Freitag, 20. März 2009

sony-mitarbeiter nehmen chef als geisel

eine beinahe groteske, wenngleich offenbar produktive verhandlungs-methode haben mitarbeiter der französischen sony-belegschaft an den tag gelegt: weil die sozialplan-gespräche für die rund 300 angestellten scheiterten, nahm' man kurzerhand den frankreich-manager des konzerns gefangen... derartige auswüchse mögen zwar eher der wirtschaftskrise denn dem abwärtstrend in der musikbranche zuzuschreiben sein - kurzweilig sind die entsprechenden pressemeldungen, z.b. im hamburger abendblatt, allemal.

Donnerstag, 19. März 2009

boozoo bajou. gesprächsstoff

da sind sie wieder. meine liebsten nürnberger. mit musik, die dem hardcore-publikum gerade gefallen müsste. elektronisch, detailverliebt, entspannt. ziemlich indie. exakt das richtige für ein aufatmen zwischen all dem tough-guy-sound... und weil das einfach mal unfassbar schöne musik ist. "grains" heißt das gerade erschienene album, !k7 das bewährte label und nicht nur weil man sich mit sellfish.de den parykeller teilte, war ein gespräch überfällig.

Welche Rolle spielt Nürnberg für Euer kreatives Schaffen? Stand für Euch jemals ein Umzug in eine der sogenannten Musikmetropolen zur Debatte? Und inwiefern seht Ihr Euch in einer fränkischen Szene verwurzelt, vielleicht ja sogar verplichtet?
Nürnberg spielt für uns eine Rolle in sofern, dass wir hier natürlich in erster linie unser soziales Umfeld
haben und auch pflegen, welches in einer Metropole leicht zu einer gewissen Anonymität führen Kann. Zum anderen haben wir hier vor Ort ein eng gestricktes und sehr gut funktionierendes Netz an sehr guten Musikern aller Art – aus dem zum Teil engesten Freundeskreis – welches ein effektives und konzentriertes Produzieren mit sich bringt und nicht von äußeren oft zerstreuenden Einflüssen ablenkt. Auf allen unseren Alben haben sich immer schon diese engen Beziehungen aufs Beste bewährt, warum also in die Ferne schweifen...aber unserer fränkischen Szene haben wir uns nicht verpflichtet gefühlt, es gibt von hier aus nicht gerade eine besonders euphorisierende Unterstützung. Alles ist ganz normal teilnamslos, wie das eben so ist in Regionen, in denen Musik-kultur eine eher untergeordnete Rolle spielt.

Das Thema Gastmusiker beherrschte Euch von Anfang an und mit "Grains" gibt es wieder viele interessante Kollaborationen. Trifft man sich im digitalen Zeitalter für solche Projekte noch persönlich?
Wie gesagt, arbeiten wir grundsätzlich immer mit diversen Gastmusikern, und deren Kollaborationen waren auch immer sehr wichtig und interresant für uns. Was das digitale Zeitalter betrifft, sind uns die „echten“ live gespielten Elemente immer schon sehr wichtig gewesen. Im Prinzip bestehen unser Stücke im Endeffekt auch gar nicht aus vielem synthetischem Material, es ist eher eine Produktionsweise im Sinne der Möglichkeit, wichtiges für uns auf den Punkt bringen zu können, ohne Kompromisse eingehen zu müssen, was Tiefe, Athmosphere, Soundesthetik und überhaupt Qualität im Allgemeinen betrifft. Musiker und Sängerinnen/Sänger arbeiten fast immer bei Uns im Studio, um eine Gegenseitige Reflexion entstehen zu lassen. Arrangement und Ausarbeitung finden später statt und werden in aller Regel von uns beiden entschieden. Wir hatten keine Schwierigkeiten bei der Entstehung des Albums was die Kontakte betrifft, eher stehen wir uns selber mit unseren Hohen Ansprüchen im Weg.

Beim ersten Beschäftigen mit "Grains" fällt auf, dass ihr mit gleich drei eindeutig "deutschen" Songtiteln arbeitet. Zufall oder Statement?
Beides, bei den letzten Alben wurde Uns nahegelegt bitte „international“ verständliche Titel zu wählen, dieses mal haben wir uns darüber hinweg gesetzt.

Euer stilistisches Spektrum ist mittlerweile ein enorm breites. Geratet ihr dennoch an Grenzen von denen ihr denkt, dass wäre zu weit weg von Boozoo Bajou? Und habt ihr ein Betätigungsfeld, wo ihr derartige Tendenzen ausleben könnt?

In den meisten Fällen sehen wir gerade darin eine Herausvorderung, unterschiedlichsten Musikrichtungen
unseren persönlichen Stempel aufzudrücken bzw.ein eigenes Gesicht erkennbar zu machen. Das ist sicherlich das schwierigste, speziell dann, wenn bei einem Projekt wie unserem, keine Person (z.B Sänger) als Aushängeschild oder Imagemarke damit verbunden ist. Wir können und wollen uns auschließlich über einen hörbaren Wieder-Erkennungswert definieren. Ich denke produzieren können wir vieles, aber Auszuforschen was wir in unserer Konstellation als Boozoo bajou am besten können ist wichtiger, sonst wird es zu beliebig. Aber wir haben in der Tat auch unter anderem Namen (z.B.Tontelas), Dinge auszuprobieren, die wir lieber getrennt von Boouoo Bajou sehen, nicht nur um auch in anderen Szenarien mit zuspielen, sondern weil es auch Spaß macht, musikalisch ganz woanders zu landen.

Wenn ich das richtig sehe, gibt es von Euch keine wirkliche Homepage, sondern "nur" eine Myspace-Präsenz. Wie wichtig ist Euch das Medium Internet sowohl im kreativen Prozess als auch im Kontakt mit Eueren Hörern?

Es haben sich schon einige kontakte über das Internet ergeben. Als bestes Beispiel mit Rumer, die auf unserem neuen Album dreimal vertreten ist. Die Kontakt - aufnahme und Anbahnung des ganzen ist ausschliesslich über myspace passiert. Früher hatte man oft das Problem, daß man nur bis zum Managment vorgedrungen ist, und weiter nicht. Das erleichtert schon einiges. Es ist sehr viel direkter.

Bestimmt nicht die originellste Frage, aber immer interessant: Welche Künstler rotieren bei Euch derzeit im Plattenspieler. Gerne drei aktuelle und drei ältere Beispiele.
Max richter – song from before
Vetiver – tight knit
Flavor crystals – ambergris

Antonio carlos jobim – stoneflower
Impressions -check out your mind
Frank sinatra – nice 'n' easy

Trotz einiger Funk-Elemente klingen Boozoo Bajou für mich immer enorm entspannt. Entspricht das Eueren Persönlichkeiten? Wo holt Ihr Euch im täglichen Leben die "Kicks"?
Einerseits entspricht unser Sound schon unseren Charakteren. Wir suchen beide wärend des Produzierens auch eine gewisse Entlastung von unseren Köpfen, d.h. nicht dass wir dabei eine Innere Ruhe finden, im Gegenteil, aber ein dauerndes Agressions-Potenzial beim Musik machen würde uns schon nach kurzer Zeit verzweifeln lassen. Wir können uns beide sehr gut in Dinge hineinhören, kleines Groß werden lassen, hintergründiges in den Vordergrund bringen usw... dazu braucht es viel Platz und Ruhe oder eben Langsamkeit in der Musik. „Kicks“ bekommt man sowieso viel zu viele, es ist eher eine Frage, wie wir uns deren entziehen können, ein Kick existiert nur für einen kurzen Moment, dann brauchst du den Nächsten. Wir möchten nichts wegwerfbares oder kurzfristiges, sondern beständiges erzeugen.

foto: pressefreigabe

Mittwoch, 4. März 2009

bestandsaufnahme 03/09

der südafrika-urlaub mag ein halbes jahr her sein, bilder und erlebnisse haben nach wie vor einen sehr präsenten platz in meinem kopf. und auch wenn kwaito etc. vielen hier durchaus schon ein begriff ist, die fussball-wm für einen wahnsinnigen popularitätsschub sorgen dürfte - dear reader beleuchten eine völlig neue facette ihrer heimat. kaum zu glauben, dass der heimlige indiepop des duos ausgerechnet hinter der spröden kulisse von johannesburg entstehen soll. aber vielleicht steht "replace why with funny" (city slang) einfach nur stellvertretend für die suche nach genau dem frieden, der sich in der dortigen kluft zwischen schwarz und weiß so schwer finden lässt: herzerweichender kammerpop, singer-songwriter-tristesse, verkappte hymnenhaftigkeit ("great white bear") und verhaltenes elektro-geplucker ("everything is caving") verbinden sich zu einem album, das man einfach lieb haben muss. es würde mich nicht wundern, wenn in meinem falle daraus mehr als nur eine affäre wird.

man soll das eisen schmieden, solange das feuer noch heiß ist... oder wie geht der spruch? jedenfalls haben fire in the attic besser mal nicht allzu viel zeit vergehen lassen, seitdem ihr vorgängerlongplayer dank "visions-magazin-gratisbeilage" überdurchschnittlich viel presse bekommen hat. versteht mich nicht falsch: die emocore'ler haben sich vorher durch diverse veröffentlichungen einen namen in der szene gemacht. mittlerweile werden sie aber doch noch auf wesentlich breiterer basis wahrgenommen. und bevor man im genrelager wegen überfüllung bzw. ermüdungserscheinungen endgültig die schotten dicht macht, melden sich hier - kurioserweise - durchaus altvordere nochmal zu wort. für ihr selbstbetiteltes werk haben "fire in the attic" (redfield records/cargo) in letzter zeit einen kleinen bis mittelschweren rebrush durchgemacht. und genau da liegt nämlich der große pluspunkt: erfreulich, dass neu-sänger thomas prescott (ex-kenai, und damit quasi labelmate) der band offenbar wirklich neue energie eingehaucht hat. der pop-faktor wurde leicht erhöht, der wiedererkennungswert naheliegenderweise ebenfalls. das hier taugt zu mehr als einer reanimation - wenngleich einmal mehr nicht ganz zum großen wurf.

dead serious records hat man den rücken gekehrt, schwäche gesteht man im hause bleed into one natürlich nicht ein. warum auch? schließlich wird auf "the scars remain" (demons run amok) wieder in einer old school-tradition gerockt, wie man sie hierzulande viel zu selten zu hören bekommt. das info nennt cro-mags und judge als anhaltspunkte, und bevor hier lauthals "gotteslästerung" gebrüllt wird, sollte man longplayer nummer zwei eine chance geben. denn der kann mit seiner kombination aus genannten klassischen genreversatzstücken und der modernen, leider etwas gesichtslosen produktion vorbehaltlos begeistern. und wenngleich die für mich sensationelle debüt-ep abermals nicht erreicht werden kann... sehr viel überzeugender bekommt man diese chose hierzulande nirgendswo serviert! im ernst: wer lust auf diesen sound hat, für den führt an bleed into one kein weg vorbei. darüberhinaus: ehe man hierzulande halbgare cro-mags reunion-shows supportet, investiert euer geld lieber in diese süddeutschen...

Dienstag, 24. Februar 2009

hardcore als rechte marke

ein artikel der taz sorgt derzeit für ordentlich wirbel in der hardcore-(medien)landschaft. ein kandidat aus der rechten szene soll sich den begriff "hardcore" urheberrechtlich gesichert haben. die szene fürchtet nun eine klagewelle. was sich erstmal wie ein vorgezogener aprilscherz anhört, zeigt allerdings tatsächlich schon erste, höchst bedenkliche konsequenzen. den ganzen artikel findet ihr hier.

und wie man sich das so wünscht, ist die gegenbewegung bereist aktiv. getreu dem motto "DIY gegen hardcore-marken-nazi". ich zitiere:

Du willst was tun? Einfach diese Mail kopieren und mit deinem Namen und deiner Adresse - keine Angst, da kann nichts passieren - an das Patentamt mailen:


An: info@dpma.de

Betr.: Aktenzeichen 302008045099.1

Sehr geehrte Damen und Herren,

die unter dem Aktenzeichen 302008045099.1 von Herrn Timo Schubert aus 37120 Bovenden angemeldete Wortmarke „Hardcore“ dürfte einem Eintragungshindernis unterliegen, worauf ich Sie hinweisen möchte.

„Hardcore“ ist ein beschreibender Begriff für eine Jugend- und Musikkultur, vergleiche http://de.wikipedia.org/wiki/Hardcore_Punk. Die dieser Kultur zugehörigen Fans kommunizieren ihre Einstellung verstärkt über Kleidung, in dem sie T-Shirts und ähnliches tragen, auf denen das Wort „Hardcore“ abgebildet ist. Durch die Markenanmeldung des Timo Schubert ist eine Monopolisierung der Sprache zu befürchten, die eine beschreibende Nutzung des Wortes erschwert.

Insbesondere wird auch darauf hingewiesen, dass Herr Timo Schubert ein Aktivist ist, der dem politisch rechtsradikalen Umfeld zuzuordnen ist und er schon jetzt seine Markenanmeldung dazu nutzt, gegen „Hardcore“-Fans aus dem linken Spektrum vorzugehen.

Es wird darum gebeten, Ihre Entscheidung über die Eintragung der Marke nochmals zu überdenken.

Mit freundlichen Grüßen

Sonntag, 22. Februar 2009

one life crew. neue lebenszeichen

wer hätte das gedacht - die legendäre und stets umstrittene one life crew ist zurück. wenngleich - nicht nur musikalisch - mit völlig neuem konzept. von dem man sich unter anderem hier überzeugen kann:
vorbei die knallharte straight edge-oldschool-attitüte, stattdessen findet man offenbar im visual key neue orientierung. das frische visuelle herangehen der crew lässt hier göttlich nachvolziehen:


schönen dank an chris riot für den hinweis.

Samstag, 14. Februar 2009

still believe? hardcore-bestandsaufnahme 02/09

die leidenschaft zu hardcore-platten und ein missionarischer zwang brachten mich einst dazu, sellfish.de ins leben zu rufen. und die begeisterung hielt volle sieben jahre an. nicht schlecht, behaupte ich jetzt mal ganz selbstbewusst - zumindest für unsere schnelllebige zeit. und meine eigentlich bedenklich kurze aufmerksamkeitsspanne.
naja, und nun beweist ja schon dieser blog, dass ich noch nicht wirklich von meinem missionseifer befreit bin. gleich drei neue platten liegen da vor mir. und nichts ist mir lieber, als meinen persönliche senf dazu abzugeben. zumal gerade diese drei cd's auch für bestimmte phänomene stehen könnten.
mouthpiece beispielsweise - eine straight edge band aus new jersey. die es eigentlich nie auf einen vernünftigen longplayer brachte, und dennoch kultstatus genießt. die nun via revelation records erschienene komplette diskographie hört auf den namen "can't kill what's inside". und überzeugte auch mich unwissenden. wie man das vom label nicht anders kennt stimmen bei dieser generalabrechnung schonmal die äußeren umstände: schickes artwork, zahlreiche photos und linernotes sowie diverses bonusmaterial im enhanced part der cd (...wobei die livetracks hier leider nur mit 128kit/s daherkommen). warum mich mouthpiece eine gute dekade später so in ihren bann ziehen, kann ich leicht benennen: immerhin gehören battery zu meinen liebsten hardcore-bands. und sie klingen deren frühneunziger-stil gar nicht so unähnlich. wobei mouthpiece sogar noch eine ecke rockiger, ja beinahe experimentierfreudiger zu werke gehen. positiver straight edge hardcore mit intelligenten texten, einer lebendigen produktion und nicht zuletzt: attitüde. für mich ein kleiner geheimtipp bzw. eine späte, wunderbar erfreuliche entdeckung. und, immer lesenswert: der blog einiger bandmitglieder zum thema sXe und mehr... double cross.
ganz anders a day to remember: die formation könnte stellvertretend für die neuerdings so einfachen chartrezepte ihres labels victory records stehen. "homesick" haftet ein unangenehmer kaugummi-beigeschmack an: wie schon beim vorgänger "for those who have heart" gefällt die kombinatin aus eingängigen pop-refrains und derbe vernichtenden beatdown-parts. die halbwertszeit des materials kommt mir 2009 aber noch einmal kürzer vor. klar, ein paar chöre bleiben hängen, mancher moshpart versetzt mir ein grinsen ins gesicht. aber irgendwie klingen die fünf mittlerweile so kalkuliert, dass jegliche leidenschaft außen vor zu bleiben scheint. vielleicht auch, weil man im eigenen konzept so gefangen ist, dass jegliches ausbrechen unmöglich scheint. obendrauf wird in den credits noch fleißig dem schöpfer gedankt. vielleicht kommt man auf solche ideen ja, wenn man die billboards offenbar ohne mühe von hinten aufrollt - ohne lange vorlaufphase. ne ne, leute, so kommen wir nicht zusammen. aber vielleicht muss das ja auch nicht sein, ein riesiger teil der internet-musiklandschaft fällt offenbar in die begeisterungsstürme des promozettels ein: "propelled by victory's propriety marketing and promotion vehicles and direct-to-consumer outreach. victory is a brand". you name it.
den gegenpol zu allem anderen hier bieten die österreicher von only attitude counts. und ja, verdammt, die gibt's noch! ihre lost and found vergangenheit haben sie mittlerweile an den nagel gehängt. sonst bleibt alles beim alten, und zwar ausdrücklich: mike crucified lebt immer noch seinen "this is vienna, not n.y." trip. da können er und seine spider crew-genossen noch so sehr von sämtlichen hardcore-szeneorganen als poser gedisst werden - den test of time haben sie allemal bestanden. und, mal ganz ehrlich: nach ein paar gelungenen ep's in ihrer frühphase haben only attitude counts echt viel mist gemacht. "triumpf of the underdogs" nun aber, erschienen unter der sympathischen label-kooperation swell creek/superhero records, macht mehr als ordentlich boden wett. und dies keinesfalls nur, weil die tue madsen-produktion erwartungsgemäß dick klingt. nein, im gegenteil. diesmal überzeugt das songmaterial! heidewitzka, wer das nicht zugibt ist ein lügner: unter den zwölf tracks befinden sich beinahe nur ohrwürmer! auch wenn man sich diese zum teil bei sick of it all und (natürlich!) madball und agnostic front geklaut hat. beziehungsweise deren repertoire offenbar so nachhaltig verinnerlichte, dass es schon mal zu überschneidungen kommen konnte. und, für den fall dass es diesmal wieder kein anderer formuliert: respekt dafür, dass ihr euer ding mittlerweile über eineinhalb dekaden durchzieht! wenn es diesmal doch irgendwie mit dem erfolg klappen sollte sei es euch ausdrücklich gegönnt!

Sonntag, 8. Februar 2009

Death Is Not So Glamorous... Blacktop Records!

Eigentlich hätte ich gedacht, diese Platte stünde unter einem schlechten Stern: Immerhin bemustern Blacktop Records noch mit richtigen, "physischen" Tonträgern - prompt sorgt die Post dafür, dass die CD hier in zwei Teilen ankommt. Im zweiten Aufwasch hat es denn aber doch geklappt. Zum Glück. Und das nicht nur, weil mich das feine Artwork und die Lifetime/Kid Dynamite-Referenzen hungrig gemacht haben. Um ehrlich zu sein: An deren Brillanz kratzen Death Is Not So Glamorous noch nicht. Die Tracks auf "Soft Clicks" machen in der Schnittmenge von Hardcore, Punk und vernünftigen Rock-Anteilen nichtsdestotrotz gewaltig Spaß. Oft würde nicht mehr als ein kleiner Kick fehlen, um dieses Debütalbum endgültig essentiell zu machen. So lassen die 13 Tracks immerhin vermuten, dass sie live zu ganz großer Form auflaufen. Und einen Extra-Sympathiepunkt gibt es dafür, ein paar verwegene Emo-Anleihen einzubauen, welche so gar nichts mit den Weinerlichkeiten der US-Langweilerrige zu tun haben. Stattdessen hängt das Herz der Norweger offenbar an den Debütplatten von Promise Ring und Get Up-Kids. Die müssen ja gute Menschen sein. Das dicke Ende kam dann ein paar Tage später: Blacktop Records werfen das Handtuch. Verdammt schade, wenngleich aus verständlichen Gründen - immerhin waren die Beweggründe bei sellfish.de ja ähnliche... Ich werde Euch trotzdem vermissen, denn der heimischen Hardcore-Szene geht damit (wieder einmal) ein guter Stall verloren.