Sonntag, 11. April 2010

hip hop academy hamburg. projektvorstellung

neben all dem üblen tv-casting-wahn startet in diesen tagen erneut ein unterstützenswertes projekt: die Hip Hop Academy Hamburg veröffentlicht mit "Kopfkino" (mellowvibes media) bereits zum zweiten mal ihre ton gewordenen ergebnisse. in diesem fall bedeutet das eine beachtenswerte mischung aus sampler und konzeptalbum. die von der akademie geförderten rapper rimo, cemo, t.u.n.e., jay pi und evq entwickelten unter der begleitung durch u.a. spax, sleepwalker und mirko machine insgesamt 16 tracks. an diesen namen lässt sich wohl schon ablesen, dass es sich bei dem von der stadt hamburg unterstützen projekt nicht um peanuts handelt. die stets von melodischen instrumentals unterlegte bandbreite aus conscious- oder battle-rap und storytelling geht tatsächlich überwiegend auf und lässt zweifellos potentiale erkennen - womit der zweck nachhaltig erfüllt wäre. weitere infos zu den folgenden battle terminen sowie bezugsmöglichkeiten für die cd bekommt ihr durch klick auf das plakat oder unter oben genannter internetadresse.

Freitag, 9. April 2010

medications & pttrns. postrock, transatlantisch

nach einer imposanten ep und dem tollen albumdebüt "your favorite people all in one place" hat dieses hochkarätige dischord-signing nach fünf jahren wartezeit (!) seinen neuen longplayer fertiggestellt. und wer das vorübergehend geschrumpfte trio aus (natürlich...) washington dc vielleicht schon auf der "burn to shine" dvd gesehen hat, der weiß, mit welcher intensität Medications zur sache gehen. zwischen treibend, verkopft und harmonisch gibt man seinen post-rock-elegien zwar genügend zeit und raum, sich zu entfalten. dennoch gelingt es den ehemaligen faraquet und smart went crazy mitgliedern, ihr material durchgehend auf den punkt zu steuern. die neuerdings auf dreiminutenformat komprimierten tracks pendeln dabei zwischen subtil vertrackt und gelegentlich ausufernd, sind jedoch zu weiten teilen ebenso dynamisch wie melodisch inszeniert. nach nur ein paar durchläufen kristallisieren sich erste highlights heraus, doch darüber hinaus bestechen medications mit einer hohen halbwertszeit. hier gibt es auch nach dem zehnten kontakt noch spannende details (insbesondere in der rhythmusarbeit) zu entdecken. leider muss diesmal auf eine inner ear production verzichtet werden, was dem ohnehin etwas moderaterem material jedoch nicht schadet. die elf tracks atmen die spielfreude der beteiligten, und wenn daraus - wie in "seasons" - funkensprühende hits zwischen jawbox und fugazi entstehen, möchte man dem label von ian mackaye einmal mehr zu seinem durchhaltevermögen in diesen schweren zeiten gratulieren. fazit: "Completely Removed" (dischord/alive) ist trotz seines schlichten äußeren ein hochkomplexes album geworden, bei dem es den protagonisten gelingt, niemals den songfluss aus den augen zu verlieren und so ein enorm wertiges stück musik zu veröffentlichen.
die famose patterns/falcon five-kollaboration auf der gemeinsamen split blieb mir in großartiger erinnerung - gerade weil bei diesem format sonst oft der eindruck entsteht, es würde mit songresten gehandelt. nun also das debütalbum ersterer, die sich zu diesem anlass noch griffiger in PTTRNS umbenannt haben. und wesentlich griffiger klingt auch ihre musik auf "Science Piñata" (altin village/mine records/cargo). viel von der explosiven energie der vergangenheit kanalisierte das an den instrumenten rotierende trio in geordnetere songs... samt beachtlichem dance-appeal. q and not u fallen da sogleich als referenz ein; doch in dieser nische stecken längst viele weitere bands. die pttrns klingen passend dazu insgesamt ein gutes stückchen professioneller; leider aber auch beliebiger. dafür entschädigen selbst das phänomenal-schlichte artwork sowie der guido lucas-sound nicht ganz. am ende bleibt ein zwar gelungenes album; für mich jedoch auch der beigeschmack einer vertanen chance, noch deutlichere spuren zu hinterlassen.

Donnerstag, 8. April 2010

dulce pontes. jubiläumsdoppel

anlässlich ihrer 20-jährige karriere spendiert die plattenfirma von Dulce Pontes eine jubiläumsveröffentlichung. mit "Momentos" (galileo music) sollen auch fans abseits der portugiesischen/folklore-szene auf das schaffen der 40-jährigen sängerin und komponistin. was angesichts des konzeptes durchaus möglich scheint: immerhin handelt es sich um eine doppel-cd, wovon die zweite mit ein paar duetten ohnehin international ausgerichtet wirkt. tief verwurzelt in den exaltierten gefühlsausbrüchen des fado blickt die künstlerin immerhin zeit ihrer karriere zu gern über den tellerrand hinaus. zum beispiel durch filmmusik ("cancao do mar"), einer beinahe verjährten eurovision-beteiligung sowie dem duett mit jose carreras. das begleitbooklet kommt inklusive englischer übersetzungen der lyrics und dem ungewöhnlichen reiz der brillant inszenierten vocalsperformances kann man sich auch als westeuropäer schwerlich entziehen. schade nur, dass die reine spielzeit der beiden cd's noch platz für viel mehr als nur 17 songs gelassen hätte.
als einstimmung hier der clip zu pontes' "fado português":

Dienstag, 6. April 2010

turbostaat & katzenstreik. deutschunterricht

album nummer vier der flensburger. und war der vorgänger stagnation auf hohem niveau, halten Turbostaat das steuerrad weiterhin unbeeindruckt auf den kurs, welcher vor jahren von jens rachut kartiert wurde. "Das Island Manöver" (same same but different/warner), ein weiteres mal von dickem warner-vertrieb und persönlicher labelbetreuung durch die beatsteaks-manager- bzw. uncle sallys-herausgeber-konnektion begleitet, macht natürlich abermals nicht den fehler, anbiedernd zu klingen. dafür sorgt schon der sound von moses schneider und gleich zu beginn das fiese "kussmal". dennoch klingt das dutzend live eingespielter songs eine spur nüchterner: trostlosigkeit ist die neue verzweiflung? das vorab veröffentlichte "pennen bei gluffke" mag mit seinem diskobeat und den vorsichtig geglätteten refrains anderes befürchten lassen, die gitarren in "urlaub auf fuhferden" hat man von turbostaat in dieser form auch noch nicht gehört... im kontext des albums fügen sich jedoch selbst diese stücke exzellent ein. am ende bleibt es wie es war: sperrigkeit, hitappeal und intensität werden hierzulande selten so rabiat zusammengebracht. außer bei - und der neuerliche vergleich mag die protagonisten noch so sehr nerven - oma hans bzw. deren vorgänger-/nachfolgerbands. aber statt noch weiter solche erbsen zu zählen freue ich mich lieber an dieser vereinnahmenden (und nebenbei: toll aufgemachten!) platte.

lange waren die weg... und nicht nur ich dürfte sie sehentlich vermisst haben. trotz eines verweigerungsalbums (gegen wen auch immer); so bezeichne ich "IIII" nun einfach mal. vielleicht waren das aufblitzen von hiphop und elektronika aber auch nur indiz dafür, dass in der musikalischen karriere wohl ein paar andere betätigunsfelder notwendig gewesen sind. und ortswechsel: göttingen - bristol - berlin - und zurück. Katzenstreik finden auf "Move" (unterm durchschnitt/broken silence) ihre alten stärken wieder. schon der opener prescht in melodischer hardcore-manier nach vorne; und findet in "change" kurz vor dem finale einen weiteren höhepunkt: so nah an der frühen n.y.h.c.-sschule waren die nie! die mischung aus englischen und deutschen texten funktioniert, die 14 tracks wirken wieder wesentlich homogener als beim vorgänger. wenig abgeklärte weltverbesserer sind und bleiben katzenstreik natürlich dennoch. woran man sich stören oder gar darüber amüsieren kann... bei mir bleibt respekt für genau den idealismus. und die leidenschaft in ihrer musik.

Montag, 5. April 2010

mgmt, evelyn evelyn. da schau her

in unserer hinweisreihe auf sehenswerte videoclips diesmal zwei alben aus dem sony-kontext. und zwei mittelgroßen überraschungen. zum beispiel, weil MGMT den ausufernden popcharakter ihres 2008er debüts nicht in die verlängerung schicken. sondern sich auf "Congratulations" (sony music) als analoge soundfetischisten entpuppen. und mit sonic boom (spaceman 3) einen fanatischen unterstützer dieser leidenschaft gefunden haben. das duo driftet demzufolge noch tiefer in psychedelica-gefilde ab. dennoch... die lediglich neun songs entfalten gleichermaßen einen besonderen sog auf die hörer. allein dem radiopublikum wird es vielleicht etwas schwerer gemacht. aber was wiegt diese tatsache angesichts eines in sich schlüssigen gesamtkunstwerkes?
videoclip: mgmt "flash delirium"


und weiter geht es mit einer geschmacklosigkeit. oder wie soll man das projekt von amanda palmer (dresden dolls) sowie jason webley anderweitig bezeichnen? immerhin handelt es sich bei
Evelyn Evelyn um eineiige siamesische zwillinge bzw. deren dramatische geschichte. oder auch: was sich frau palmer dazu erdichtet hat. denn das ganze ansinnen entpuppt sich als rein fiktiv - und "Evelyn Evelyn" (megaforce/neo/sony) bleibt über weite teile eher als hörspiel zu verstehen. immerhin: die handvoll songs, welche unter anderem von tegan & sara vorgetragen werden, klingen durchaus charmant.
videoclip: jason webley & amanda palmer "elephant elephant"

Sonntag, 4. April 2010

emit bloch & lonely drifter karen. in der zitathölle

was promoschreiben können, können wir schon lange. willkommen in meiner neuen rubrik "in der zitathölle". hier lest ihr auszüge anderer meinungen aus dem internet, ob qualifiziert oder nicht. und jeweils ein kurzes finale von sellfish.de/bmusic. jenes natürlich qualifiziert...

los geht's mit Emit Bloch und seinem
"Dictaphones Vol. 1" (idot/one little indian). einen eindruck der soundqualität gibt es bei musicomh.com: "(...) You should be prepared for at least one or two moments of bad recording that will have you cursing the frequencies in your headphones - if there is one fault it's that a couple of the tracks could probably have done with a second take for the sake of getting some better recording levels. But this is a small complaint, since the warts 'n' all approach is so winsome and it seems to fit Bloch's fun folk outlook like a glove. (...)". richtig böse dagegen wird The 405: "This isn’t a terrible album, it’s just a giant misstep and sounds so damn forced. Overall, this is just such an exceedingly “meh” album, so bland and mediocre to dull that it can only be a below average offering that rounds out to average. Let the hate begin." in den kommentaren darunter übrigens gleich eine stellungnahme von herrn bloch persönlich... das west end extra dagegen kührt das album zur platte der woche: "Americana is everywhere now but none so raw as this, and quite possibly the better for it." sellfish.de/bmusic meint: "emit bloch kokketiert damit, die aufnahmen mit gerade einmal sechs pfund verwirklicht zu haben. seine songs funktionieren unabhängig davon ganz gut... aber auch, weil er sich in dieser hinsicht eher auf konventionellem terrain bewegt".

über das zweite album von Lonely Drifter Karen schreibt das österreichische the gap-magazin: "Ausgestattet mit einer großen Lust, ihre Songs instrumental vielfältig zu gestalten, greifen die drei auch zu allerlei Holz-, Blechblas- und Perkussionsinstrumenten, Glocken, Klavieren und Orgeln. Das ergibt ein facettenreiches, zeitloses Album der Weltenbummler." wofür es dann dreieinhalb von fünf sternen gibt. das mit dem österreichischen medium passt übrigens - immerhin stammt die sängerin des international besetzten trios dorther. die publishing agentur strictly confidental verfällt natürlich in euphorie: "Fall Of Spring is a work of beautiful light and shade, of seasonal drifts and colourful contrasts, with the band's already broad musical palette enriched by brass/woodwind arrangements, tremolo-soaked electric guitars, pedal steel, inventive percussive textures and a thrilling new-found taste for rocking out!" ein interessanterer aspekt kommt da schon vom wiener falter-magazin: "Am meisten Zuspruch finden Lonely Drifter Karen bisher in Frankreich. Fast fühle es sich so an, als habe das Land ihre Band adoptiert, sagt die Sängerin. „Im deutschsprachigen Raum gibt es bei alternativer Musik immer den Anspruch, dass es irgendwie rau klingt. Unser Debüt war dafür wohl etwas zu romantisch und naiv. In Frankreich gibt es eine ganz andere Tradition. Man weiß dort seit Serge Gainsbourg, dass alternativer Pop auch anders klingen kann.“
sellfish.de/bmusic meint zu "Fall Of Spring" (crammed discs/indigo): spätestens wenn es im letzten track "seed" ein duett mit emily jane white zu hören gibt wird klar, dass das zweitwerk der weltenbummler zwar nicht immer über die maßen begeistert, jedoch durchgehend ebenso stilvoll wie augenzwinkernd gerät.

Freitag, 2. April 2010

red sparowes: the fear is excruciating. review

conspiracy records haben sich in den letzten jahren zu einer festen größe für anhänger solcher genres wie ambient, postcore, drone, sludge oder experimental-musik entwickelt. ihre interpreten bieten allesamt sicherlich keine leichte kost, sind jedoch unbedingt eine entdeckung wert. das gilt auch für das dritte album der Red Sparowes... ihrem debüt für das belgische label. beim folgewerk zum famosen "every red heart shines toward the red sun" hat man es nun quasi wieder mit einem kleinen allstar-projekt zu tun. die fünf musiker hinter "The Fear Is Excruciating, But Therein Lies The Answer" (conspiracy records/cargo) rekrutieren sich nämlich unter anderem aus mitgliedern von neurosis, pleasure forever, made out of barbies oder isis. und diese information ermöglicht auch schon zumindest eine ungefähre einordnung des sounds dieser acht überlangen kompositionen. dabei gehen die red sparowes jedoch noch deutlich melodischer zu werke als ihre ursprungsbands. weniger dynamisch bzw. rockig klingen die songs, die sich stattdessen allesamt in einem konstanten fluss zu befinden scheinen und so eine sehr eigene, fesselnde atmosphäre kreieren. besonders durch den einsatz akustischer instrumente und vieler ruhiger, sehr sphärischer momente wirkt das material immer wieder überraschend zugänglich. diese formation benötigt für ihre musikalische tiefe nur selten die klassische "wall of sound". vocals wurden bisher ohnehin nur sehr sporadisch und teilweise wie instrumente eingesetzt; diesmal kommen sie gar nicht mehr zum tragen. der konzeptionelle zusammenhang erschließt sich nur noch aus den songtiteln... die auch aneinander gereiht gelesen werden können. fazit: wer auf bands wie godspeed you! black emperor, mono oder mogwai steht, der muss sich auf dieses album einlassen.