Donnerstag, 19. März 2009

boozoo bajou. gesprächsstoff

da sind sie wieder. meine liebsten nürnberger. mit musik, die dem hardcore-publikum gerade gefallen müsste. elektronisch, detailverliebt, entspannt. ziemlich indie. exakt das richtige für ein aufatmen zwischen all dem tough-guy-sound... und weil das einfach mal unfassbar schöne musik ist. "grains" heißt das gerade erschienene album, !k7 das bewährte label und nicht nur weil man sich mit sellfish.de den parykeller teilte, war ein gespräch überfällig.

Welche Rolle spielt Nürnberg für Euer kreatives Schaffen? Stand für Euch jemals ein Umzug in eine der sogenannten Musikmetropolen zur Debatte? Und inwiefern seht Ihr Euch in einer fränkischen Szene verwurzelt, vielleicht ja sogar verplichtet?
Nürnberg spielt für uns eine Rolle in sofern, dass wir hier natürlich in erster linie unser soziales Umfeld
haben und auch pflegen, welches in einer Metropole leicht zu einer gewissen Anonymität führen Kann. Zum anderen haben wir hier vor Ort ein eng gestricktes und sehr gut funktionierendes Netz an sehr guten Musikern aller Art – aus dem zum Teil engesten Freundeskreis – welches ein effektives und konzentriertes Produzieren mit sich bringt und nicht von äußeren oft zerstreuenden Einflüssen ablenkt. Auf allen unseren Alben haben sich immer schon diese engen Beziehungen aufs Beste bewährt, warum also in die Ferne schweifen...aber unserer fränkischen Szene haben wir uns nicht verpflichtet gefühlt, es gibt von hier aus nicht gerade eine besonders euphorisierende Unterstützung. Alles ist ganz normal teilnamslos, wie das eben so ist in Regionen, in denen Musik-kultur eine eher untergeordnete Rolle spielt.

Das Thema Gastmusiker beherrschte Euch von Anfang an und mit "Grains" gibt es wieder viele interessante Kollaborationen. Trifft man sich im digitalen Zeitalter für solche Projekte noch persönlich?
Wie gesagt, arbeiten wir grundsätzlich immer mit diversen Gastmusikern, und deren Kollaborationen waren auch immer sehr wichtig und interresant für uns. Was das digitale Zeitalter betrifft, sind uns die „echten“ live gespielten Elemente immer schon sehr wichtig gewesen. Im Prinzip bestehen unser Stücke im Endeffekt auch gar nicht aus vielem synthetischem Material, es ist eher eine Produktionsweise im Sinne der Möglichkeit, wichtiges für uns auf den Punkt bringen zu können, ohne Kompromisse eingehen zu müssen, was Tiefe, Athmosphere, Soundesthetik und überhaupt Qualität im Allgemeinen betrifft. Musiker und Sängerinnen/Sänger arbeiten fast immer bei Uns im Studio, um eine Gegenseitige Reflexion entstehen zu lassen. Arrangement und Ausarbeitung finden später statt und werden in aller Regel von uns beiden entschieden. Wir hatten keine Schwierigkeiten bei der Entstehung des Albums was die Kontakte betrifft, eher stehen wir uns selber mit unseren Hohen Ansprüchen im Weg.

Beim ersten Beschäftigen mit "Grains" fällt auf, dass ihr mit gleich drei eindeutig "deutschen" Songtiteln arbeitet. Zufall oder Statement?
Beides, bei den letzten Alben wurde Uns nahegelegt bitte „international“ verständliche Titel zu wählen, dieses mal haben wir uns darüber hinweg gesetzt.

Euer stilistisches Spektrum ist mittlerweile ein enorm breites. Geratet ihr dennoch an Grenzen von denen ihr denkt, dass wäre zu weit weg von Boozoo Bajou? Und habt ihr ein Betätigungsfeld, wo ihr derartige Tendenzen ausleben könnt?

In den meisten Fällen sehen wir gerade darin eine Herausvorderung, unterschiedlichsten Musikrichtungen
unseren persönlichen Stempel aufzudrücken bzw.ein eigenes Gesicht erkennbar zu machen. Das ist sicherlich das schwierigste, speziell dann, wenn bei einem Projekt wie unserem, keine Person (z.B Sänger) als Aushängeschild oder Imagemarke damit verbunden ist. Wir können und wollen uns auschließlich über einen hörbaren Wieder-Erkennungswert definieren. Ich denke produzieren können wir vieles, aber Auszuforschen was wir in unserer Konstellation als Boozoo bajou am besten können ist wichtiger, sonst wird es zu beliebig. Aber wir haben in der Tat auch unter anderem Namen (z.B.Tontelas), Dinge auszuprobieren, die wir lieber getrennt von Boouoo Bajou sehen, nicht nur um auch in anderen Szenarien mit zuspielen, sondern weil es auch Spaß macht, musikalisch ganz woanders zu landen.

Wenn ich das richtig sehe, gibt es von Euch keine wirkliche Homepage, sondern "nur" eine Myspace-Präsenz. Wie wichtig ist Euch das Medium Internet sowohl im kreativen Prozess als auch im Kontakt mit Eueren Hörern?

Es haben sich schon einige kontakte über das Internet ergeben. Als bestes Beispiel mit Rumer, die auf unserem neuen Album dreimal vertreten ist. Die Kontakt - aufnahme und Anbahnung des ganzen ist ausschliesslich über myspace passiert. Früher hatte man oft das Problem, daß man nur bis zum Managment vorgedrungen ist, und weiter nicht. Das erleichtert schon einiges. Es ist sehr viel direkter.

Bestimmt nicht die originellste Frage, aber immer interessant: Welche Künstler rotieren bei Euch derzeit im Plattenspieler. Gerne drei aktuelle und drei ältere Beispiele.
Max richter – song from before
Vetiver – tight knit
Flavor crystals – ambergris

Antonio carlos jobim – stoneflower
Impressions -check out your mind
Frank sinatra – nice 'n' easy

Trotz einiger Funk-Elemente klingen Boozoo Bajou für mich immer enorm entspannt. Entspricht das Eueren Persönlichkeiten? Wo holt Ihr Euch im täglichen Leben die "Kicks"?
Einerseits entspricht unser Sound schon unseren Charakteren. Wir suchen beide wärend des Produzierens auch eine gewisse Entlastung von unseren Köpfen, d.h. nicht dass wir dabei eine Innere Ruhe finden, im Gegenteil, aber ein dauerndes Agressions-Potenzial beim Musik machen würde uns schon nach kurzer Zeit verzweifeln lassen. Wir können uns beide sehr gut in Dinge hineinhören, kleines Groß werden lassen, hintergründiges in den Vordergrund bringen usw... dazu braucht es viel Platz und Ruhe oder eben Langsamkeit in der Musik. „Kicks“ bekommt man sowieso viel zu viele, es ist eher eine Frage, wie wir uns deren entziehen können, ein Kick existiert nur für einen kurzen Moment, dann brauchst du den Nächsten. Wir möchten nichts wegwerfbares oder kurzfristiges, sondern beständiges erzeugen.

foto: pressefreigabe

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