich machte BK-One bisher lediglich als dj und tourpartner von brother ali von sich reden. mit seinem debüt unter eigener flagge allerdings dürfte sich das ändern: "Radio Do Canibal" (rhymesayers/groove attack) wurde - mit unterstützung seines produzentenpartners benzilla - ein funkensprühendes feuerwerk zwischen brazilianischen folkelementen, exzellentem hiphop sowie dessen wurzeln: jazz, funk und vor allem soul kreieren das grundgerüst für die 19 tracks. schmutzige basslines treffen da auf mitsing-refrains und die vielleicht stärkste gästeliste seit dem nasa-longplayer. das doppel "the true & living" mit dem wiedererstarkten raekwon sowie i self devine bzw. die brother ali, ponte und the grouch (living legends) zusammenführung zum beispiel dürften zu den stärksten kollaborationen der letzten jahre zählen. auch namen wie slug (atmosphere) oder black thought (the roots) enttäuschen keineswegs. am ende aber bleibt es jedoch die konsequent geniale umsetzung der atmosphäre von bk-ones's südamerika-reisen, welche "radio do canibal" vom artwork bis zum sound zum leftfield-hiphop-highlight des jahres (neben mos def's rückkehr) machen. qualitätsrap mit einer sympathischen misachtung großer hooklines offenbart die neueste duck down-entdeckung: Skyzoo. nach einem nicht zuletzt aufgrund zahlreicher kollaborationen (u.a. talib kweli, epmd), einem mixtape sowie einer 9th wonder-zusammenarbeit beachteten einstieg kommt "The Salvation" (duck down/groove attack) gänzlich ohne gästeliste aus. überhaupt weiß der 26-jährige vor allem mit seinem überlegten flow zu gefallen, der dem von nasir jones nicht unähnlich klingt (...sowie auf einige seiner zitate zurückgreift). allenfalls die produktionen hätten eine spur mehr charakter oder wiedererkennungswert verdient - insbesondere, weil man von 9th wonder oder just blaze durchaus weiß, dass sie es besser könnten. immerhin schadet diese tatsache zu keiner sekunde dem zurückgelehnten vibe der 16 tracks. klar versucht sich hier jemand in die tradition jener zu stellen, die immer mehr über ihre vocals denn über ihre beats und instrumentals zu überzeugen versuchten. doch auch wenn die highlights des erwähnten nas in weiter entfernung scheinen - skyzoo darf sich zu den relevanteren newcomern des jahres zählen.

Samstag, 19. September 2009

raekwon vs. krs-one & buckshot. hiphopherbst

zwei gegen einen. das scheint auf den ersten blick nicht fair. zumal erstere veröffentlichung zurecht eines der ganz großen themen für duck down sein dürfte. verbindet vorliegende kollboration doch neben dem "vorsitzenden" der boot camp click einen der renommiertesten underground rapstars. KRS-One & Buckshot erfüllen damit quasi alle voraussetzungen, den großen wurf zu landen. noch dazu, weil sich die gästeliste von talib kweli bis mary j blige gleichermaßen exzellent ließt. so richtig vom hocker reißen mich die 14 tracks am ende des tages aber dennoch nicht. was entgegen meiner erwartung zum einen an krs-one liegt, dessen lines schon einmal überzeugender klangen. noch etwas mehr allerdings stört mich der affektierte hitanteil der produktionen - etwas mehr schmutz zwischen all den hooks hätte da, gerade ansichts der reibeisenstimme von krs-one, definitiv gut getan. denn jener kommt auf "Survival Skills" (duck down/groove attack) vor allen dingen von buckshot, dessen performance mir - ebenfalls unerwartet - ausgezeichnet gefällt. nicht zuletzt aufgrund einer feinen auswahl an produzenten deuten die daumen nach mehrfachem genuß des werkes dann aber doch noch knapp nach oben.
zum herausforderer. zugegeben: die veröffentlichungsflut des wu tang clans wird weiterhin zunehmend undurchschaubarer und unterliegt auch qualitativ bedenklichen schwankungen. dennoch: mit etwas mühe lassen sich aus dem kreativen kontext der new yorker rapinstitution noch immer hochkarätige tracks herausfiltern. Raekwon's nachfolgewerk zu seinem unbestrittenen klassiker wurde allerdings schon im vorfeld mit reichlich lorbeeren bedacht. und auch wenn ich die faszination des "chefs" erst mit verspätung für mich entdeckte, war ich vor dem einlegen des albums über die maßen aufgeregt. immerhin: die erleichterung kam häppchenweise. "Only Built 4 Cuban Linx... Pt. II" (icewater/soulfood) wird allem anschein nach zwar kein klassiker werden. aber die qualität des materials überzeugt beinahe komplett. gerade weil nicht der fehler gemacht wurde, nach raekwons' flauen vorgängern sein debüt 1:1 zu imitieren (okay, abgesehen vom üblen cover-abklatsch). es dürfte stattdessen der richtige weg gewesen sein, nicht den rza, sondern verschiedene produzenten an bord zu holen. worunter sich neben dem entbehrlichen dr. dre auch pete rock sowie die letzten werke von j dilla befinden. und am ende des knapp 80 minuten dennoch ein schlüssiges gesamtwerk entsteht. dessen qualitäten sich wie gesagt schleichend, aber nachhaltig entfalten. zumindest meine wenigkeit sieht die new yorker kung-fu-fanatiker nach "8 diagrams" und "chamber music" wieder klar im aufwind! was raekwon zum gewinner dieses, ähm, battles macht.

Dienstag, 12. Mai 2009

beats and beyond. reviews

schade eigentlich: "The Ultimate P" (modulor/groove attack) geht als best-of durch, wie man sie eigentlich nicht machen sollte. dabei liefert die bewegte karriere von Prodigy of Mobb Deep doch eine steilvorlage für ein umfassendes kompendium. diesem anspruch werden die beiden cd's, welche mühelos auch auf einen silberling gepasst hätten, leider nicht gerecht. stattdessen mischen sich unter die über 30 tracks einige geschickt eingestreute interview-sequenzen sowie mobb deep-material, welches zumeist jedoch im remix-format verteten ist. vor allem aber handelt es sich nicht um irgendwelche highlights, sondern offenbar um tracks, die von vormaligen prodigy-studiosessions übrig geblieben sind. immerhin: "the ultimate p" reiht so zumindest nicht nur beliebige standards aneinander, sondern gefällt als ziemlich gelungener mix. auch die zahlreichen features sorgen für kurzweile, selbst wenn von dem "golden age" - den anfangstagen des mc's - nicht viel übrig bleibt. verstehen wir uns nicht falsch: die zusammenstellung liefert immer noch guten, abwechslungsreich inszenierten hiphop. nur die lieblose umsetzung - gerade was das äußere angeht (vgl. zum beispiel das quasi nicht vorhandene booklet) - kostet immens punkte, besser: credits - die der momentan im gefängnis sitzende rapper dringend nötig hätte.
zusammen mit mc tek repräsentiert General Steele normalerweise das rap-duo smif'n'wessun. auf "Welcome To Bucktown" (duck down/groove attack) liefert er - quasi als nachschub zu deren etwas dürftigen letzten album - eine art "themen-mixtape". bucktown, seinem synonym für brooklyn, widmet er quasi ein konzeptalbum und gründet dazu noch den gleichnamigen ableger zum heimatlabel duck down. und all dieses namedropping lässt sich trefflich fortsetzen: so geben sich neben der boot camp clik noch mehr als zwei handvoll weitere interpreten aus der lebhaften new yorker underground-rapszene den einstand. die musik gefällt mit reichlich zitaten, mehr aber noch gewinnen die 14 tracks durch ausgewählte samples und ein artwork, das den blaxploitation-film "bucktown" (sic!) huldigt. die leider ziemlich zahmen produktionen stammen von alten bekannten da beatminerz (of black moon), dj revolution sowie ayatollah - und gehen in ordnung. alles in allem kein meisterwerk, im vergleich zu den letzten (schwächeren) duck down-releases aber ein deutlicher fortschritt. etwas aus der rolle fällt in diesem zusammenhang das album von The Revolution. unter der regie verschiedener kollaborateure entstand ein dutzend songs, welches ganz bewusst die kubanische musikszene jenseits von buena vista repräsentiert. "Revolution" (rapster rec./k7/alive) verbirgt deshalb nur zur einen hälfte namhafte produzenten - das projekt vervollständigt sich erst durch die zusammenarbeit mit der dortigen szene. gepusht wird das resultat nicht allein durch deren aushängeschilder orishas. neben zahlreichen unbekannten glänzt der lateinamerikanisch infizierte mix aus breakbeat, pop und hiphop-elementen durch gastauftritte von roisin murphy (ex-moloko) bis hin zu norman cook alias fatboy slim. jene tarnen die folkloristischen wurzeln zugegebenermaßen reichlich massentauglich - mit dem konsensversprechenden ergebnis, ein durch und durch sommer-/partykompatibles werk geschaffen zu haben. "yellow moon" stellt somit nur eine von zahlreichen potentiellen auskopplungen vor, welche in den bevorstehenden heißen monate hoffentlich nicht nur die clubs, sondern auch das bewusstsein für zeitgenössische popmusik aus kuba aufwirbeln.