Donnerstag, 11. März 2010

jazz pop & dance. get up & dance

eine schiere ewigkeit hat es gedauert, bis sich das italienische produzentenduo endlich zur fertigstellung seines debütlongplayers durchringen konnte. doch - meine güte - hat sich das warten gelohnt! die Crookers setzen mit "Tons Of Friends" (ministry of sound/warner) da an, wo dizzee rascal im letzten jahr mit seiner kurskorrektur aufgehört hat: mit einem völlig überdrehten mash up aus hiphop, dance und indiepop, dem sich als verbindendes element allenfalls die dem grime oder breakbeat entliehenen stolpersteine in den instrumentals zuordnen lassen. adäquat zu dem extrem tanzbaren durcheinander ist die sich zu den 20 tracks (!) gesellende, phänomenale 25-köpfige gästeliste (!!). welche sich von soulwax, spank rock, kelis oder den an sich unerträglichen pitbull erstreckt. hervozuheben natürlich die immer großartige roisin murphy; die sich mit gleich zwei songs nicht nur perfekt ins raster fügt, sondern dank "royal t" einen ihrer besten tracks seit moloko an den start bringt. was mich insgesamt zu einem frenetischen fazit bringt: denn das hier ist ohne frage das beste über ministry of sound-erschienene album seit robyn!
ein best of-album einer formation, die spätestens seit ihres begnadeten werkes "waltz for koop" auch bei uns bekannt sein dürfte: das duo Koop aus skandinavien. ihre "Coup De Grace" (playground/edel) betitelte zusammenstellung fasst das prinzip ihrer vier nicht nur in der heimat sehr erfolgreichen alben zusammen: musik auf der basis von samples zu erschaffen. in zwölf songs, die untermauern, warum oscar simonsson und magnus zingmark seither gefragte produzenten für die werbe- und tv-industrie (unter anderem für einen coca cola spot) waren. fusioniert sich in ihrem sound doch eine künstlerische herangehensweise mit dem anspruch, auch als hintergrundmusik mit niveau degradiert werden zu dürfen. unbedingt bemerkenswert natürlich die gästeliste: von der wunderbaren ane brun über earl zinger hin zu diversen jazz-chanteusen wird tatkräftig geholfen, den kompositionen passende i-tüpfelchen zu verleihen. das wichtigste aber: statt nervig unterkühlter nu-jazz/chillout-standards trifft man bei koop jederzeit auf überraschend organische, wohltuende songs. ein akustisches verwöhnprogramm also, dem man durchaus auch einen "gute-laune-faktor" attestieren kann.

und weil derartige musik auf diesen seiten (zu) oft deplaziert wirkt, an dieser stelle doch noch der eindringliche hinweis auf eine junge künstlerin namens Carmen Souza. auf derem tollen neuen album "Protegid" (galileo mc) mischen sich ihre afrikanischen und kapverdianischen wurzeln zu einem sound zwischen folk, latin und vor allem jazz. der mulitkulturelle ansatz spiegelt sich konsequenterweise selbst im aufnahmeverfahren wieder: ein mobiles studio sorgte dafür, dass das dutzend songs in new york, paris, lissabon, toronto und vielen weiteren stationen eingespielt werden konnte. das ergebnis wird um eine coverversion von horace silvers „song for my father" ergänzt. in szene gesetzt von bassist und kompositionspartner theo pas´cal klingt das material am ende ziemlich genau nach den lauen sommerabenden, nach welchen ich mich gerade so sehr sehne.

Mittwoch, 10. März 2010

lou rhodes: one good thing. review

bei lamb flickte sie mit ihrer stimme die komplexen soundfrickeleien von partner andy barlow zu ergreifenden triphop rohdiamanten zusammen. auf eigenen beinen steht sie überraschend fest auf dem fundament handgemachter popmusik: Lou Rhodes wird mit ihrem dritten alleingang anhänger der eigenen vergangenheit dennoch - zumindest partiell - wieder vor den kopf stoßen. und neue dazugewinnen. nicht nur (wie mich) durch eine unglaublich vereinnahmende live-präsenz. denn wo einerseits folk- und singer-songwriter-wurzeln immer mehr in den mittelpunkt drängen, sorgt die stimmliche präsenz der engländerin für wiedererkennungswert und ein beinahe anachronistisches wohlgefühl. doch können die kompositionen, jeglichen knarrenden beats und verschlungenen special effects beraubt, überhaupt bestehen? der erste eindruck von "One Good Thing" (motion audio/ninja tune/rough trade) lässt den hörer indifferent zurück: große harmonielinien kann man auf anhieb ebenso wenig ausmachen, wie auch nur ein unterschwellig zuckendes tanzbein. und zumindest in letzterem fall scheint tatsächlich alles gesagt zu sein. diese elf songs funktionieren subtiler. weshalb sie dem leben der sängerin wohl am ehrlichsten rechnung tragen: rhodes zog mit ihren kindern von der industriemetropole manchester hinaus auf das land. die neu gefundene ruhe, reflektiertheit und besinnlichkeit strahlen jene kompositionen nun aus. und zelebrieren so schlichte wie ehrliche herzensangelegenheiten der sängerin. ohne zugeständnisse an kitsch, ohne sich hinter einem gerüst elektronischer patterns zu verstecken. und wenn partner andy barlow wieder in erscheinung tritt, dann lediglich um in diesem fall analoge kompositionen ins rechte licht zu rücken. und er tut dies besonders gut, wenn die zerbrechlichen zeilen rhodes durch sporadisch aufbrausende eskapaden durchbrochen werden.

Montag, 8. März 2010

jimi hendrix. re-releases & neues album

die größe des nachlasses von Jimi Hendrix überrascht nicht nur, sie klingt angesichts der wenigen lebensjahres des protagonisten regelrecht besorgniserregend: mit "Valleys Of Neptune" (sony music) erscheint 40 jahre nach seinem tod tatsächlich ein komplett unveröffentlichtes studioalbum. dessen tracks über das jahr 1969 hin eingespielt wurden und zur hälfte leider lediglich einige variantionen bekannter standards enthalten.
im rahmen des zeitgleich erfolgenden wechsels des jimi hendrix katalogs zu sony music wird dieser in zwei etappen (märz und september 2010) ein weiteres mal wiederveröffentlicht. zeitgleich wird es jeweils neue auflagen geben. seit 5. märz gibt es neben „valleys of neptune“ folgende Werke der jimi hendrix experience:
  • Are You Experienced? (inkl. Bonus-DVD mit Dokumentation zum Album)
  • Axis: Bold As Love (inkl. Bonus-DVD mit Dokumentation zum Album)
  • Electric Ladyland (inkl. Bonus-DVD mit Dokumentation zum Album)
  • Band Of Gypsys
  • First Rays Of The New Rising Sun
  • Experience Hendrix: The Best Of Jimi Hendrix
  • Smash Hits
  • Live At Woodstock DVD/Blu-Ray
ein zehnminütiges making-of zum album gibt es hier zu sehen:

Sonntag, 7. März 2010

close your eyes & forgettoforgive. hcXreviews

die jungspunde Close Your Eyes gehören zu den neuesten victory-records-signings. mit einem derartigen label im rücken, welches in den usa ja schon major-charakter hat, könnte nach nur einer ep nun ein echter durchbruch gelingen. und das, obwohl sich ihr sound am klassischen hardcore anlehnt. stretch arm strong beispielsweise dürfen als passende referenz dienen, wenngleich die amis gleichermaßen gefälliger wie auch gefährlicher klingen können. elf songs in 40 minuten zeugen allerdings davon, dass man im vergleich zum ursprünglichen genre beinahe schon epischer, manchmal übrigens auch metallastiger klingt. der haken dabei: "We Will Overcome" (victory records/soulfood) hätte ein mindestens richtig gutes album werden können. denn insbesondere dann, wenn neben den melodischen strophen und refrains das aggressivitätslevel angehoben wird, präsentiert sich das potential der fünf recht eindrucksvoll. mehrere wenig packende, allzu belanglos-harmonische parts entpuppen sich nach einiger zeit jedoch als füllmaterial. in einer für meine begriffe etwas zu klinischen bombast-produktion (a lá der kollegen von a day to remember) klingen close your eyes darüberhinaus eine ganze spur zu glattpoliert. mit zahlreichen botschaften der bibel im booklet und den gottesfürchtigen credits disqualifiziert man sich schließlich (...evtl. lediglich nur für mich persönlich). objektiv gesehen allerdings haben wir es angesichts des zustands von victory records 2010 aber so oder so mit einem sehr starken album zu tun!

nur die harten kommen in den garten... nur die kreischer werden schweisser... durch grunzen kann man songs verhunzen... hmm, zunächst ein großes "entschuldigung!" für diese dada/gaga-einleitung! doch Forgettoforgive machen es einem aber wirklich nicht leicht, das eigene hirn in bewegung zu setzen. die niederländer springen nämlich mit geradezu unangenehmer penetranz auf den zug auf, den bands wie emmure, suicide silence oder job for a cowboy - durchaus auch kommerziell - ins rollen gebracht haben. "A Product Of Dissecting Minds" (gsr music/cargo) hat sich demzufolge dem sogenannten deathcore verschrieben. soll heißen: vertrackte instrumentalarbeit, halsbrecherische breaks und unterirdische growls, gepackt in knackig-kurze tracks. das ganze handwerklich zwar nicht schlecht gemacht, jedoch trotz (!) des genrekonzepts ohne jegliche überraschungen oder gar individuelle töne. ganz schlimm wird es in den paar momenten, in welchen cleane emo-vocals das gehackstückel mit pathos-refrains aufwerten sollen. tut mir leid - gsr music sind in meinem ansehen in letzter zeit stetig gewachsen. mit dieser zweitklassige kopie einst durchaus spanndender vorbilder hat man sich allerdings keinen gefallen getan.

Donnerstag, 4. März 2010

adolar & guts pie earshot. unabhängiges berlin

guten morgen berlin, du kannst so hässlich sein... man spricht von einer puslierenden metropole; aber nicht (mehr) unbedingt dann, wenn es um indiesound geht. dabei tummeln sich auf den straßen von berlin neben hiphop (auf deutsch) und pop (auf deutsch) nach wie vor bands, die sich mit engeren rastern ungern zufriedengeben und ihren bekanntheitsradius auf splittergruppen beschränken. bei der internetsuche nach Adolar beispielsweise stößt man zunächst auf die siebziger jahre zeichentrick-serie. unter einem stapel seven inches findet sich dann in der eigenen plattensammlung plötzlich eine gar nicht so alte ep. da war doch was... und da wird noch einiges werden! mit ihrem debütalbum "Schwörende Seen, Ihr Schicksalsjahre!" (unterm durchschnitt/alive) haben die berliner/leipziger nämlich ein musikalisch zwar etwas forderndes, jedoch mitreißendes statement gesetzt. große hooklines (drama! pop!!) und haufenweise stolpersteine (breaks! screams!!) ergeben zehn songs für die dauerrotation. bei welcher sich dann lediglich ein kritikpunkt herauskristallisiert. nämlich die tatsache, dass die teils sehr pathetischen texte der entwaffnend dynamischen musik nicht ganz gerecht werden. denn genau an dieser stelle bleiben adolar in der "emo"-schublade hängen. was nicht verhindern können soll und wird, dass sie sich aus dem vorprogramm von captain planet in die erste reihe der besonderen bands auf unterm durchschnitt etablieren können.

mit dem ursprünglich im jahr 2005 aufgenommenen und zwei jahre später nur auf vinyl erschienenen "Chapter Two, Volume Two" (major label/broken silence) rappeln sich Guts Pie Earshot ein weiteres mal auf. nach diversen wiederbegegnungen mit ex-sängerin anneke nahm man sich nun dem altbekannten material an... und goß es dann durch geschickte knöpfchendreherei und kreativen austausch doch in die gegenwärtige, eigenwillige form der nach wie vor als duo agierenden ausnahmeband.das einstige doppelalbum wird dabei auf die essenz heruntergebrochen: in acht tracks fusionieren sich auf der basis von cello und schlagzeug drum'n'bass, hardcore, orientalische momente plus punk zu einer treibenden tanzaufforderung. mit ausrufezeichen! was auch für das politische engagement von g.p.e. gilt. und wer das ganze für eine reine fanveröffentlichung hält, sollte bei den lohnenden konzerten die augen offenhalten: mit "give away" (major label mailorder) kann man exklusiv dort sowie im major label-mailorder eine weitere zusammenstellung von kollaborationen, nebenprojekten und interpretationen erstehen. der bunte stil-(molotov-)cocktail bleibt auch im 18. jahr des bandbestehens prägend.

Mittwoch, 3. März 2010

tamikrest: adagh. review

lange war ich auf ein debüt nicht mehr so gespannt wie auf dieses. glitterhouse selbst sprachen im vorfeld von ihrer wichtigsten veröffentlichung seit 16 horsepower. und spätestens da werde ich bekanntermaßen hellhörig. wenngleich das stilistische wie geographische terrain völlig abseits liegt. so haben wir es hier tatsächlich mit wüstenblues aus der sahara zu tun; quasi einer afrikanische antwort auf den amerikana-sound. konkreter: Tamikrest stammen aus dem norden des sudanesischen landes mali. angeführt wird die achtköpfige band von sänger und songwriter ousmane ag mossa. dessen gesellschaftspolitisch motivierte texte nur eine besonderheit ihres debüts "Adagh" (glitterhouse/indigo) darstellen. produziert von walkabout-gitarrist chris eckman dürfte die musik zentraleuropäische hörgewohnheiten zumindest provozieren: die mischung aus westlichen rock-referenzen bei einer klaren dominanz einheimischer folklore-elemente klingt zunächst ungewöhnlich. doch schon nach dem dritten, vierten hördurchgang bin ich den hypnotischen rhythmen, dem ungewöhnlichen gitarrenspiel und den afrikanischen gesängen verfallen. die (mir vorher dennoch nicht bekannten) tinariwen mögen die aufmerksamkeit der medien innehaben: der deutlich schroffere "touareg rebel blues" von tamikrest dürfte dabei nicht nur mich als 16hp-freund in den bann ziehen. und man darf gespannt sein, wie sich ihr einfluss auf das in mali aufgenommene und gemeinsam eingespielte zweitwerk der bislang eher unspektakulären labelmates von dirtmusic (ebenfalls inklusive chris eckman sowie hugo race) auswirkt.

Montag, 1. März 2010

bloodlights & streetwaves. rock nord

captain poon steuerte nur kurze zeit ohne raumschiff durch die galaxie: nach 15 jahren gluecifer geht es nun zum zweiten mal mit der besatzung seiner aktuellen formation Bloodlights weiter. dramatisch stellte sich dabei von anfang an die tatsache dar, dass dem skandinavischen quartett bislang ein wenig der arsch in der hose fehlte, welcher zumindest die vorgängerband phasenweise unentbehrlich für das rock'n'roll publikum mit fokus auf norwegen machte. nun ist es keineswegs so, dass das zweitwerk "Simple Pleasures" (silversonic records/h'art) nicht ein dutzend feiner hooklines für die verbleibende anhängerschaft bereithält. im vergleich zu kollegen wie den bones allerdings wirkt das material etwas zu unspektakulär, um in diesem immer noch hoch frequentierten genre wirklich nachhaltig bestand haben zu können. dennoch: dank treffern wie „never built to last“ und einem zusätzlichen energieschub ein zumindest nettes album.
this is stockholm, not u.k.: die Streetwaves machen zwar keinen hehl daraus, woher sie ihre inspirationen nehmen. zumindest aber gelingt es ihnen reichlich überzeugend, selbige in zündende songs zu verwandeln. die im falle ihres (nach reichlich lorbeeren in der heimat) nun auch bei uns erschienenen debüts vor allem nach sheffield klingen. "The Pleasure To End All Pleasures" (i made this/alive) lässt genau die funkensprühende energie aufblitzen, welche die arctic monkeys auf "humbug" verloren zu haben schienen. und beim track "death of exitement" darf man sich schonmal die strokes in flammen vorstellen... so richtig beklagen kann man angesichts des hohen hitanteils nur die eigenständigen merkmale, welche leider deutlich zu kurz kommen. dabei haben die streetwaves allen grund, sich entsprechendes selbstbewusstsein zuzulegen - und frühe vögel die chance, hier dabei zu sein bevor die vier breitere aufmerksamkeit ziehen. als bonus gibt es mit "reach the strands" übrigens einen zusatztrack - quasi als entschädigung für die um drei jahre verspätete veröffentlichung in bei uns.